Alzheimer-Betroffene brauchen Hilfe

Die Naropa Reha AG in Staad widmete sich mit einer Ausstellung und Fachvorträgen dem Thema «Mobilität im Alter». Cristina de Biasio informierte im Dialog mit Rosemary Högger darüber, was Alzheimer für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet.

Ramona Riedener
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Rosemary Högger (l.) und Cristina de Biasio sprachen über Alzheimer. (Bild: Ramona Riedener)

Rosemary Högger (l.) und Cristina de Biasio sprachen über Alzheimer. (Bild: Ramona Riedener)

STAAD. Es ist ruhig im leicht abgedunkelten Raum der Firma Naropa Reha AG, als Cristina de Biasio einige nüchterne und trotzdem so erschreckende Zahlen nennt – hinter jeder steckt ein individuelles Schicksal. Biasio ist im Vorstand der Alzheimervereinigung St. Gallen/Appenzell und Pflegeexpertin. Ihren Vortrag leitet sie mit einer Statistik ein, laut der es in der Schweiz aktuell 160 000 Demenzkranke gibt. Davon leben 7240 in den Kantonen St. Gallen und Appenzell. Jährlich rechnen Fachkreise gesamtschweizerisch mit 28 000 Neuerkrankungen. Bis 2050 soll sich die Zahl verdreifachen.

Ein langsamer Abschied

Dies ist eine erschreckende Entwicklung, denn Demenz ist therapierbar, doch bis heute nicht heilbar. Alzheimer, die häufigste Form einer Demenzerkrankung, verändert nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das ihrer Angehörigen. Etwa die Hälfte der erkrankten Menschen lebt zu Hause und wird von Partner, Partnerin, Sohn oder Tochter gepflegt. Unterstützung erhalten sie unter anderen bei der Alzheimervereinigung. Seit 25 Jahren engagiert sich die landesweit tätige Fachstelle für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Sie bietet Beratung, Gesprächsgruppen, Angehörigenseminare sowie Ferien und Entlastung an. Cristina de Biasio unterstützt täglich Betroffene und Angehörige bei der Bewältigung des Alltags. «Es ist ein langsames Abschiednehmen von einem geliebten Menschen. Zuerst verliert der Demenzkranke das Kurzzeit- und später das Langzeitgedächtnis. Irgendwann ist der Geist dann weg», beantwortet de Biasio eine Frage aus dem Publikum.

Betroffene berichtet

Was es heisst, als Angehörige mit der schrecklichen Diagnose zu leben, weiss Rosemary Högger. Ihr Mann erkrankte bereits mit 57 Jahren an Alzheimer. Früher gingen Fachkreise davon aus, dass nur ältere Menschen betroffen sind. Heute erkranken immer mehr jüngere Menschen. «Eine Welt brach zusammen. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr wie bisher», sagt Högger. «Wir konnten nicht mehr das machen, was wir geplant hatten. Was heute gültig ist, zählt morgen nicht mehr.» Eingebettet zu sein in ein soziales Umfeld ist laut Cristina de Biasio sehr wichtig. «Mein Mann war früher selbständig erwerbend. Heute ist es sehr schwierig, ihn zu beschäftigen. Wenn aus meinem Bekanntenkreis jemand kommt und zum Beispiel einfach mit ihm spazieren geht, ist das für mich Gold wert», sagt Högger. Das bedingt, dass das Umfeld von betroffenen Menschen keine Berührungsängste hat – was ein umfassendes Wissen über die Krankheit voraussetzt. Bei der Alzheimervereinigung bekomme sie die nötige Hilfe für die Bewältigung des schwierig gewordenen Alltags, sagt Rosemary Högger. «Die Gespräche und die Angehörigenseminare helfen mir sehr. Planen ist nicht mehr möglich. Doch was zählt, ist heute, vielleicht noch morgen.»