Am Anfang war der Keller

Die Kellerbühne feiert 2015 ihr 50jähriges Bestehen. Das Historische und Völkerkundemuseum widmet dem Kleintheater aus diesem Anlass eine Ausstellung, die morgen Freitag eröffnet wird.

Luca Ghiselli
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Der Leiter der Kellerbühne, Matthias Peter, und Kuratorin Monika Mähr stellen die Jubiläumsausstellung vor. (Bild: Coralie Wenger)

Der Leiter der Kellerbühne, Matthias Peter, und Kuratorin Monika Mähr stellen die Jubiläumsausstellung vor. (Bild: Coralie Wenger)

Franz Hohler, Clown Pic, Manuel Stahlberger: Zahlreiche Musiker, Schauspieler und Kabarettisten verschiedener Generationen traten in ihren Anfangsjahren in der Kellerbühne auf. Ihre Gründung im Februar 1965 markierte den Anfang der Alternativkultur in Stadt und Region. Das Historische und Völkerkundemuseum zeigt ab morgen Freitag im eigenen Kellergewölbe, wie sich die Kellerbühne im Verlauf der Jahre vom einsamen Hort für Alternativkultur zu einem festen Wert der lokalen Kleinkunstszene mauserte.

Keller dank Tip entdeckt

Im November 1964 suchte das Cabaret Schnodergoofe (später umbenannt in Cabaret Selewie) nach einem Kellerraum für ihre Aufführungen. Unter dem Kostümverleih Jäger an der St. Georgen-Strasse 3 wurden sie dank eines Tips des Malers Willy Koch fündig. Innerhalb von sechs Wochen bauten Gewerbeschüler den Keller zum Kleintheater mit 148 Sitzplätzen um – die Kellerbühne war geboren. Die Geschichte der Kellerbühne hat Matthias Peter, der heutige Leiter des Theaters, im Buch «Applaus und Zugaben» zusammengefasst. In einer Lese-Ecke, für die Kuratorin Monika Mähr die alte Bestuhlung der Kellerbühne verwenden konnte, dürfen sich Interessierte in Peters Werk vertiefen.

Filme und Bühnenbilder

Dem Historischen und Völkerkundemuseum diente Matthias Peters Publikation als Basis für die Realisierung der Jubiläumsausstellung. Mit Filmausschnitten, Requisiten und Fotografien werden Museumsbesucher durch 50 Jahre lokale Kulturgeschichte geführt. Von Plänen des Kellers über Video-Kurzporträts der insgesamt sieben künstlerischen Leiter, die das Programm der Kellerbühne über die Jahre prägten, zeichnet die Jubiläumsausstellung ein buntes Bild. Kuratorin Monika Mähr legte Wert darauf, dass die Ausstellung im Kellergewölbe stattfindet. «So liess sich ein direkter Bezug zur Kellerbühne herstellen», sagt sie. Auf einer nachgebauten Bühne, welche das Bühnenbild des Appenzeller Kabarettisten Simon Enzler nachbildet, sind Filmaufnahmen aus 50 Jahren Kellerbühne zu sehen. «Cabaret und Schauspiel sind noch heute unser Kerngeschäft», sagt Matthias Peter. Sie haben sich, im Gegensatz zu Pantomimen und Jazzkonzerten, über die Jahrzehnte hinweg konstant gehalten.

Blick über den Tellerrand

Nicht nur die Geschichte der Kellerbühne wird in der Jubiläumsausstellung beleuchtet. Auch das übrige kulturelle Leben in der Stadt thematisieren die Ausstellungsmacher. So wird das «Africana» erwähnt, das ebenfalls 1965 eröffnet wurde und wo Bands wie Pink Floyd und Black Sabbath auftraten. Mit der Grabenhalle sei 1984 weiterer Raum für Alternativkultur entstanden. Die Konkurrenz für die Kellerbühne ist seither stetig gewachsen. Gehalten hat sich die kulturelle Institution trotzdem und bringt auch in jüngerer Zeit Entdeckungen wie Heinz de Specht oder Simon Enzler hervor.