Alles auf eine Karte gesetzt

GOSSAU. Das Gossauer Stadtparlament will über die Gelder für alle Sportanlagen gemeinsam abstimmen lassen. Um die gut 60 Millionen zu bekommen, brauche es aber Überzeugungsarbeit.

Johannes Wey
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Die Gelder für den Wettbewerb zum Hallenbadersatz hat das Stadtparlament gesprochen. Der Baukredit wird aber Teil eines Gesamtpakets. (Bild: Michel Canonica)

Die Gelder für den Wettbewerb zum Hallenbadersatz hat das Stadtparlament gesprochen. Der Baukredit wird aber Teil eines Gesamtpakets. (Bild: Michel Canonica)

Die Stadtparlamentarier haben Stellung bezogen: Der Masterplan Sportanlagen soll ganz oder gar nicht umgesetzt werden. Das heisst, dass die Stimmbürger voraussichtlich 2019 über alle geplanten Anlagen entscheiden und auf einen Schlag über geschätzte 63 Millionen Franken abstimmen werden. Und das Parlament will mehr als die Minimalvariante: Trotz zweier neuer Dreifachturnhallen soll die Lindenberghalle saniert werden und danach auch gesellschaftlichen sowie kulturellen Zwecken dienen. In der Schlussabstimmung wurden die Anträge der Vorberatenden Kommission (VBK) einstimmig angenommen.

Tennisvereine berücksichtigen

Trotzdem war das Geschäft nicht ohne Diskussionen über die Bühne gegangen. Losgetreten hatte diese Felix Koller von der FDP. Er unternahm einen letzten Versuch, die Interessen der Tennisvereine abzusichern. Dazu beantragte er unter anderem, die Kosten für den Ersatz der Tennisanlagen, deren Baurechtsverträge von der Stadt nicht verlängert werden, in den Masterplan aufzunehmen. «Bei einer Vorlage von 63 Millionen Franken wäre es naiv zu glauben, dass die Stimmbürger danach noch Mittel für Tennisanlagen sprechen.»

«Ökonomischer Wahnsinn»

In einem weiteren Antrag verlangte Koller zudem den Verzicht auf einen Rahmenkredit zugunsten einzelner Baukredite. Bei einem Rahmenkredit könnten künftige Generationen die Ausgaben nicht mehr priorisieren, was «ökonomischer Wahnsinn» sei – schliesslich kenne niemand die Rahmenbedingungen im Gossau von 2025. Kollers Anträge blieben allerdings selbst in seiner eigenen Fraktion chancenlos.

Vereine im Abstimmungskampf

Am bildhaftesten zeigte sich die Einmütigkeit unter den Fraktionen in Markus Rosenbergers (SVP) Votum, als er den Masterplan in Anlehnung an den SP-Slogan dafür lobte, dass er «Sport für alle statt für wenige» ermögliche. Über einen Rahmenkredit abzustimmen sei unverzichtbar, weil die Ausgabenfreudigkeit der Stimmbürger mit jeder Bauetappe abnehmen könnte – wodurch die Sportvereine verleitet würden, ihre Eigeninteressen statt jene des Sportes zu vertreten. Weshalb das nicht passieren dürfe, machte Stefan Harder (Flig) klar: «Diesen Abstimmungskampf werden nicht die Parteien, sondern die Sportvereine führen müssen.» Und dies gemeinsam.

Viel Vertrauen

Auffallend waren an der Debatte auch die zahlreichen Vertrauensbekundungen an die Adresse des Stadtrats. Insbesondere, als Baudirektor Stefan Lenherr versicherte, dass sich die Stadt bereits mit einer Lösung für die Tennisvereine befasse. Vom Misstrauen, das in jüngster Zeit zwischen Parlament und Stadtrat herrschte, war am Dienstag wenig zu spüren.

Einig waren sich die Parteien auch über die Voraussetzungen für ein Ja der Bevölkerung zum Rahmenkredit. Diese hatte VBK-Präsident Norbert Hug (CVP) schon zu Beginn der Debatte formuliert: Über die Arbeiten im Rahmen des Masterplans müsse laufend und transparent informiert werden. Insbesondere gegenüber den Betroffenen.