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Als im Espenmoos alle «Didi, Didi» riefen

«Didi, Didi» hallt es heute noch den schon etwas älteren Anhängern des FC St. Gallen in den Ohren, wenn sie sich an Dietmar Metzler erinnern.
Fredi Kurth
Didi Metzler (r.) mit Ivan Zamorano (M.) und Urs Fischer (heute Trainer FC Thun) 1989 auf dem Espenmoos. (Bild: «FC St. Gallen – 11 nach 100»)

Didi Metzler (r.) mit Ivan Zamorano (M.) und Urs Fischer (heute Trainer FC Thun) 1989 auf dem Espenmoos. (Bild: «FC St. Gallen – 11 nach 100»)

«Didi, Didi» hallt es heute noch den schon etwas älteren Anhängern des FC St. Gallen in den Ohren, wenn sie sich an Dietmar Metzler erinnern. Der flinke Flügel reihte sich vor fast 30 Jahren in die Gruppe vorarlbergischer Grenzgänger ein, die auf dem Espenmoos immer wieder gerne aufgenommen wurden. Dieser Status erlaubte peripher gelegenen Vereinen, neben einem einzigen Ausländer zwei weitere Spieler jenseits der Grenze zu verpflichten.

Beim Début zwei Tore

Didi, wie ihn alle nannten, folgte 1985 auf Martin Gisinger und Gerhard Ritter. Der damalige Trainer Werner Olk pochte auf eine rasche Verpflichtung, nachdem Metzler, gross geworden beim FC Götzis, in Vorarlberg und beim FC Widnau Tore zuhauf geschossen hatte. «Ich hatte damals in Österreich keine Gelegenheit, im Profifussball Fuss zu fassen, da kam mir das Angebot der St. Galler gelegen», sagt Metzler. Weil sich die Anerkennung des Grenzgänger-Status verzögerte, musste der 22-jährige Stürmer fünf Spiele im U-21-Team absolvieren. Umso mehr erinnert er sich noch genau an seine Premiere in der damaligen Nationalliga A: «Es war der 25. September 1985. Zum Sieg gegen den FC Wettingen steuerte ich zwei Tore bei. Eines war ein Wembley-Tor. Der Ball flog unten an die Latte.»

Fussballer mit jeder Faser

Metzler hatte damit bei den Anhängern bereits einen Stein im Brett. Und schon bald sollte er zum Publikumsliebling avancieren, was er nicht nur seinen fussballerischen Leistungen verdankte. «Ich denke, das Publikum spürte meinen Willen und meinen Ehrgeiz. Jemand sagte mir einmal, man sehe mir schon beim Warmlaufen an, wie geladen ich sei», sagt Metzler. Mit jeder Faser seines Körpers lebte er den Fussball und lebte er für den FC St. Gallen. Es war, als ob sich sein Herzblut, das er vergoss, auf dem grünen Leibchen abzeichnen würde.

«Didi, Didi» hallte während fünfeinhalb Jahren durchs Espenmoos. Eine kleine Fangemeinde aus dem Vorarlberg reiste jeweils in einem Kleinbus bis nach Zürich zu Metzlers Einsätzen. Er erlebte die gloriose Zeit mit den Chilenen Zamorano, Rubio und Mardones. Mit Thun-Trainer Urs Fischer teilte er jeweils das Hotelzimmer, hat er heute noch Kontakt.

Sechs Jahre in Linz

Dann kam doch noch das Angebot aus der österreichischen Bundesliga. Weil damals das Beobachtungsnetz nicht so eng gewoben war wie heute mit Scouts und Live-TV, erhoffte sich Metzler beim Linzer ASK eher eine Chance, einmal im Nationalteam antreten zu dürfen. Dort erfuhr er Anerkennung der unterschiedlichen Art. Weil er später zum Lokalrivalen Stahl Linz wechselte, wurde er von Lask-Anhängern als «Verräter» gescholten. «Didi, Didi» war weniger häufig zu hören. Dafür brachten die Medien seine Schnelligkeit immer wieder mit dem Begriff «Turbo» in Zusammenhang.

«Dich muss man schon bei der Ballannahme stören. Sonst hat man keine Chance», hat der Internationale Charly In-Albon Didi Metzler einmal anvertraut. Sion-Verteidiger Alain Balet war einmal so entnervt, dass er Metzler mit einer Kopfnuss eine klaffende Wunde verpasste. «Beim Rückspiel strafte ich ihn mit einem Tor und zeigte ihm die Faust», erzählt Metzler, und es klingt, wie wenn es gestern gewesen wäre. Für ein offizielles Länderspiel mit Österreich hat es nie gereicht. «Aber ich war nahe dabei, durfte sogenannte Sichtungsspiele bestreiten.» Zusammen mit Ogris und Rodax durfte sich Metzler zu den schnellsten Stürmern der Liga zählen: «Ich bin mit meiner Laufbahn sehr zufrieden.»

Trainer und «Papa, Papa»

Die liess er noch bei diversen Vereinen in Vorarlberg, Liechtenstein und in der Ostschweiz ausklingen. Beruflich wechselte er als Administrator zur Kelag AG in Sennwald und hobbymässig ins Trainerfach, hatte die Spieler von Altstätten, Eschen-Mauren, Rheineck und Rorschach unter seinen Fittichen. «An der Seitenlinie bin ich so temperamentvoll wie auf dem Spielfeld», sagt er. Seine Art hat schon zu heftigem verbalem Austausch mit seinen Leuten geführt. «Aber solche Emotionen gehören dazu. Sie sind nach dem Match vergessen.» So ist Didi Metzler. Und so ist er auch als Trainer beliebt: Rheineck hat ihn auf diese Saison vom FC Rorschach zurückgeholt. «Dem ambitionierten Leader Buchs haben wir zuletzt ein 2:2 abgerungen», sagt Metzler. «Das Saisonziel ist der aktuelle 5. Rang.»

Sein Temperament hatte auch keine zersetzenden Stürme in seinem Privatleben ausgelöst. Wie schon beim FC St. Gallen ist er mit Anita verheiratet und lebt in Hohenems. Daheim dürfte er statt «Didi, Didi»- eher «Papa, Papa»-Rufe gehört haben. Seine Töchter Vanessa und Alina sind inzwischen aber dem Kindesalter entwachsen.

Metzlers Matchtip: St. Gallen – Thun 2:2 (Sonntag, 13.45 Uhr, AFG Arena).

Didi Metzler ist heute im Alter von 50 Trainer beim FC Rheineck. (Bild: Ernst Capol)

Didi Metzler ist heute im Alter von 50 Trainer beim FC Rheineck. (Bild: Ernst Capol)

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