Alltägliche Paradoxien

Übrigens

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Eigentlich sollte ich aufhören, denke ich mir, während ich 15 Minuten nach Trainingsende schwer atmend, allein vor dem Turnhalleneingang stehe und genüsslich den Rauch meiner Zigarette in meine durch die sportliche Aktivität ausgedehnten Lungenbläschen ziehe. Wer weiss, wie viele Tore ich geschossen hätte, wie viel schneller ich umschalten könnte. Gut eigentlich für meine Fussballkollegen, dass ich es nicht tue.

Malerisch werden die Sonnenstrahlen vom tiefblau erscheinenden Seewasser des Bodensees reflektiert, als ich zurück nach Rorschach düse. Schwer vorstellbar, dass kürzlich noch Bäume unter der Last des frisch gefallenen Schnees einknickten und dass die Natur den natürlich auftretenden Ereignissen nicht standhalten kann. Merkwürdig, verlieren Bäume im Winter doch ihre Blätter, damit der Schneefall nicht abgebremst wird. Theorien über einen durch Ausstösse verstärkten Treibhauseffekt und dadurch auftretende Veränderungen der Jahreszeiten sind wohl mehr als bloss fantastische Konstrukte. Auch wenn dies kein wissenschaftlicher Beweis ist, da gewisse Dinge auch ohne unsere Eingriffe geschehen.

Seltsam ist auch, dass wir Menschen schliesslich da sind, um die Bäume zu retten – Symptom und Therapie zugleich. Doch die Menschheit als «wir» zu bezeichnen wäre zu einfach, da nicht jeder denselben Beitrag leistet. Was ist wohl meiner? Wahrscheinlich, dass ich rauchend meine Lebenserwartung senke und der Natur so mehr Platz lasse, um sich selbst zu regulieren. Aber wäre das natürlich? Eines unnatürlich induzierten natürlichen Todes zu sterben? Ich bin irritiert.

Abstand von meinen Gedanken suchend, gehe ich raus, und während ich mir einen Glimmstängel anzünde, wird mir bewusst: Entweder bin ich unglaublich naiv oder über alle Massen selbstlos. (mzi)