Alles auf eine Karte gesetzt

ARNEGG. Myrta und Daniel Kora lernen sich in einem Missionsspital in Benin kennen. Eine Autopanne war ihr Glück. Ihre Liebe müssen sie vorerst geheim halten. Als ihr Geheimnis auffliegt, fliegt sie zurück in die Schweiz. Er folgt ihr.

Daniela Decurtins
Drucken
Myrta und Daniel Kora mit ihrer 16jährigen Tochter Myriam. (Bild: Urs Bucher)

Myrta und Daniel Kora mit ihrer 16jährigen Tochter Myriam. (Bild: Urs Bucher)

Pünktlichkeit gehört nicht zu Daniel Koras Stärken. «Nur zur Arbeit und zum Flughafen erscheint er rechtzeitig», sagt seine Frau Myrta und lacht. Die Familie hat sich mittlerweile daran gewöhnt und nimmt das Warten meist mit Humor. Und falls ein wichtiger Termin ansteht, gibt die 44-Jährige ihrem Mann einfach eine falsche Uhrzeit an, damit er pünktlich erscheint. «Da ich Myrta aber gut kenne, habe ich sie schnell durchschaut», sagt er und fügt hinzu: In Benin gebe es keine genaue Uhrzeit, sondern einfach nur Morgen, Mittag und Abend.

Dank Autopanne zum Glück

Kennengelernt haben sich die beiden 1991. Die damals 24jährige Krankenschwester Myrta Wick reist nach Benin in ein Missionsspital. Zur gleichen Zeit absolviert Daniel Kora dort eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Im Missionsspital herrscht strikte Trennung zwischen Männern und Frauen. «Wir waren in getrennten Häusern einquartiert», erinnert sich Myrta Wick. Als sie Daniel Kora nach einigen Monaten fragt, ob er wisse, wo sie auf Pferden reiten könne, begleitet er sie. Und verliebt sich in die blonde Schweizerin. Vorerst behält er das für sich. «Ich dachte damals, das hat sowieso keine Zukunft», sagt er. Eine Beziehung sei bei den Missionaren verboten gewesen. «Und ich wollte nirgendwo anders leben als in Afrika bei meiner Familie.» Kurze Zeit später will ihn seine Schwester mit einer Frau verkuppeln. Da Daniel Kora aber lieber Zeit mit der Schweizerin verbringen will, nimmt er sie kurzerhand mit. Auf dem Weg zur Schwester hat ihr Taxi eine Panne. Mehrere Stunden müssen sie in der Pampa ausharren. Der mutige Pfleger nutzt diese Gelegenheit, um der Krankenschwester seine Liebe zu gestehen. Und dann: Der erste Kuss. Ihre Liebe müssen sie vor den Missionaren jedoch geheim halten. Lange Zeit sei das gut gegangen, sagen sie. Doch eines Tages fliegt ihr Geheimnis auf. Myrta Wick fliegt zurück in die Schweiz. Unter ihrem Herzen wächst bereits ein neues Leben heran.

«Das ist ein guter Mann»

Drei Monate später, nach Abschluss seiner Ausbildung in Benin, setzt Daniel Kora alles auf eine Karte. Er reist zu seiner grossen Liebe nach Arnegg. Sie heiraten und bekommen ihre erste Tochter, Salomé. Später kommen die Töchter Myriam und Joanna hinzu. Myrta Wicks Familie schliesst den Schwiegersohn sofort ins Herz. Ihr Vater nimmt seine Tochter beiseite und sagt zu ihr: «Das ist ein guter Mann.» Die ersten neun Monate wohnt das Ehepaar bei ihren Eltern auf dem Bauernhof. Der erinnert Daniel Kora an seine Heimat. «Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt», sagt er. Ziemlich schnell lernt er die deutsche Sprache. Da seine Ausbildung zum Krankenpfleger in der Schweiz nur zum Teil anerkannt wird, geht er nochmals zwei Jahre zur Schule. Später absolviert er eine Anästhesieausbildung. Heute arbeitet er im selben Spital wie seine Frau.

Die Stiftung Faaba gegründet

Kulturelle Unterschiede zwischen der Schweiz und Benin gebe es viele. Zum Beispiel beim Sport. «In Benin habe ich gerne Volleyball gespielt», sagt der 42-Jährige. Er habe sich deshalb in der Schweiz bei einer Plauschmannschaft angemeldet. Doch schnell merkt er, dass hier gespielt wird, um zu gewinnen. «In meiner Heimat lacht man auch, wenn man verliert. Die Leute sind nicht so verbissen.» Ansonsten mag er die Schweizer. «Rassismus spürt man teils aber schon», sagt er. «Doch ich exponiere mich nicht, vermeide Tanzclubs und halte mich nicht in St. Gallen beim Bahnhof auf», sagt Daniel Kora weiter. Er sei ohnehin am liebsten zu Hause und koche für Arbeitskollegen und Freunde.

Das Paar ist einige Jahre später zurück nach Benin gereist, um ein medizinisches Ambulatorium aufzubauen. Fünf Jahre haben die Schweizerin und der Afrikaner dort verbracht und die Stiftung Faaba gegründet. Mit ihr leisten sie medizinische Hilfe und fördern die allgemeine Schulbildung in Westafrika. «Bald möchten wir ein neues Projekt aufbauen», sagt Myrta Kora. In einigen Jahren, wenn ihre Töchter aus dem Haus sind, wollen sie vielleicht wieder nach Afrika zurückkehren. Zurück an den Ort, wo sie sich gefunden haben.

Bild: DANIELA DECURTINS

Bild: DANIELA DECURTINS

Aktuelle Nachrichten