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ÄRGER: Fehlende Todesanzeigen empören die St.Galler Bevölkerung

Die Stadt publiziert seit 1. Januar keine amtlichen Todesanzeigen mehr. In der Bevölkerung regt sich dagegen Widerstand. Denn Traueranzeigen in der Zeitung kann sich nicht jeder leisten.
Elisabeth Reisp
Die Bevölkerung will wissen, wer gestorben ist. (Bild: Ralph Ribi)

Die Bevölkerung will wissen, wer gestorben ist. (Bild: Ralph Ribi)

Die Stadt St.Gallen publiziert seit diesem Jahr keine amtlichen Todesanzeigen mehr. Sie beruft sich dabei auf die veränderte Rechtsgrundlage. «Die Rechtslage für Zivilstandsmeldungen hat sich geändert und deshalb publiziert die Stadt St. Gallen keine Todesfallmeldungen mehr», sagt Thomas Rütsche, Leiter des städtischen Zivilstandsamts in einem früheren Artikel. Vielen St. Gallern stösst dies aber sauer auf. Insbesondere auch deswegen, weil die umliegenden Gemeinden die Sachlage anders interpretieren und auch weiterhin Todesanzeigen publizieren.

Bereits im Januar wurde dazu auch eine Einfache Anfrage aus dem Parlament an den Stadtrat gestellt. Verantwortlich zeichnen die beiden CVP-Stadtparlamentarier Daniel Stauffacher und Thomas Meyer. Beantwortet wird diese Anfrage gemäss Stadtkanzlei erst am 19. April. Doch bereits jetzt ist klar: Damit haben die Vorstösser in ein Wespennest gestochen. Daniel Stauffacher: «Obwohl es aus politischer Sicht nicht der wichtigste Vorstoss war, den wir je eingereicht haben, habe ich noch nie so viele Rückmeldungen auf einen Vorstoss erhalten, wie auf diesen.»

Mangelnde Wertschätzung gegenüber Verstorbenen

Dass die Todesanzeigen nicht mehr amtlich publiziert werden, bewegt die Bevölkerung. «Viele können sich eine kostenpflichtige Todesanzeige in einer Tageszeitung nicht mehr leisten», sagt Stauffacher, und nennt damit einen Grund, weshalb die Stadt ihre Publikationspraxis wieder ändern sollte. Der Verzicht auf die Publikation drücke aus seiner Sicht auch eine mangelnde Wertschätzung gegenüber Verstorbenen aus. «Eine Stadt ist eine Gemeinschaft. Was sagt es über uns aus, wenn wir den Tod einzelner Mitglieder einfach nicht vermelden?»

Das Argument des Persönlichkeitsschutzes, das die Stadt in diesem Zusammenhang eingebracht hatte, will Stauffacher so auch nicht stehen lassen. Denn es werde schliesslich auch jede Baubewilligung publiziert. «Muss es wirklich die ganze Stadt wissen, wenn einer in seinem Garten ein Gartenhäuschen aufstellen will?» Für eine Publikation der Todesanzeigen setzt sich auch das Bistum St. Gallen ein. Deren Sprecherin Sabine Rüthemann schrieb einen Leserbrief an diese Zeitung und thematisierte die Problematik auf der Facebook-Seite des Bistums. «Auch ich habe noch nie so viele Rückmeldungen auf einen Leserbrief erhalten», sagt sie und teilt damit die Einschätzung von Daniel Stauffacher. «Tote soll man nicht totschweigen», sagt sie. Viele, die am Rand der Gesellschaft leben, haben niemand, der sich darum kümmert, Trauerschreiben zu versenden oder ein Inserat aufzugeben. Und selbst wenn, dann ist es für viele schlicht zu teuer.» Und mit Letzterem trifft sie einen wunden Punkt. Eine Traueranzeige in einer Tageszeitung kostet je nach Grösse, Einzugsgebiet und Farbwünschen zwischen 1500 und 3000 Franken. Wer von einer kleinen Rente lebt, kann sich eine Traueranzeige für den verstorbenen Gatten kaum leisten.

Bei älteren Menschen, die in einem Pflegeheim sterben, werde es so auch unwahrscheinlicher, dass ehemalige Weggefährten wie etwa ehemalige Nachbarn rechtzeitig vom Todesfall und der Beerdigung erfahren, führt Rüthemann aus. «Doch ein schickliches Begräbnis mit ein paar Anwesenden sollte jedem möglich sein.»

Stadtrat informiert zuerst das Parlament

Das Thema treibt insbesondere die älteren St. Galler um. Akzeptieren wollen sie das Vorgehen der Stadt nicht. Der Stadtrat indes hüllt sich in Schweigen. Solange die Einfache Anfrage noch nicht beantwortet ist, wird sich der Stadtrat nicht äussern. Es gilt das Erstinformationsprinzip zu Gunsten des Parlaments. Stadtrat Peter Jans konnte an der Hauptversammlung des Quartiervereins St. Fiden-Neudorf allerdings die besorgten Anwohner, die ihn darauf ansprachen, nicht anschweigen. Er werde dieses Thema im Stadtrat nochmals «genau anschauen», versprach er den Anwesenden.

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