Als Band auf zu neuen Ufern

ST.GALLEN. Die St. Galler Hip-Hop-Crew BDC ist jetzt eine Band – mit allen Vor- und Nachteilen. Wie das klingt, ist auf dem neuen Werk «Columbus» zu hören. Das Mini-Album wird morgen im Kugl getauft.

Roger Berhalter
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Auf Kurs: BDC mit Rapper Philippe Rieder (mit Sonnenbrille). (Bild: pd)

Auf Kurs: BDC mit Rapper Philippe Rieder (mit Sonnenbrille). (Bild: pd)

Hip-Hop live bedeutet oft: Vorne ein paar Rapper am Mikrophon, und hinten ein DJ, der die Beats abspielt. Bei der Beat Dictator Crew (BDC) ist das anders. Seit 2013 treten die St. Galler als Live-Band auf, inklusive Schlagzeuger, Bassist und Keyboarder. Wie das klingt, ist auf dem neuen Mini-Album «Columbus» zu hören, das BDC morgen im Kugl offiziell taufen. Oder wie es die Hip-Hopper in selbstbewusster Art verkünden: «Nach vier Alben und unzähligen Gigs haben sich die St. Galler Rap-Urgesteine mal eben als Liveband neu erfunden und starten mit der EP <Columbus> in eine neue Ära».

Songs mit Refrain

Urgesteine sind BDC in der Tat, sie sind die wohl dienstälteste Hip-Hop-Crew der Stadt. Die Rap-Truppe um den St. Galler Philippe Rieder alias CRF und den Klangtüftler Maedae gründete sich 1998. Damit auch nach 17 Jahren in der Szene keine Langeweile aufkommt, haben BDC für «Columbus» ihren Arbeitsprozess noch einmal komplett umgestellt. «Früher machte unser Produzent Maedae einen Beat, und wir rappten darüber», sagt Philippe Rieder. Es herrschte also klare Arbeitsteilung. Heute werde in der Band gegenseitig kritisiert, und alle Mitglieder hätten volles Mitspracherecht. Ausserdem haben sich BDC von den hip-hop-typischen Loopschleifen gelöst und komponieren nun Songs mit Höhen und Tiefen, mit Strophen und Refrains.

Aufnahmen dauern länger

Erstmals setzen BDC auch auf die Hilfe eines Produzententeams: Der seit Jahren mit der Band befreundete Swamijee vom St. Galler Studio Earthbeat Records und der Amerikaner KNS verhalfen BDC zu einem zeitgenössischen, poppigeren Sound. Während der vielen gemeinsamen Stunden im Studio merkte Philippe Rieder auch dies: «Mit einer Band dauert alles viel länger», sagt er und lacht.

Immer noch Wut im Bauch

«Columbus», der Titel des aktuellen Werks, spielt auf all diese Neu-Entdeckungen an. Und man hört darauf, wie Philippe Rieder sagt, auch «Texte, die man von einem Mitt-Dreissiger erwartet». So wie der Song «Valium», der davon handelt, wie man irgendwann im Leben beginnt, die Welt da draussen auszublenden, weil man mit dem eigenen Kram nun mal genug beschäftigt ist. Mit «Jericho» ist auch ein «Wut-im-Bauch-Song» auf dem Album gelandet. «Den hatten wir am schnellsten fertig. Wir haben ihn kurz nach Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative geschrieben.»

CD-Taufe: Morgen Fr, 21 Uhr, Kugl (mit dem Münchner Rapper Fatoni und dem Wiler DJ Thedawn)

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