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Als Susi kurze Zeit Tina hiess

Sie führte drei Jahre lang ein Doppelleben und hielt dieses auch Jahre später selbst vor ihrer engsten Familie geheim: Die St. Gallerin Susi Noger war Mitglied der geheimen Widerstandsorganisation P-26. Inzwischen erzählt sie davon.
David Gadze
Lehrerin Susi Noger alias Tina war während dreier Jahre Mitglied der Widerstandsorganisation P-26. (Bild: Urs Bucher)

Lehrerin Susi Noger alias Tina war während dreier Jahre Mitglied der Widerstandsorganisation P-26. (Bild: Urs Bucher)

Für Familie, Freunde und Bekannte ist sie «die Susi». Lehrerin, Ehefrau und Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern. Für einige ganz wenige hiess sie jedoch knapp drei Jahre lang Tina. Und war Mitglied der geheimen Organisation P-26, die zur Zeit des Kalten Krieges bei einer Besetzung der Schweiz und der Kapitulation des Militärs autonom den Widerstandswillen der Bevölkerung aufrechterhalten sollte (Kasten). «Ausser meinem Mann wusste niemand von meinem Doppelleben», sagt Susi Noger. Nicht einmal ihre Eltern oder Geschwister weihte die heute 58-Jährige ein.

Ein normales Leben geführt

1988, mit 32 Jahren, wurde die Kantilehrerin von einem Verwandten ihres Mannes für die P-26 angeworben. «Später habe ich erfahren, dass ich davor ein Jahr lang überwacht worden war», erzählt sie. Sie habe keine Bedenken gehabt, dass sie etwas Subversives unterstütze, sondern es im Gegenteil sowohl spannend als auch beruhigend gefunden, dass es zu jener Zeit in der Schweiz eine solche Widerstandsorganisation gegeben habe. Im Ernstfall hätte sie nicht ausrücken müssen, sondern wäre in St. Gallen aktiv gewesen und hätte weiterhin ein «normales» Leben geführt – auch zwecks Tarnung. «Damals waren meine Söhne drei und ein Jahr alt. Ich hätte meine Familie wegen der P-26 nicht verlassen.»

Susi Noger war in ihrer Widerstandszelle, von denen es in der Schweiz rund 40 aktive und 40 schlafende mit jeweils sechs bis zehn Mitgliedern gab, als Funkerin vorgesehen. «Bei einer Besetzung der Schweiz hätte ich über Funk und über tote Briefkästen Nachrichten empfangen und sie an meinen Regionalchef weiterleiten sollen.»

Das Gesicht verstecken

Ihr Einführungskurs fand im «Schweizerhof» statt, einem geheimen Felsbunker bei Gstaad. Ein Ausbildner der P-26 habe sie mit dem Auto am Bahnhof Gstaad abgeholt. Zur Begrüssung in der Festungsanlage gab es eine Videobotschaft des Generalstabschefs der Armee. In ihrem Zimmer arbeitete, ass und schlief sie allein. Wenn sie es für den Gang auf die Toilette oder für eine kurze Pause im Aufenthaltsraum verliess, musste sie ihr Gesicht hinter einer Maske verstecken.

In Gstaad lernte Susi Noger jedoch nicht nur das Handwerk als Funkerin, sondern auch das Basteln von einfachen Sprengsätzen und den Umgang mit der Pistole. «Wir waren aber keine geheime Armee», betont sie. Vielmehr hätte die Bevölkerung durch geeignete Aktionen aufgemuntert und der Gegner durch Lächerlichmachen oder Propaganda diskreditiert werden sollen. Direkter Kontakt zur Bevölkerung sei jedenfalls nicht vorgesehen gewesen. «Wir waren ohnehin zu klein, um uns zu gruppieren oder kämpferische Aktionen durchzuführen.»

Familie erst 2009 eingeweiht

Als die Existenz der P-26 durch eine parlamentarische Untersuchungskommission im Jahr 1990 ans Licht kam, wurde die Organisation in der Folge aufgelöst. Susi Noger behielt die Geschichte aber weiterhin für sich. Erst als der Bundesrat im Jahr 2009 die ehemaligen Widerstandskämpfer von der Geheimhaltungspflicht befreite, weihte sie ihr Umfeld ein. «Meine Söhne fielen aus allen Wolken.» Ihrem Vater hätte sie gerne von Tina erzählt. Er starb jedoch noch vor der Aufhebung der Schweigepflicht.

Tina sucht alte Weggefährten

Von Rico, dem vor wenigen Monaten verstorbenen Kommandanten Efrem Cattelan, erhielt Tina nach der Auflösung der P-26 ein Dankesschreiben für ihren Einsatz. Im Frühling 2013 lernte sie ihn am Treffen eines militärischen Vereins kennen. «Es war ein besonderer Moment und hat mir geholfen, ein paar weitere Antworten auf Fragen zu bekommen», sagt sie. Denn bis heute habe sie kein anderes ehemaliges Mitglied der P-26 getroffen, mit dem sie sich austauschen könne. Viele seien inzwischen verstorben. Und von ihrer Widerstandszelle habe sie einzig den Regionalchef gekannt. Dieser – der Vater eines ehemaligen Klassenkameraden – ist inzwischen auch verstorben. Deshalb hofft Susi Noger, dass Tina doch noch irgendwann auf Weggefährten aus alten Tagen trifft.

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