Ackern statt rackern

Max Spirig hat jetzt Zeit zum Fischen und Gärtnern. Heute geht er offiziell in Pension. Vor 30 Jahren nahm er seine Arbeit als Hauswart in der Kreuzbleichehalle auf, just als sie neu eröffnete.

Sebastian Schneider
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Max Spirig, Leiter Sportanlagen Kreuzbleiche, geht heute in Pension. Vor und in der Kreuzbleichehalle berichtet er von seiner 30jährigen Tätigkeit. (Bild: Ralph Ribi)

Max Spirig, Leiter Sportanlagen Kreuzbleiche, geht heute in Pension. Vor und in der Kreuzbleichehalle berichtet er von seiner 30jährigen Tätigkeit. (Bild: Ralph Ribi)

Seine Augen leuchten auf, seine Lippen spannen sich zu einem Lächeln. Max Spirig kann seine Freude nicht verbergen, wenn er gedanklich sein Freizeitprogramm als frisch gebackener Pensionär abspult. Fischen, gärtnern, mit dem kleinen Aron zur Hundeschule gehen. «Jetzt kann ich endlich das tun, wofür bislang keine Zeit war», sagt er und lächelt weiter. Dann blickt er über die Fussballfelder, fixiert kurz den weit entfernten Skaterpark und lässt seinen Blick zur grossen grünen Halle schweifen. Wehmut steht ihm jetzt ins Gesicht geschrieben. Max Spirig arbeitete hier mit Leib und Seele während 30 Jahren. Die ersten fünf als Hauswart, die darauffolgenden 25 Jahre als Leiter der Sportanlagen Kreuzbleiche.

Arbeit am Schreibtisch

Für die grosse Vierfachsporthalle, die alte Kreuzbleichehalle, die drei Fussballfelder, den Skaterpark und nicht zuletzt für die Reithalle war Spirig verantwortlich. Von 6.30 bis 22 Uhr sind die Anlagen in Betrieb. 4000 Schüler pro Woche treiben in den Anlagen Sport. Die Hallen sind laut Spirig total ausgelastet. «Als Chef war ich darum selten an der frischen Luft», sagt er. Etwa zu 90 Prozent habe er im Büro gearbeitet.

Schlüssel bereits abgegeben

Dort habe Spirig unter anderem den Arbeitsplan für das siebenköpfige Team erstellt. In Früh- und Spätschichten arbeiten die Hauswarte; Wochenendeinsätze gehören ebenfalls dazu. «Max war bei der Einteilung immer fair», sagt Werner Lenherr, der Spirigs Posten bereits übernommen hat.

Spirig geht offiziell erst heute in Pension, seine Arbeit hat er aber schon seit über einem Monat niedergelegt. Er hatte noch einige Ferientage vorrätig und bekam dank seines Dienstjubiläums von der Stadt weitere geschenkt. So begann er bereits im März mit Fischen, Gärtnern und Hunderziehen.

Roger Federer war hier

Im Innern der Kreuzbleichehalle erfasst Spirig ein seltsames Gefühl: «Es ist komisch, ohne Schlüssel hier zu sein», sagt er, während Nachfolger Lenherr die Tür zum Büro aufschliesst. An den Wänden sind zahlreiche Abzeichen, Wimpel und Postkarten aufgehängt. Es sind so viele, dass es an den Wänden keinen Platz mehr für neue Andenken hat und dass laut Lenherr ein neuer Raum fürs Anbringen von Postkarten und Wimpeln bestimmt werden musste.

An einem Schmuckstück hat Spirig besondere Freude: an einem von Roger Federer unterschriebenen Wimpel. Der Basler habe im Jahr 2000 hier am Daviscup gespielt. Und: «Wie wir wissen, startete Federer danach so richtig durch.» Auch wenn Spirig keinen Zusammenhang zwischen Federers Spielen in St. Gallen und dem darauffolgenden Erfolg herstellen will, stolz auf diesen Wimpel ist er so oder so.

Gekommen wegen neuer Halle

Spirig erlebte in seiner langjährigen Dienstzeit viele weitere Höhepunkte. Das Fussballturnier Hallenmasters oder das Handball-Champions-League-Spiel zwischen dem FC Barcelona und dem TSV St. Otmar nennt Spirig als Beispiele.

Dem 63jährigen Spirig und gelernten Schlosser habe sein Job über die ganze Zeit «richtig gut gefallen». Es war 1984 ohnehin sein grosser Wunsch gewesen, an einem Ort zu arbeiten, wo sich alles um Sport dreht.

Im Eingangsbereich bleibt Spirig auf einmal stehen und deutet auf den Boden. Zu sehen ist eine Bodenplatte, die heller als alle anderen und beschriftet ist. «Das ist der Grundstein», sagt Spirig und seufzt: «Mein erster Arbeitstag war zugleich der erste Betriebstag der neuen Kreuzbleichehalle.»

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