Ämtern und Rauchern sei Dank

ST.GALLEN. Gartenbeizen sind in den letzten Jahren wie Blümchen an der Frühlingssonne aus dem Boden geschossen. Die Stadt ist grosszügig bei Bewilligungen; den Trend lanciert haben die Raucher. Die Beizer müssen allerdings einiges beachten.

Fredi Kurth
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Kaum Plätze frei, wenn Menschen in der Altstadt den Frühling geniessen. (Bild: Ralph Ribi)

Kaum Plätze frei, wenn Menschen in der Altstadt den Frühling geniessen. (Bild: Ralph Ribi)

Sonnenanbeter begeben sich heutzutage nicht mehr unbedingt ins Bräunungsstudio, wenn sie ihrer Umgebung Ferienteint vortäuschen möchten. Denn Gartenbeizen und Strassencafés bieten hiefür zur Mittagszeit und am Feierabend ausgiebig Gelegenheit. Kaum eine Gasse in der Stadt, wo man sich nicht gemütlich niederlassen kann, kaum ein Restaurantbesitzer, der eine bestehende Infrastruktur nicht nutzt.

Nicht zu bunte Tischtücher

Kann aber ein Beizer an einem schönen Frühlingsmorgen einfach ein paar Gartenmöbel hinausstuhlen? Nein. Er muss vielmehr einige Vorschriften beachten. Er braucht eine Erlaubnis, ausgestellt vom städtischen Amt für Baubewilligungen. Gemäss kantonalem Gesetz müssen nicht nur bauliche Massnahmen, sondern auch Zweckänderungen gutgeheissen werden. Solche, die sich auf die Umgebung und den öffentlichen Raum auswirken (Lärm, engere Durchgänge für Passanten). Die Gewerbepolizei ihrerseits interessiert sich dafür, dass der Verkehr weiterhin ungehindert zirkulieren kann. Schliesslich soll das Mobiliar der Aussenrestaurants städtisch und nicht wie im Ausflugsrestaurant auf dem Land erscheinen. Die Sonnenschirme dürfen nicht mit Werbung für Alkohol und Zigaretten beschriftet sein.

«Eine Bewilligung braucht es ungeachtet dessen, ob die Bewirtung im Freien auf privatem oder öffentlichem Grund erfolgt», sagt Pierre Brahimi, stellvertretender Leiter des Amtes für Baubewilligungen. Allzu lange dauert es nicht: Das Restaurant Drahtseilbahn hatte sein Gesuch am 14. Februar eingereicht und konnte am Mittwoch dieser Woche die grünen Gartentische aufstellen.

Grosszügig in südlicher Altstadt

Man ist zurzeit ohnehin bestrebt, das Verfahren so einfach als möglich zu gestalten. Trotzdem sind pauschale Lösungen aufgrund unterschiedlicher Gegebenheiten nicht möglich. So war Matthias Fuchs vom Tiefbauamt in jüngster Zeit oft unterwegs in der südlichen Altstadt, um mit Café- und Restaurantbesitzern die Flächen für den Freiluft-Betrieb auszuscheiden. «Dabei sind wir möglichst grosszügig», sagt Fuchs, «auch auf öffentlichem Boden.» Der Grund: Es handelt sich bei der Gegend vor dem Kloster um eine Begegnungszone, in welcher die Autofahrer spüren sollen, dass sie nicht besonders willkommen sind. Denn anders als in der Fussgängerzone von Multergasse und Spisergasse können Bankgasse und Schmidgasse immer noch von jedermann befahren werden.

Vereint mit Nichtrauchern

Den Bewirtungsboom in Gassen und auf Trottoirs hat nicht zuletzt der rauchende Teil der Bevölkerung ausgelöst. Verbannt aus den nun klinisch reinen Essräumen, sitzen sie, wenn nicht im Raucherstübli, in Winterbekleidung schon im Februar und März auf den Gartenstühlen. Sie verbrüdern sich dort im Laufe des Jahres immer häufiger mit Sympathisanten aus der Nichtraucher-Fraktion, denen es in der Regel egal ist, wenn ein Räuchlein um die Nase weht. Hauptsache, man hat einen der raren Sonnenplätze ergattert.

«Wer draussen Tische anbieten kann, macht mehr Umsatz», sagt René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St. Gallen. So lohnt es sich denn, im Sommerhalbjahr mehr Personal einzustellen und die jährliche Gebühr der Gewerbepolizei (siehe Kasten) zu bezahlen. Das Rauchverbot habe eben auch seine positive Seiten, sagt Rechsteiner, obwohl im Restaurant selber Plätze dann oft leer bleiben. Viele bedienen sich jetzt auch wieder beim Take-away, um sich auf der Wiese oder an einem Brunnen zu verpflegen. Wer als Beizer die Kunden nicht draussen bedienen kann, hat laut Rechsteiner über das ganze Jahr betrachtet einen leichten Nachteil.

Die andere Seite betrifft den Lärm zur Nachtzeit, der die Anwohner stört. Im Prinzip kann im Freien bis Mitternacht serviert werden. Für sensible Gebiete wie die Brühlgasse oder das «Bermuda-Dreieck» wird die Outdoor-Bewirtung in der Regel um 22 Uhr eingestellt.