Alle Parteien wollen fusionieren

Wie tickt das neugewählte Gossauer Stadtparlament? Die Online-Wahlhilfe Smartvote verrät Interessantes über die Haltung der Parteien und einzelner Parlamentarier zu brisanten Themen rund um die Stadt Gossau.

Marion Loher
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GOSSAU. Würde das vor Wochenfrist neugewählte Gossauer Stadtparlament heute über eine Fusion mit der Gemeinde Andwil entscheiden, wäre es eine eindeutige Sache. Gemäss der Online-Wahlhilfe Smartvote befürworten nämlich alle Gossauer Parteien die Vereinigung der Stadt mit der Nachbargemeinde Andwil.

Was natürlich nicht heisst, dass dies so bald auch geschehen wird. Denn zum einen müssten die Andwilerinnen und Andwiler vorgängig ihr Interesse an einer Fusion bekunden. Zum andern hätte die Bevölkerung beider Gemeinden selbstverständlich das letzte Wort.

Fusion: Aktueller denn je

Dennoch gibt die Online-Wahlhilfe einen interessanten Blick auf die Haltung der fünf Parteien und einzelnen Parlamentsvertreter zu «brennenden» Gossauer Themen. Und die Fusion mit der Gemeinde Andwil ist eines davon. Vor dem Hintergrund des steigenden Finanzbedarfs der Schulgemeinde Andwil-Arnegg und deren angekündigten Sparmassnahmen, die inzwischen zwar verschoben wurden, hat das Thema neue Aktualität bekommen. Die Gemeinde- und Schulräte von Gossau und Andwil haben sich bereits zu einem ersten Workshop getroffen, um über die künftigen Strukturen der 1900-Seelen-Gemeinde zu diskutieren.

Uneinig beim Durchgangsplatz

Die Smartvote-Auswertung ist jedoch nur bedingt aussagekräftig, da nur 24 der 30 wiedergewählten und neuen Parlamentarierinnen und Parlamentarier im Vorfeld der Wahlen ein Profil erstellen liessen. Vier SVP- sowie ein CVP- und ein FDP-Vertreter haben nicht mitgemacht. Jene, die teilnahmen, mussten eine Reihe von unterschiedlichsten Fragen beantworten. Darunter auch 22, die sich explizit um Gossau drehen. So ist nebst der Fusion auch der Durchgangsplatz für Fahrende ein Thema. Ob ein solcher in der Stadt Gossau bereitgestellt werden soll, lautet die Frage dazu. Als möglicher Standort wird derzeit eine Wiese im Industriegebiet Gossau Ost diskutiert. Im Gegensatz zur Fusion sind sich die fünf Parteien bei dieser Frage nicht einig. Die SVP lehnt einen Durchgangsplatz eindeutig ab. Die CVP sagt «eher Nein». Von den neun teilnehmenden Parteivertretern hat einzig Stefan Häseli ein Ja angekreuzt. Da aber die Parteimeinung aus dem Mittelwert aller Antworten bestimmt wurde, konnte Häselis Stimme jene der Partei nicht «positiv» beeinflussen. «Eher Ja» sagt die FDP. Die Freie Liste Gossau (Flig) und die SP befürworten klar einen Durchgangsplatz für Fahrende.

Schwindende Unterstützung

Im weiteren interessierte die Meinung der Smartvote-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer zu einer möglichen Regelung von einspurigen Einbahnstrassen durch das Gossauer Stadtzentrum. SVP, Flig und SP wollen davon nichts wissen, die CVP kann sich das «eher» vorstellen, die FDP ist «eher» dagegen. Eine Haltung, die auf den zweiten Blick überrascht. War es doch FDP-Parlamentarier Hanspeter Fröhlich, der im Mai dieses Jahres dem Stadtrat eine entsprechende Interpellation eingereicht hatte. Unterstützung bekam er damals von «15 Mitunterzeichnenden». Fröhlich ist gemäss Online-Wahlhilfe noch heute für eine Einbahnregelung durchs Zentrum, jedoch als einziger seiner FDP-Kollegen, welche die Fragen ebenfalls beantwortet haben. Und auch bei den anderen Parteien ist die Unterstützung inzwischen kleiner geworden. Es lassen sich gerade mal noch fünf Parlamentarier finden, die entweder «Ja» oder «eher Ja» angekreuzt haben. Vielleicht hat der eine oder andere Parlamentarier die Interpellation lediglich unterschieben, um das Thema auf den Tisch zu bringen. Was damit auch erreicht wurde.

Mooswisen als Stadtpark?

Uneinigkeit herrscht auch bei der Frage, ob das Gebiet Mooswisen künftig als Stadtpark genutzt werden soll. So wie es dem ehemaligen Stadtentwickler Clemens Lüthi vorschwebt. SP und Flig können sich mit dieser Idee anfreunden, die FDP kann sich das ebenfalls. Weniger begeistert sind die CVP und die SVP. Das letzte Wort ist diesbezüglich aber noch nicht gesprochen. Denn auch parteiintern gehen die Meinungen auseinander. Bei CVP und SVP gibt es solche, die dafür sind, bei SP, Flig und FDP vereinzelte, die «Nein» oder «eher Nein» zum Stadtpark sagen.

www.smartvote.ch