Als Vadian ins Museum

Das Historische und Völkerkundemuseum hat vier neue Angebote für Kinder und Familien. Sie ergänzen bestehende Aktivitäten, die den Kindern die Schwellenangst nehmen sollen.

Beda Hanimann
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Mit Zylinder und Béret: Auf den Spuren historischer Persönlichkeiten kann die Geschichte St. Gallens erkundet werden. (Bild: Michel Canonica)

Mit Zylinder und Béret: Auf den Spuren historischer Persönlichkeiten kann die Geschichte St. Gallens erkundet werden. (Bild: Michel Canonica)

Zwei Buben stehen vor einem Puzzle. Der eine trägt einen Zylinder, der andere ein Beret – Kopfbedeckungen, wie sie zwei längst verstorbene St. Galler getragen haben, der Textilfabrikant und Kaufmann Franz Rittmeyer im 19. und der Reformator Vadian im 16. Jahrhundert.

Ein neues Quiz zur Ausstellung «St. Gallen im Bild» ermöglicht es, «in Rollen zu schlüpfen und so die Ausstellung zu erkunden», wie Monika Mähr sagt, die Kuratorin für Geschichte im Historischen und Völkerkundemuseum. Sieben historische Figuren aus den letzten 500 Jahren stehen zur Verfügung, vom Reformator bis zur Journalistin von heute. Die Kinder erhalten an der Kasse eine Tasche, in der sich ein Malbüchlein mit Informationen und Quizfragen befindet – und dazu das typische Accessoire einer der Persönlichkeiten.

Aufmerksam hinschauen

Auch beim Detektivspiel «Abenteuer im Museum» führt der Weg zur Lösung durch verschiedene Räume des Museums. «Wir wollten schon lange etwas wie einen Familienrundgang konzipieren, vor allem für die Dauerausstellungen», sagt Mette Mösli, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Ein Projekt des Museumsverbandes des Kantons St. Gallen (Musa) kam da gerade recht. Der hatte das Detektivspiel vor drei Jahren im Rahmen von Überlegungen zu einer kantonalen Museumsstrategie entwickelt.

Beim «Abenteuer im Museum» werden Kinder, Eltern und Grosseltern mit Fragen durch das Museum geschickt. Die Aufgaben sollen sie animieren, genau hinzuschauen, sich Gedanken zu machen, sich zu besprechen. «Das Detektivspiel soll eine Teamarbeit sein», sagt Alois Ebneter, Co-Präsident von Musa. Das Historische und Völkerkundemuseum ist die fünfte Institution, die das Spiel anbietet, bis zum Frühling werden im ganzen Kanton zehn Museen ihr eigenes Detektivspiel haben.

Zum Malstift greifen

In der seit einem Jahr laufenden Ausstellung über religiöse Volkskunst aus Südindien können die Kinder selber zum Malstift greifen. Ein Schweizer Künstlerpaar war auf einer mehrmonatigen Indienreise Strassenkindern begegnet, die um Geld und Essen baten. Als Gegenleistung liess es sie etwas zeichnen – «ein für den indischen Alltag typischer Tauschhandel», wie Kuratorin Jeanne Fichtner sagt. Eine Auswahl dieser Zeichnungen ergänzt derzeit die religiöse Volkskunst. Und animiert die jungen Besucher ebenfalls zum Zeichnen. Aus den so entstehenden Motiven wird ein Memoryspiel gemacht, eines existiert schon mit den Originalen aus Indien. Der Erlös aus dem Verkauf kommt einem Verein für die Unterstützung indischer Strassenkinder zugute.

Anspruchsvoll und dankbar

Das vierte Angebot ist eine Ausstellung von Sockenmonstern der St. Galler Designerin Clarissa Schwarz –, verbunden mit einem vorweihnachtlichen Wettbewerb. All diese Neuerungen ergänzen das bestehende Angebot für Kinder, Schulen und Familien, wie der Historiker Peter Müller betont. «Kinder sind ein wichtiges, anspruchsvolles und dankbares Publikum. Wir denken immer an alle Generationen, das lohnt sich.» Wenn man Kindern so die Schwellenangst nehme, würden sie ein Museum nie als verstaubt empfinden, ergänzt Monika Mähr.