Als Heroinhändler angeworben

Ein 23jähriger Serbe muss eine Gefängnisstrafe von sieben Jahren absitzen. Der Mann hatte sich in seiner Heimat als Heroinhändler anwerben lassen und in St. Gallen Drogen verkauft.

Claudia Schmid
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Laut Anklageschrift ermittelten die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft gegen eine Gruppierung von vorwiegend serbischen Staatsangehörigen, die im Kanton St. Gallen grössere Mengen von Heroin auf den Markt bringen. Sie fanden heraus, dass in einem Ort in Serbien jüngere Männer als Läufer angeworben und sie in der Schweiz in Hotelzimmern oder Kleinwohnungen untergebracht werden. Insgesamt ermittelte die Untersuchungsbehörde gegen über zwanzig Männer.

Spielschulden gemacht

Die Angeworbenen wurden von Hintermännern mit Heroin versorgt und beauftragt, die Kugeln an Gassendealer weiterzugeben. Diese packten die Drogen in kleinere Portionen um und verkauften sie an Konsumenten. Einer dieser Läufer stand Ende letzter Woche vor dem Kreisgericht St. Gallen. Ihm wurde vorgeworfen, mindestens 15 Kilo Heroingemisch weitergegeben zu haben.

Bei seiner Verhaftung fand man in seiner Wohnung ein halbes Kilo Heroin, Streckmittel und knapp 50 000 Franken.

In der Befragung gab der Angeklagte an, er habe in seiner Heimat Spielschulden gemacht. Darauf hätten die Männer ihm gesagt, er müsse das Geld durch den Drogenhandel zurückerstatten. Ihm sei keine andere Wahl geblieben. Er habe aber nicht mit 15 Kilo Heroin, sondern höchstens mit 9 Kilo gehandelt. Für den Rest müsse wohl ein anderer Drogenhändler verantwortlich sein.

Alle Chancen gehabt

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Mann eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren. Es handle sich um eine schwere Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, betonte die Untersuchungsrichterin vor Gericht. Der Angeklagte sei intelligent und nicht drogensüchtig. Ihm seien alle Chancen offen gestanden, ein straffreies Leben zu führen. Im Untersuchungsverfahren habe er sich geweigert, Namen der Hintermänner zu nennen.

Sein Hinweis, er habe Angst, die Drogenchefs könnten seinen Familienmitgliedern etwas antun, sei eine Schutzbehauptung.

Die Verteidigerin versuchte zu belegen, dass ihr Mandant tatsächlich nur mit acht bis neun Kilogramm Drogen gehandelt hat. Die Aussagen in den Akten liessen den Schluss zu, dass es noch andere Zulieferer gegeben habe. Seine Angst um die Familie in Serbien sei begründet. Die Rechtsanwältin beantragte ein Strafmass von 4,5 Jahren.

Hohe kriminelle Energie

Das Kreisgericht verurteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren. Es sei kaum ein Strafmilderungsgrund ersichtlich, erklärte der vorsitzende Richter. Einzig das Teilgeständnis habe sich leicht auf das Strafmass ausgewirkt. Der Mann habe eine hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt. Bei seiner Straftat sei Gewerbs- und Bandenmässigkeit gegeben.

Das Gericht gehe davon aus, dass er mit einer weitaus höheren Menge an Drogen gehandelt habe, als ihm vorgeworfen werde. Die Kosten, die das Untersuchungsverfahren und die Gerichtsverhandlung verursacht haben, wurden dem Angeklagten auferlegt. Sie betragen knapp 80 000 Franken.