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ALTENRHEIN: Grabesruhe im Kantonsrat

Eine Interpellation soll in der Regierung die Diskussion über den Schutz von Kindergräbern entfachen. Die Initianten um Felix Bischofberger wollen eine Gesetzesänderung erreichen, die mehr auf die Bedürfnisse von Angehörigen eingeht.
Sandra Grünenfelder
Eine Interpellation verlangt: Die Schutzfrist für Kindergräber soll gleich lang wie die für Erwachsene sein. (Bild: Reto Martin)

Eine Interpellation verlangt: Die Schutzfrist für Kindergräber soll gleich lang wie die für Erwachsene sein. (Bild: Reto Martin)

ALTENRHEIN. Es ist ein Thema, das bewegt und bei Betroffenen oft auf Unverständnis stösst: Kindergräber auf Friedhöfen werden früher aufgehoben als Erwachsenengräber. Die kantonale Gesetzgebung in St. Gallen schützt Erdbestattungen von Kindern 15 Jahre lang, die von Erwachsenen mindestens 20 Jahre. Die Grabesruhe von Urnengräbern beträgt für beide mindestens zehn Jahre. «Der Tod eines Kindes bedeutet einen besonderen Schmerz und die Trauerzeit kann länger dauern als die Grabesruhe», erklärt Hauptinitiant und CVP-Kantonsrat Thomas Warzinek. Er hat zusammen mit einer Diskussionsgruppe der CVP St. Gallen im Kantonsrat eine Interpellation eingereicht. Sie soll die Diskussion über Sinn und Zweck der 50 Jahre alten Regelung anstossen. «Die kürzere Grabesruhe für Kinder ist aus heutiger Sicht teils sehr schmerzhaft und nicht mehr zeitgemäss», sagt Warzinek. Die Initianten wünschen sich, die Frist für Kindergräber mindestens auf die der Erwachsenen anzupassen.

Felix Bischofberger, Präsident CVP Region Rorschach, ist Mitinitiant der Interpellation. Er sieht die regelmässigen Besuche und die Pflege des Grabes als einen wichtigen Teil in der Trauerverarbeitung an. «Häufig stehen Angehörige 15 Jahre nach dem Tod eines Kindes mitten im Leben und wären froh, nicht so früh mit der Aufhebung belastet zu werden», sagt Bischofberger.

Individuelle Lösung erwünscht

Zudem stellt sich die Diskussionsgruppe der Frage, ob die Bewirtschaftung der Friedhöfe nicht flexibler gestaltet werden kann. «Wir könnten uns vorstellen, die Regelung der Grabesruhe auf individuelle Bedürfnisse anzupassen», sagt Bischofberger. «Beispielsweise eine Fristenverlängerung für Angehörige, die bereit wären, die Gräber noch länger zu finanzieren.» Das Gesetz überlässt den Gemeinden zwar einen gewissen Spielraum, indem es nur eine Mindestzeit ansetzt, die Erfahrung der Initianten zeige jedoch, dass die meisten Gemeinden unmittelbar nach Ablauf der gesetzten Frist die Grabräumungen durchführen.

Erdbestattungen nehmen ab

Auch der Thaler Gemeindeschreiber Christoph Giger sieht keine Erklärung in der kürzeren Grabesruhe für Kinder. Für ihn ist jedoch eher eine Anpassung der Frist nach unten vorstellbar, von 20 auf 15 Jahre. «Meine Erfahrung zeigt, dass von 100 Bestattungen lediglich in drei bis vier Fällen eine Erdbestattung erwünscht wird.» Die Nachfrage sei in der Gemeinde Thal gering. Dies vor allem aufgrund des höheren Aufwands, den Erdbestattungen mit sich bringen. «Viele wollen nicht mehr an den Unterhalt eines Grabes gebunden sein», erklärt Giger. Urnengräber seien kleiner und kosteten weniger. Ein akuter Platzmangel bestehe auf dem Friedhof in Thal zwar nicht. Dennoch hält Giger an der üblichen Vorgehensweise der Grabaufhebung fest. «Wir müssen die Gräber reihenweise aufheben», sagt er. Ansonsten würde man mit der Zeit an Kapazitätsgrenzen stossen.

Walter Moser ist Friedhofsgärtner in Rorschach. Er hat eine ganz rationale Erklärung für die kürzere Grabesruhe von Kindern. «Das hat mit der Körpergrösse zu tun», sagt er. Kinder seien kleiner, die Verwesung dauere daher weniger lang als bei einem Erwachsenenkörper. Er ist bereits mit Angehörigen von Kindergräbern, die sich eine längere Grabesruhe wünschten, konfrontiert worden. «Wir haben in solchen Fällen jeweils individuelle Lösungen gefunden.» Ob die Interpellation in der Regierung auf Interesse stösst und ob die Initianten gegebenenfalls das Thema mit einer Motion fortsetzen wollen, wird sich in der Septembersession zeigen.

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