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Als St. Gallen ein Haus verschob

Eine Hausverschiebung, wie sie diese Woche in Oerlikon stattgefunden hat, ist zwar selten, jedoch kein Einzelfall. Vor 100 Jahren ist in St. Gallen ein Gebäude, zerlegt in Einzelteile, vom Bahnhof ins Riethüsli transportiert worden.
Maurine Reifler
Die «Villa Malta» an ihrem neuen Standort: Im Jahr 1911 wurde sie von der St. Leonhard-Strasse an die Hochwachtstrasse verschoben. (Bild: Urs Jaudas)

Die «Villa Malta» an ihrem neuen Standort: Im Jahr 1911 wurde sie von der St. Leonhard-Strasse an die Hochwachtstrasse verschoben. (Bild: Urs Jaudas)

Die Hauszügelaktion am Dienstag in Oerlikon – 6200 Tonnen wurden in 17 Stunden verschoben – war ein vielbeachtetes Medienereignis. Auch in St. Gallen gab es einst eine spektakuläre Gebäudeversetzung. Vor rund 100 Jahren wurde die «Villa Kürsteiner», wie sie damals hiess, vom Bahnhofplatz ins Riethüsli transportiert. Allerdings nicht als ganzes Gebäude, sondern in Einzelteile zerlegt. «Dies war zu jener Zeit doch sehr selten», sagt Denkmalpfleger Niklaus Ledergerber. Heute steht das Gebäude als «Villa Malta» an der Hochwachtstrasse 15.

Steine wurden numeriert

Das gezügelte Haus stand an der Ecke St. Leonhard-/Gutenbergstrasse, wo heute das «Merkatorium» mit dem McDonald's im Erdgeschoss steht. 1911 waren die Planungen für dieses «Merkatorium» im Gang – also musste die «Villa Kürsteiner» an der St. Leonhard-Strasse 32 weg. Die genauen Umstände, die zum Abbruch und Wiederaufbau des 1883 erstellten Hauses führten, sind allerdings nicht mehr rekonstruierbar. Die «Villa Kürsteiner» hatte aber bereits einige Besitzerwechsel hinter sich. Niklaus Ledergerber vermutet, dass der damalige Eigentümer Jacob Schwager «zwar den Boden verkaufte, aber das Haus wahrscheinlich schützen wollte».

Also haben Handwerker das Gebäude abgebrochen. Die Fassadensteine, Dachbalken und Türrahmen wurden «sorgfältig numeriert und in mühseliger Arbeit mittels Pferdefuhrwerk ins Riethüsli hinauf transportiert», schreibt Marcel Tschirky in einer Ausgabe der Quartierzitig Riethüsli. Er hat dabei den Transport und den neuen Standort der «Villa Malta» samt Baueingabeplan dargestellt.

1,6 Kilometer transportiert

Die stattliche Villa wurde also im Jahr 1911 in zig Einzelteile zerlegt und rund 1,6 Kilometer die steile Teufener Strasse hinauf transportiert. Im Riethüsli bauten die Arbeiter die Villa wieder Stein für Stein zusammen. Wieso der Standort an der Hochwachtstrasse 15 gewählt wurde, ist ebenfalls nicht mehr herauszufinden. Aber: «Die Lage, mit schöner Aussicht über St. Gallen, war sicherlich eine gute Wahl», sagt Niklaus Ledergerber.

180 Grad gedreht

Eins zu Eins wurde die Villa allerdings nicht mehr aufgebaut. Auffällig ist vor allem die Drehung des Hauses um 180 Grad. «Damit kommt der Erkerausbau der Hauptfassade in Richtung Tal zu liegen», schreibt Marcel Tschirky. Zur neuen Lage kam auch ein neuer Name: Jacob Schwager benannte es «Villa Malta». Zudem wurde die Villa «umgebaut». Einerseits ist laut Niklaus Ledergerber einiges weggelassen worden, anderseits hinzugekommen. «Nur die kunstvollen Dinge wurden gezügelt, und natürlich das Gemäuer.»

Zudem ist die 1883 von Alfred Chiodera und Theophil Tschudy erbaute «Villa Kürsteiner», wie Marcel Tschirky schreibt, um 1,5 Meter erhöht worden. Damals gab der Bauherr Eduard Kürsteiner lediglich ein Obergeschoss in Auftrag. 1911 wurde das ehemalige Dachgeschoss in ein normales Wohngeschoss ausgebaut. Auch Ledergerber stellt fest, dass das zweite Obergeschoss nicht mehr so reich verziert ist. Er schliesst daraus, dass es erst bei der Versetzung ergänzt wurde.

Noch eine Zügelaktion

Die «Villa Kürsteiner» ist nicht das einzige Gebäude in der Nähe des Hauptbahnhofs, das in dieser Zeit weichen musste. «Vor 1911 standen in diesem Quartier einige schöne Häuser», sagt Ledergerber. «Diese wurden jedoch alle gänzlich abgerissen.» Das neue Merkatorium, die Hauptpost und später auch der Neumarkt brauchten Platz. Die alte Villa war das einzige Gebäude des Quartiers, das erhalten blieb.

Niklaus Ledergerber erinnert sich noch an eine weitere Zügelaktion: «Im Jahr 1853 hat ein Stickereifabrikant sein altes Holzhaus von Speicher an die Leimatstrasse 7 in die Nähe der Schützengarten Brauerei gezügelt».

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