"Alles prüde Spiesser"

ST.GALLEN. Der Halbnacktauftritt des deutschen Erotikmodels Micaela Schäfer an der Uni St.Gallen sorgt auf Facebook für heftige Kontroversen. Die einen kritisieren die ablehnende Reaktion der HSG – andere nennen die Berlinerin billig.

Daniel Walt
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Das umstrittene Foto: Micaela Schäfer posiert am Infoschalter der HSG. (Bild: Facebook)

Das umstrittene Foto: Micaela Schäfer posiert am Infoschalter der HSG. (Bild: Facebook)

Über 89'000 Personen gefällt die Facebook-Seite des deutschen Erotikmodels Micaela Schäfer. Kein Wunder, dass die frivole Stippvisite der 29-jährigen an der Universität St.Gallen auch im sozialen Netzwerk heisse Debatten ausgelöst hat. Die einen loben mit knackigen Voten Micaela Schäfers Auftritt. Die üppige Berlinerin hatte sich im BH, mit Mütze und hochhackigen Schuhen am Infoschalter der HSG ablichten lassen, um Werbung für ihren Auftritt in einem St.Galler Club zu machen. Andere finden das Verhalten Schäfers weniger sexy: Sie üben scharfe Kritik an der Frau, die sich schon mehrfach Schönheitsoperationen unterzogen hat und die ihr Geld unter anderem mit der Moderation an Pornomessen verdient.

Das umstrittene Foto: Micaela Schäfer posiert am Infoschalter der HSG. (Bild: Facebook)

Das umstrittene Foto: Micaela Schäfer posiert am Infoschalter der HSG. (Bild: Facebook)

Ungeistiges für die Elite
"Supersexy", "Wow, Du bist der Hammer" oder etwas dezenter "Sie haben einen schönen Körper": Die Mehrheit der Kommentare zu Micaela Schäfers HSG-Fotoshooting fällt positiv aus. Bedauert wird einzig, dass Schäfer die Hüllen nicht gleich ganz hat fallen lassen: "Die Mütze ist ok, aber warum trägst Du den Rest? So angezogen erkennt dich doch keiner!", stellt ein Kommentator scherzhaft fest. Es finden sich zudem Beiträge von Studenten, die es bedauern, Schäfer nicht persönlich erlebt zu haben: "Wir haben soeben die einzig bedeutende Woche in drei Jahren Bachelor verpasst!", stellt beispielsweise ein HSG-Absolvent fest. Andere messen Micaela Schäfers Stippvisite an der St.Galler Uni gar eine tiefere Bedeutung zu: "So konnten die Mitglieder der sogenannten Elite mal sehen, dass es auch noch ungeistige Dinge gibt, die gewaltige Freude bereiten", meint einer. Andere hingegen üben teils scharfe Kritik an der 29-Jährigen: "Wenn Dummheit quietschen würde, würde die den ganzen Tag mit der Ölkanne rumrennen", heisst es in einem Beitrag. Ein anderer User doppelt nach: "Michi, du an einer Uni – das ist nur peinlich!". Und ein weiterer urteilt: "Eine Schande für die Deutschen – die braucht in der Schweiz kein Mensch."

"Billiger als eine Aldi-Tüte"
In der Nacht auf Freitag meldet sich auf Facebook dann auch Micaela Schäfer zum Wirbel um ihre HSG-Aktion zu Wort. "Ganz ehrlich, ich weiss gar nicht, was daran so schlimm ist, dass ich die Uni in St.Gallen besucht habe", schreibt sie. Und verspricht mit einem Augenzwinkern: "Ich werde beim nächsten Mal einen Rollkragenpullover tragen. Wollte eh mal wissen, wie sich das so anfühlt…" Auch zu diesem Eintrag finden sich wieder zahlreiche Kommentare – und wieder gehen die Meinungen der User weit auseinander. "Alles prüde Spiesser", findet beispielsweise eine Kommentatorin zur Reaktion der HSG, die wenig Freude an Micaela Schäfers Aktion hatte und sich für eine PR-Aktion missbraucht fühlt. Ein anderer schliesst vom Einzelfall aufs Generelle: "Haha, die Schweizer, eh alle verklemmt!", postet er. In die gleiche Richtung geht das Votum einer weiteren Kommentatorin: "Die berühmte Doppelmoral, so wie in Bayern – nach aussen und öffentlich alles schön spiessig, aber die korrupten und versexten Dinge passieren hinter verschlossenen Türen." Doch bei gewissen Usern kommt die Berlinerin auch nach ihrem Rechtfertigungs-Posting schlecht weg: "Dein Niveau ist sogar billiger als eine Aldi-Tüte", findet einer. Und ein anderer stellt lapidar fest: "Nichts ernst nehmen und sich für nichts zu schade zu sein ist einfach nur billig. Da nützt auch ein schöner Körper alleine nichts."