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Als Protestanten und Katholiken noch eigene Bäcker hatten

Erinnerungen In der Lachen gab es früher wie in anderen Stadtquartieren eine erstaunliche Vielzahl von Quartierläden. Allein 13 Bäckereien waren es einst im Gebiet Feldli, Stahl, Lachen, Waldau und Vonwil gemäss den Erinnerungen, die Bäcker Hans Gmünder 1985 aufgeschrieben hat. Gut an die Zustände in seiner Kindheit und Jugend in den 1930er- und 1940er-Jahren erinnert sich Walter Frei. Der spätere reformierte Pfarrer im Heiligkreuz und in Bühler wuchs an der Metallstrasse 8 auf, wo er heute wieder wohnt. Für seine historischen Quartierbummel hat er sich in die Quartiergeschichte vertieft.

Spezielles Einkaufsverhalten in den 1930er- und 1940er-Jahren

In unmittelbarer Nachbarschaft des Elternhauses von Walter Frei gab es zwei Bäckereien. Einmal war das jene der Familie Gmünder an der Gerbestrasse 1, zum anderen jene der Familie Epple an der Zürcher Strasse 17. Allerdings ging man nicht einfach so zum einen oder anderen Bäcker. Es gab ein heute kaum mehr nachvollziehbares Entscheidungskriterium: Welchen Bäcker man bevorzugte, war bei den meisten von der Konfession abhängig. «Protestanten, die etwas auf sich hielten», bevorzugten die Bäckerei Epple, während «gute Katholiken» vor 70, 80 Jahren ausschliesslich in der Bäckerei Gmünder einkauften.

Nur in einem heute ebenfalls kaum mehr vorstellbaren Punkt waren sich gemäss Walter Frei Protestanten und Katholiken einig: In die Migros, die damals einen kleinen Laden an der Vonwilstrasse betrieb, ging man nicht. Man bevorzugte die Quartierläden. Dieser «neumödige Billigladen» sei nichts «für anständige Leute», hiess es in weiten Teilen des Bürgertums bis in die 1960er-Jahre hinein. Erst dann fiel diese Barriere; der Grossverteiler wandelte sich auch in der Lachen zum Laden für alle, der er bis heute ist. Walter Frei vermutet, dass in der Zeit um 1968 dank des allgemeinen Mentalitätswandels auch beim Einkaufsverhalten ein Wendepunkt lag. Mit den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren setzte auf jeden Fall auch in der Lachen langsam das Lädelisterben ein.

Walter Frei hat noch andere Erinnerungen an die Bäckereien im Quartier. Ab einem gewissen Zeitpunkt kauften viele das Mehl nicht mehr dort, sondern beim Kolonialwarenladen an der Ecke Stahl- und Metallstrasse. Dort gab es dieses – als grosse Sensation – ohne «Tierchen» drin. Vorher hatte man diese mit Hilfe eines Mehlsiebs entfernt, das in keinem Haushalt fehlen durfte. Ins Mehl gerieten die Würmchen durch dessen ausgiebige Lagerung. Sie war damals ein wichtiger Faktor für die Qualität der daraus hergestellten Backwaren. (vre)

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