Aktualität nicht verschlafen

Endlich doch noch gelandet/ Ab Ende August in der Kanti Ausgabe vom 3. Juli 2015

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Was eher schlecht zu Hans Fässlers Aktivismus in diesem Thema passt und mich als kritischen Beobachter deshalb stört, sind folgende zwei Tatsachen: Fässler zitiert als quasi Hauptbeleg für Agassiz' Rassismus eine Passage aus seinem Brief an seine Mutter (gibt es etwas Privateres?). Und für die Umbenennung des Agassizhorns schlägt er einen Namen vor, der nichts mit den Alpen zu tun hat und über dessen Schreibweise er sich selber nicht klar ist. Rentry- oder Rentyhorn? – in seinem Vorstoss im Nationalrat via Carlo Sommaruga war die Rede noch von Rentry. So halte ich mich als Laie ohne vertiefte Sachkenntnisse an Folgendes: Genauso wie es legitim und nötig ist, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, um nicht die Fehler unserer Vorgänger zu begehen, ist es nicht legitim, diese nach heutigen Kriterien zu beurteilen. So etwas ist sinnentleerter Anachronismus und eines Historikers unwürdig. Wie viele bewunderte und verehrte «grosse» oder gar «heilige» Männer der Vergangenheit könnten heute vor Gericht gezerrt und verurteilt werden wegen Kriegsverbrechen, ethnischer Säuberung, Sklaverei und verwerflichen sexuellen Handlungen? Es gab eine Zeit, wo Sklaverei die soziale Norm war, heute ist sie es nicht mehr! Schauen wir jetzt besser zu, dass wir aktuelle Rückfälle, wie moderner Menschenhandel und offene Sklaverei, nicht verschlafen.

David Zaugg Felsenstrasse 22, 9000 St. Gallen