Alle Würth-Firmen besteuert

Jetzt ist es offiziell: Sämtliche Gesellschaften der Würth-Gruppe in Rorschach werden ordentlich besteuert, beantwortet die St. Galler Regierung eine Interpellation im Kantonsrat. Und der Neubau bringt nicht zuletzt Touristen in die Region.

Marcel Elsener
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Blick aus dem Neubau auf die Brache der möglichen Erweiterung neben dem Strandbad Rorschach – und Richtung Altenrhein. (Bild: Hanspeter Schiess)

Blick aus dem Neubau auf die Brache der möglichen Erweiterung neben dem Strandbad Rorschach – und Richtung Altenrhein. (Bild: Hanspeter Schiess)

RORSCHACH. Er habe über die Spekulationen hinsichtlich allfälliger Steuererleichterungen nur «ungläubig den Kopf geschüttelt», sagte Jürg Michel, Mitglied der Konzernführung der Würth Group, vergangene Woche am Rande der Baustellenführung in Rorschach. «Lächerlich. Es ging uns nie um Steueroptimierung.» Und ohne direkten Bezug auf Steuern betonte Michel, dass Würth «die Versprechungen einhalten» und der Region die gute Aufnahme in vielerlei Hinsicht verdanken werde.

Der Finanzmanager der Gruppe und «quasi der Schweizer Teil der Konzernleitung», wie sich der Bündner vorstellte, hat unlängst in St. Gallen Wohnsitz genommen und freut sich auf den Umzug aus Küsnacht. 30 der 70 Mitarbeiter der dortigen Würth-Finanzfirma konnte er den Arbeitsort im Osten nicht schmackhaft machen, obwohl er ihnen ein «viel schöneres Gebäude» in Aussicht gestellt hatte. Ersatz wurde, aus über 500 Bewerbungen, allerdings schnell gefunden.

Keine Holding-Gesellschaften

Die von Michel geleitete Gesellschaft für die weltweiten Finanzströme des Konzerns ist wohl die lukrativste, was etwaige Steuereinnahmen für den Kanton angeht. Zum Thema Steuern will sich der Würth-Manager derzeit aber nicht weiter äussern und verweist auf die Stellungnahme der Regierung, die den «tatsächlichen Gegebenheiten entspricht».

In ihrer seit Ende Januar vorliegenden Antwort zur Interpellation der SP-Fraktion bestätigt die St. Galler Regierung, dass es keinerlei Steuererleichterungen für Würth-Firmen in Rorschach gebe (wie unsere Zeitung am 20. Dezember berichtete). Ausserdem sei keine der angesiedelten Gesellschaften eine Holding-Gesellschaft: «Konkret bedeutet dies, dass sämtliche bisher und im nächsten Frühjahr in Rorschach angesiedelten Gesellschaften ordentlich besteuert werden.»

Dies betrifft nebst der seit zwei Jahren in Rorschach tätigen Würth Management AG (hier sind laut Jürg Michel «die Visionen angesiedelt») die Würth Finance Int. B.V., Würth Financial Services AG, Würth ITensis AG, Würth Logistics AG, Marbet (Eventmanagement u. a. für Saal) sowie Academy (Ausbildung fürs mittlere Kader). Die 170 Arbeitsplätze in diesen Firmen bringen laut Regierung eine «beachtliche jährlich wiederkehrende Wertschöpfung» – ein Teil davon als Steuereinnahmen in den Wohngemeinden der Region. Bei positivem Geschäftsgang der in Rorschach angesiedelten Gesellschaften könne auch «mit entsprechenden Steuereinnahmen aus Gewinn- und Kapitalsteuern gerechnet werden».

Konferenzgäste und Restaurant

Die wirtschaftliche Bedeutung der Ansiedlung und ihre «wertvollen Impulse» unterstreicht die Regierung mit der Konferenz-Infrastruktur mit Saal für 500 Personen und zahlreichen Sitzungsräumen. Schon vor der Eröffnung hätten Konzernkonferenzen in der Region St. Gallen-Bodensee eine «Hotellerie-Wertschöpfung im sechsstelligen Bereich ausgelöst».

Nebst der Kunstausstellungen im Forum Würth verheisse allein das Restaurant eine touristische Aufwertung des Gebietes und zusätzliche Arbeitsplätze. Das Restaurant mit Terrasse wird von der SV Group respektive deren Event-Catering-Firma Dine & Shine betrieben. Die SV führt in der Region unter anderem bereits die Personalrestaurants von Néstle in Rorschach, der Post in St. Gallen oder von Bühler in Uzwil.

Pilot freut sich über Altenrhein

Das wohl wichtigste Argument für die Standortwahl Würths war letztlich die Nähe zum Flugplatz. Was Konzerngründer Reinhold Würth an einem Vortrag vor Ort in der FHS sagte – «Ohne den Airport St. Gallen-Altenrhein hätten wir nie in Rorschach investiert» –, wurde von Konzernleuten auf der Baustelle bestätigt. Tatsächlich hat die Würth-Gruppe eine Flugzeugflotte mit zwei Falcon-Jets und drei Cessna Citation-Ultra sowie einen firmeneigenen Piloten. Im Gegensatz zu Zürich-Kloten brauchen der begeisterte Hobbypilot Würth und seine Kaderleute hier nicht auf Slots zu warten. «Wir haben unsere fünf Firmenflugzeuge in Schwäbisch-Hall und können in 23 Minuten nach Altenrhein fliegen», sagte der «Schraubenkönig» jüngst im Interview mit der «Handelszeitung». Auf die Frage, warum Würth denn nicht – wie einst geplant – die ganze Konzernzentrale an den Bodensee verlege, meinte er: «Das wäre schlicht zu teuer geworden. Wir sprechen da von Milliarden. Aber wir installieren in Rorschach einen Neben-Konzernsitz.» Der «Neben-Konzernsitz» nimmt fortzu konkreter Gestalt an – fast wie ein Raumschiff, das gelandet ist und nun auf seine Brücke bittet – und auch die Skeptiker von seinen durchaus guten Absichten überzeugen will.

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