«Airbnb ist mehr Segen als Fluch»

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Thomas Kirchhofer, Direktor 
St. Gallen-Bodensee-Tourismus. Bild: PD

Thomas Kirchhofer, Direktor St. Gallen-Bodensee-Tourismus. Bild: PD

Seit der Gründung 2008 wächst die Onlineplattform Airbnb rasant. Weltweit gibt es Millionen Übernachtungsmöglichkeiten für jeden Geschmack. Auch in der Region reicht das Angebot vom Übernachten in der Jurte, auf dem Bio-Bauernhof, in der Stadtvilla bis zum Landhaus oder der Käserei. Thomas Kirchhofer, Direktor St. Gallen-Bodensee-Tourismus, sieht die Entwicklung als Bereicherung. Allerdings verlangt er gleich lange Spiesse für alle. Bis dahin bleibe noch viel zu tun.

Die Zahl der Airbnb-Anbieter nimmt rasant zu, auch in der Region St. Gallen. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung aus Tourismussicht?

Airbnb trifft den Zeitgeist. Es ist eine Ergänzung der Beherbergungsformen und eine Reiseform, die sowohl für Anbieter als auch für Gäste attraktiv ist. Reisende erhalten so Kontakt zur lokalen Bevölkerung, umgekehrt ist es für die Anbieter spannend, Menschen aus aller Welt kennen zu

lernen. Ich sehe Airbnb nicht als Fluch, sondern als Segen. Allerdings müssen wir alles daransetzen, dass alle mit gleich langen Spiessen arbeiten müssen.

Meinen Sie damit die Abgaben?

Ja, da rede ich Klartext: Ich will, dass ein Airbnb-Anbieter Taxen zahlen muss wie alle anderen Hotel- und Ferienwohnungsanbieter auch. Und es müssen die Gesetze und Richtlinien

Thomas Kirchhofer, Direktor 
St. Gallen-Bodensee-Tourismus. Bild: PD

Thomas Kirchhofer, Direktor St. Gallen-Bodensee-Tourismus. Bild: PD

eingehalten werden, die gelten, um Reisende zu beherbergen. Wenn unsere Beherberger feststellen, dass sie im Nachteil sind, ärgern sie sich. Und das zu recht.

Was wollen Sie tun?

Airbnb ist ein Thema, das in der Gesellschaft polarisiert. Ich werde im Monatsrhythmus damit konfrontiert. Sei es von Hoteliers oder von den Medien. Der Kanton Zug hat eine Vorreiterrolle eingenommen, die ich gerne in St. Gallen gehabt hätte. Auch Basel ist dabei, die Gesetze zu revidieren. Ich sehe es als dringliche Aufgabe, die Bedeutung der Parahotellerie, dazu zählen etwa Zweitwohnungen oder Airbnb, zu erforschen. Wir müssen eine Struktur in diese Angebote bringen. Daraus können wir Wertschöpfung für unsere ganze Region generieren. Denn selbst Kongressteilnehmer suchen heutzutage Unterkünfte über Airbnb.

Haben Sie auch schon über Airbnb gebucht?

Ich selber nicht. Ich war aber für Interhome Schweiz verantwortlich und dort vor Jahren schon mit dem Thema konfrontiert. Die Firma vermietet Tausende von Ferienhäusern und -wohnungen, und wir haben einige davon über Airbnb angeboten. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, muss man die Vorteile nutzen. Ich hätte auch gerne direkteren Kontakt zu den Machern der Plattform. Damit Airbnb nicht als anonymer Gigant wahrgenommen wird, sondern als Partner. Denn Airbnb ist eine Chance, die eigenen guten Produkte anzubieten und zu vermarkten. (cor)