Alte Häuser müssen definitiv weichen

Die Bawo hat die Bewilligung für vier Neubauten im Sömmerli erhalten. Im August soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. Im Quartier ist die Überbauung nach wie vor Diskussionsthema.

Merken
Drucken
Teilen
Muss weg: Eines der Häuser, das im Sömmerli bald abgebrochen wird. (Bild: Malolo Kessler)

Muss weg: Eines der Häuser, das im Sömmerli bald abgebrochen wird. (Bild: Malolo Kessler)

Das Gras in den Gärten ist hoch gewachsen, die ersten Blumen spriessen, Spinnen krabbeln durch die Wiese. Ansonsten gibt es kaum noch Leben in und um die vier älteren Häuser im nördlichsten Teil der Lilienstrasse. Einige Fensterläden sind geschlossen, die Innenräume leer. Die Mieter haben sich nach neuen Wohnmöglichkeiten umgesehen. Denn für die vier Häuser aus der Nachkriegszeit hat bald das letzte Stündchen geschlagen. Sie werden abgerissen und durch vier grössere Wohnbauten ersetzt.

Günstiger als Renovation

Die Häuser gehören der Bau- und Wohngenossenschaft St. Gallen (Bawo). Seit einigen Jahren wird über deren Abbruch diskutiert. Hauptmotiv dafür war laut Martin Hersche, Vizepräsident der Bawo, der schlechte Zustand der Bauten. Wohnflächen, Raumeinteilung, Installationen und Wärmedämmung seien veraltet. Nach genauen Analysen sei man zum Schluss gekommen, dass es günstiger sei, neue Häuser zu bauen als die seit 1946 bestehenden zu renovieren.

2006 wurde erstmals ein Projekt für die Überbauung erarbeitet. Drei Jahre später bewilligte die Bawo an ihrer Generalversammlung einen Gesamtkredit in der Höhe von zwölf Millionen Franken für das Sömmerli-Projekt.

Nach der Auflage des Gestaltungsplans zu den Ersatz-Neubauten gingen acht Einsprachen ein. «Mehrheitlich aus der Nachbarschaft», sagt Hersche. Sie betrafen Ängste bezüglich Mehrverkehr und kritisierten den Baukörper. Nachdem die Einsprachen erledigt waren, ist der Gestaltungsplan seit 1.

April nun rechtskräftig und die Bawo hat die Baubewilligung für die vier Mehrfamilienhäuser mit Flachdächern erhalten. Sie werden im Minergiestandard erstellt. Die Dächer werden alle begrünt, auf einem ist auch eine Solaranlage vorgesehen. Insgesamt werden im Sömmerli 20 neue 3- bis 5-Zimmer-Wohnungen entstehen. «Im Gegensatz zu den jetzigen Häusern werden die neuen alle einen Lift haben», sagt Hersche. Eines soll ganz rollstuhlgängig sein.

Im Moment stehe zur Diskussion, dieses in Zusammenarbeit mit dem nahegelegenen Altersheim für betreutes Wohnen zu nutzen.

Zum Projekt gehört zudem eine Tiefgarage mit 48 Parkplätzen. Damit wird laut Hersche nicht nur der Parkplatz-Bedarf für die neuen Mieter gedeckt, sondern auch jener von 15 weiteren Einfamilienhäusern im Sömmerli, die der Bawo gehören.

Häuser Ende 2011 bezugsbereit

Mit der Umsetzung des Zwölf-Millionen-Projekts wird voraussichtlich im Juni begonnen. Nach dem Abbruch der Häuser steht im August der Aushub an. Läuft alles plangemäss, sind die neuen Bauten Ende 2011 bezugsbereit.

Im Quartier ist der Abbruch der Nachkriegshäuser nach wie vor ein vieldiskutiertes Thema. Ein Anwohner findet, dass die Häuser wie Wohnblocks aussehen und befürchtet, dass sich das Quartier dann auch in diese Richtung entwickeln wird.

Und eine Frau aus dem nahegelegenen Altersheim findet es einfach nur schade – «Schade, dass die alten Häuser, die zum Quartier gehören, bald verschwinden.» (mke)