Airport aus dem Korsett befreien

ALTENRHEIN. Anfang Dezember hat Daniel Steffen die Geschäftsführung von Airport und People's Viennaline übernommen. Er wünscht sich mehr Wertschätzung und Rückhalt für einen der grössten Arbeitgeber der Region Rorschach.

Rudolf Hirtl
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Daniel Steffen, der neue CEO der People's-Gruppe, wünscht sich mehr Wertschätzung für den heimischen Airport. (Bild: Rudolf Hirtl)

Daniel Steffen, der neue CEO der People's-Gruppe, wünscht sich mehr Wertschätzung für den heimischen Airport. (Bild: Rudolf Hirtl)

«Ich hatte keine Bedenkzeit. Es war nicht so geplant. Und es löst nicht den grossen Stress bei mir aus», sagt Daniel Steffen unaufgeregt, wenn er auf den überraschenden Wechsel an der Spitze der People's Group angesprochen wird. Er übernahm den Chefposten von Armin Unternährer, der aus gesundheitlichen Gründen per sofort zurücktrat (Tagblatt vom 8. Dezember). Obwohl der Wechsel auch für Daniel Steffen nicht vorhersehbar war, ins kalte Wasser geworfen fühlt er sich nicht. Dazu ist er schon zu lange, beinahe 20 Jahre im Airline-Geschäft. Der in Domat/Ems GR aufgewachsene 51-Jährige war zuletzt während sechs Jahren als Kommunikations- und Kommerzchef des Flughafens Bern-Belpmoos tätig. Davor war er Chief Sales and Marketing Officer bei AirEngiadina/Swisswings/KLMalps und CEO der AirBusiness Consultants AG. Tätigkeiten bei der Rhätischen Bahn und Schweiz Tourismus runden sein Palmarès ab.

Politisch einiges zu tun

Angestellt wurde Steffen vor fünf Monaten als Manager Business Development mit der Aufgabe, Projekte für 2016 aufzubauen. Die Zukunft des Airports in Altenrhein zu gestalten wird auch nun als CEO eine seiner Hauptaufgaben sein. Dabei dürfte ihm auch seine Erfahrung auf dem politischen Parkett zugute kommen. War er doch während acht Jahren Gemeindepräsident von Leissigen BE und ist es gewohnt, dass ihm eine frische Brise entgegenweht. Und dies wird auch hier der Fall sein, zumal er kein Blatt vor den Mund nimmt. Für ihn sei klar, dass der Airport St. Gallen-Altenrhein bestenfalls von seinem Korsett befreit oder dieses zumindest etwas gelockert werden müsse. «Ich kenne keinen Airport auf der Welt, der für Linien- und Charterflüge eine Mittagspause hat», nennt Steffen eines der Hindernisse, die er am liebsten aus dem Weg räumen möchte. «Ich suche selbstverständlich den Dialog mit allen Leuten», sagt er, auf die Flughafengegner angesprochen. Der Airport müsse sich aber so entwickeln können, wie es die Umgebung zulasse. Bern-Belp etwa habe mehr Flüge als Altenrhein, obwohl die Gegend darum um einiges dichter besiedelt sei. «Mit seinen eigenen 100 Angestellten und den zahlreichen Arbeitsplätzen, die der Airport bei Zulieferern zusätzlich generiert, ist er nicht nur volkswirtschaftlich von grosser Bedeutung. Er schafft auch eine enorme Wertschöpfung für die ganze Region», sagt Daniel Steffen überzeugt.

Mehr Unterstützung erwünscht

Einige der grössten Firmen wären nicht hier ansässig, gäbe es den Airport nicht. Dieser sei zweifellos eine wichtige Visitenkarte und bringe einen erwiesenen Standortvorteil. Aus diesem Grund wünsche er sich auch, dass sich die politischen Vertreter «vorbehaltlos hinter ihren Airport stellen.» Steffen wird deshalb in den kommenden Wochen zahlreiche Gespräche führen, mit Politikern, sowie Vertretern von Wirtschaft und Verbänden, um das Bewusstsein für den heimischen Airport zu schärfen.

Grossen Rückhalt für die anstehenden Aufgaben gebe ihm sein «hervorragendes, eingespieltes Team». Als erstes gelte es nun, die vierte Wien-Rotation und ab Frühling die zusätzlichen Ferienflüge nach Griechenland und Mallorca erfolgreich umzusetzen. Nicht vom Tisch ist laut Daniel Steffen, der in seiner Freizeit als Tauchlehrer bei der Tauchschule Rudolf in Horn aktiv ist, auch die Anschaffung eines zweiten People's-Jets, zumal die erlaubten 3500 Linien-Flugbewegungen noch nicht ausgenutzt würden. Daher gebe es auch weiterhin Überlegungen für eine zweite Liniendestination neben Wien. Auch London sei noch nicht definitiv vom Tisch.

«Zu Hause abfliegen»

Eine der Aufgaben des CEOs wird es sein, das People's-Konstrukt in eine zweite Phase zu führen. Airport und Airline aus einem Guss, dies ermögliche ein extrem gutes Zusammenspiel und hohe Qualität. Den Slogan «Zu Hause abfliegen» müsse jeder Mitarbeiter in sich tragen. «Wir wollen uns um die Passagiere so kümmern, wie man es zu Hause mit Gästen tun würde.» Als grosse Herausforderung bezeichnet Steffen, dass im Bereich der Flugsicherung künftig mit Mehrkosten von mehreren Millionen Franken zu rechnen sei. «Der Bund soll entweder den Markt öffnen und externe Anbieter zulassen, oder aber die Preise weiterhin bezahlbar gestalten.»

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