«Ägypten ist kein Thema mehr»

Das EDA rät von Reisen nach Ägypten ab. Darum bieten die meisten Reisebüros zurzeit keine Ferien in Ägypten an. Das führt zu Annullierungen, Umbuchungen und fehlenden Umsätzen. Auch regionale Reisebüros sind betroffen.

Janique Weder
Merken
Drucken
Teilen
Die Prospekte bleiben liegen – zumindest bis am 20. September. So lange gilt die Reisewarnung des Aussendepartements. (Bild: Janique Weder)

Die Prospekte bleiben liegen – zumindest bis am 20. September. So lange gilt die Reisewarnung des Aussendepartements. (Bild: Janique Weder)

REGION AM SEE. «Das Risiko weiterer Terroranschläge bleibt im ganzen Land bestehen. Von Touristenreisen wird abgeraten.» – Es sind klare Worte, die das Schweizerische Aussendepartement (EDA) Mitte August in ihrer Reisewarnung für Ägypten formuliert hat. Die meisten Reiseveranstalter transportieren deshalb keine Urlauber mehr ins Land. Dies schlägt nicht nur auf die Ferienstimmung vieler, sondern auch auf die Geschäftszahlen der Reisebüros.

Hotelplan mit roten Zahlen

Viele Veranstalter sehen rot, so etwa Hotelplan-CEO Thomas Stirnimann: Die derzeitige Lage in Ägypten reisse die Hotelplan-Gruppe ins Minus. «Das Geschäftsjahr 2012/2013 wird nicht gut ausfallen», sagte Stirnimann gestern gegenüber dem Online-Finanzportal Cash. Ob dies auch für die Hotelplan-Filiale in Rorschach zutrifft, bleibt unbeantwortet. Die Mitarbeiterinnen dürfen keine Auskunft geben.

Angespannt, wenn auch nicht ganz so dramatisch, schildern andere Reiseveranstalter der Region die Lage. Normalerweise sei Ägypten im Herbst die Feriendestination überhaupt, sagt etwa Roland Gunterswiler von Kuoni Rorschach. «Doch momentan ist es kein Thema mehr.» Das wirkt sich auf den Geschäftsgang aus. «Wir hatten schon bessere Herbstumsätze für Badeferien», räumt Gunterswiler ein. Fällt Ägypten als Destination aus, trifft das die Reisebüros besonders hart. Denn das Land lockt selbst im November noch mit hohen Wassertemperaturen. Viele reisen zum Schnorcheln oder Tauchen nach Hurghada oder Sharm-el-Sheikh. «Das können Griechenland, die Südtürkei oder die Kanaren nicht bieten», erklärt Gunterswiler. Auch der schöne Sommer in der Schweiz trage dazu bei, dass Herbstferien am Meer – im Vergleich zu anderen Jahren – weniger gefragt seien.

25 Umbuchungen in Goldach

Positiver beurteilt Andreas Holenstein vom Goldacher Reisebüro Bernhard Reisen die Lage: «Unser Geschäft hat noch nicht gelitten.» Bernhard Reisen sei ein Wiederverkäufer und biete – anders als die grossen Touroperatoren Hotelplan oder Kuoni – keine eigene Leistungen an. Dementsprechend kleiner seien die Verluste und dementsprechend schnell könne das Reisebüro reagieren. «Wir haben die bis Ende September geplanten Ägyptenreisen annulliert und jeden Kunden an einem anderen Ort untergebracht.» Holenstein schätzt, dass es sich um etwa 25 Fälle handelt. Wenig Umbuchungen gab es bei Kuoni Rorschach. «Die Negativpresse der letzten Monate für Ägypten schlägt sich seit längerem auf das Buchungsverhalten nieder.» Die Nachfrage sei also bereits vor der EDA-Reisewarnung etwas eingebrochen.

Wie lange Ägypten als Urlaubsziel ausfällt, darüber lässt sich nur spekulieren. Für Roland Gunterswiler ist das EDA «massgebend.» Solange es kein grünes Licht gebe, werden «seriöse Reiseanbieter» keinen Ägyptenurlaub anbieten. Gesetzlich gesehen könne ihm das zwar niemand verbieten – «verantworten will ich das aber nicht».

Frühestens ab Ostern wieder

Auf die Frage, was Gunterswiler gegen die ausbleibenden Umsätze tun werde, antwortet er: «Nicht viel. Zuwarten.» Auf eine Entwarnung seitens des EDA. Doch selbst dann werde der Tourismus in Ägypten nur langsam wieder ins Rollen kommen. Gunterswiler schätzt, dass dies frühestens an Ostern der Fall ist. «Die Lage muss sich nachhaltig beruhigen, damit die Leute wieder Lust auf Badeferien am Roten Meer haben.»