Agglo-Dorf wird städtischer

Kantonsplaner Ueli Strauss sprach in Wittenbach über das Raumplanungsgesetz und dessen Auswirkungen. Die Gemeinde werde als «urbaner Verdichtungsraum» weiter wachsen. Und sich von aussen dreinreden lassen müssen.

Johannes Wey
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Laut dem Kantonsplaner soll Wittenbach weiter wachsen, allerdings nicht in die Breite. Das Dorf müsse nach innen verdichtet werden. (Bild: Ralph Ribi)

Laut dem Kantonsplaner soll Wittenbach weiter wachsen, allerdings nicht in die Breite. Das Dorf müsse nach innen verdichtet werden. (Bild: Ralph Ribi)

WITTENBACH. Die Siedlungsfläche ist in der Region St. Gallen wie in der ganzen Schweiz seit den 1980er-Jahren «förmlich explodiert». So umschreibt Kantonsplaner Ueli Strauss am Montagabend die Entwicklung, welche die Agglomerationsgemeinden in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht haben. Er illustriert diese Aussage mit Kartenausschnitten von Abtwil. Ein ähnliches Bild präsentiere sich in Wittenbach.

Bevölkerung wehrt sich

Strauss spricht am Informationsabend zur Siedlungsentwicklung in Wittenbach, den das Referendumskomitee Hofen Süd organisiert hat. Die Gruppe hat im Juni erfolgreich eine Einzonung bekämpft und will nun vor knapp 80 Zuhörern einen Beitrag zur Diskussion um Wittenbachs Entwicklung leisten. Ueli Strauss, der am Tag zuvor die Wahl zum Herisauer Gemeindepräsidenten verloren hat, betont, dass er als Kantonsplaner und nicht als Einwohner Wittenbachs spricht.

Angesichts der Ausdehnung der Siedlungsfläche habe sich in den vergangenen Jahren die Frage gestellt, wie dies weitergehen solle. «Nun hat das Volk die Antwort gegeben», sagt Strauss und meint damit nicht nur die Abstimmung zum Teilzonenplan Hofen Süd. Beispiele seien auch das Nein zur Überbauung Heimat-Zelg in Eggersriet, der Einzonungsstop im Kanton Zürich oder die Annahme der Zweitwohnungs-Initiative und des neuen Raumplanungsgesetzes (RPG) auf Bundesebene.

Einschneidendes Gesetz

Besonders das RPG schränke Kantone und Gemeinden in ihrer räumlichen Entwicklung stark ein. «Die Gemeindeautonomie ist, was das Wachstum gegen aussen angeht, Geschichte», sagt Strauss und erläutert einige zentrale Punkte des Gesetzes. Das RPG soll zusammen mit der dazugehörigen Verordnung im Frühling oder Sommer 2014 in Kraft treten. Von da an darf auch im Kanton St. Gallen die Bauzone nicht mehr vergrössert werden, bis der kantonale Richtplan genehmigt ist. Dieser soll detailliert regeln, welche Gemeinden wie stark wachsen sollen oder dürfen. Den strategischen Rahmen für die Erarbeitung des Richtplans bildet das kantonale Raumkonzept. Und darin wird Wittenbach als urbaner Verdichtungsraum ausgewiesen. «Unter anderem hier soll ein Grossteil des Bevölkerungswachstums im Kanton stattfinden», sagt Strauss.

Dann kann das Publikum Fragen stellen. Ein Zuhörer will wissen, wie die Verdichtung in einem veralteten Einfamilienhausquartier vonstatten gehen könnte. Für Strauss ist dies «eine ganz schwierige Frage», denn inmitten eines solchen Quartiers könne man keinen Wohnblock bauen. Die Verdichtung müsse behutsam von aussen her erfolgen. Auch Gemeindepräsident Fredi Widmer meldet sich zu Wort. Eine Gemeinde müsse sich «aus sozio-demographischer Sicht» gut überlegen, ob sie ein Einfamilienhausquartier überhaupt verdichten will. Denn die Einfamilienhausbewohner spielten im Bevölkerungsmix einer Gemeinde eine wichtige Rolle.

Mehr Arbeit für Juristen

Ein weiterer Fragesteller spricht Strauss auf eine Prognose aus dessen Referat an: Künftig werde es keine eingeschossigen Industriebauten mehr geben. «Wie kann man deren Bau verhindern?», will er wissen. Strauss gibt zu, dass man dafür den Gemeinden im Baugesetz mehr Instrumente an die Hand geben müsse. In dieser Beziehung werde unter anderem darüber diskutiert, dass Grundeigentümer in bestimmten Fällen enteignet werden könnten. Die Folge davon dürften allerdings zahlreiche Gerichtsprozesse sein. So profitieren gewisse Branchen vom RPG-Ja: «Dieser Volksentscheid bringt mehr Arbeit für die Planer. Und garantiert für die Baujuristen», sagt Ueli Strauss.