Achtung, Pyros! Die Feuerwehr reagiert cool

An den Pyros entzünden sich die meisten Diskussionen. Während die Fans in der Regel Gewalt verabscheuen, finden viele von ihnen das Abfackeln von Feuerwerk lässig und bejubeln jede rauchgeschwängerte Petarde enthusiastisch. Die Gefahr wird unterschätzt.

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Ruhiger Match für Wachchef Daniel Hörler (links) und Stabsoffizier Jascha Müller. Im Stadion wurde am Samstag kein Pyro gezündet. (Bild: Urs Bucher)

Ruhiger Match für Wachchef Daniel Hörler (links) und Stabsoffizier Jascha Müller. Im Stadion wurde am Samstag kein Pyro gezündet. (Bild: Urs Bucher)

An den Pyros entzünden sich die meisten Diskussionen. Während die Fans in der Regel Gewalt verabscheuen, finden viele von ihnen das Abfackeln von Feuerwerk lässig und bejubeln jede rauchgeschwängerte Petarde enthusiastisch. Die Gefahr wird unterschätzt. Was die mit Magnesium angereicherten Pyros anzurichten vermögen, erlebten zuletzt Ende Februar acht Fans des 1. FC Nürnberg. Sie erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

Zwischen den Fronten steht jeweils die Feuerwehr, auch in der AFG Arena. Je nach Risikoeinschätzung sind zwei bis vier Personen im Einsatz und verteilen sich in der Beobachtung auf die beiden Fanblöcke. «Wir gehen entspannt an die Arbeit», sagt Lorenz Hefti, Einsatzleiter bei der Sicherheitswache der Milizfeuerwehr. Nicht dass er und seine Kollegen die Gefahr unterschätzten. Darauf deutet schon die Ausrüstung hin: Helm mit Nacken- und Gehörschutz, feuersichere Jacken, Hosen und Handschuhe. «Wir erfüllen einfach unsere Aufgabe», sagt Hefti.

Sie besteht darin, durch das Netz gefallene Pyros zu löschen und zu entfernen.

Anders als die Polizei sind die Feuerwehrmänner bisher keinen Aggressionen von Fans ausgesetzt gewesen. «Meine Leute lassen sich von einer hasserfüllten Ambiance auch nicht anstecken», sagt Jascha Müller, Stabsoffizier der Stadtsanktgaller Feuerwehr. «Wir werden nie mit Schimpfworten bedacht und können uns in den Sektoren unbehelligt bewegen», fügt Hefti bei. Am Samstag gar wurde während des Spiels keine einzige Fackel entzündet.

«Wasser nützt nichts»

Die meisten Pyros glühen im Fansektor aus. Fliegt ein Brandsatz in den Innenraum, machen sich die Feuerwehrleute frei von Hektik an die Arbeit. Sie packen das brennende Objekt mit einer Zange und stecken es in einen Kessel mit trockenem Sand. «Wasser nützt nichts», sagt Jascha Müller, «denn das Magnesium entwickelt eine Hitze von über 1000 Grad.» Damit kommt auch nicht in Frage, einen Fansektor mit Wasserwerfern einzudecken, so dass sich neben den Pyros auch noch die Gemüter abkühlen liessen.

Das könnte sich nach Müllers Ansicht sogar extrem negativ auswirken, weil sich dann das Magnesium unkontrolliert verbreitet.

Die Randalierer auf den Rängen sind im Pyro-Handling schon geübt, allerdings im Vergleich zu den Feuerwehrleuten ungeschützt. Man könne nur hoffen, dass sie die Pyros immer nach oben halten. In Körpernähe können diese extremen Schaden anrichten – wie bei den Nürnberger Fans. In St. Gallen hat es bisher keine schweren Unfälle gegeben. Auch nicht mit Knallpetarden, die anderswo schon zu bleibenden Gehörschäden geführt haben.

Heikel wird es für einen Feuerwehrmann, wenn er sich bückt und gleichzeitig der nächste Pyro herabfliegt.

Pyros müssten bewilligt sein

Woher stammen die von Chaoten verwendeten Pyros überhaupt? Sie werden in der Schifffahrt als Warnung und Notsignal verwendet. Eine Variante davon wird von Bauern bei drohendem Hagelschlag in die Luft gefeuert. Diese Pyros dürfen nur mit Bewilligung und Ausbildung verwendet werden. Sie sind über das Internet relativ einfach zu beschaffen.

Und woher stammt die Motivation der freiwilligen Feuerwehrleute? Einige sind Fussballfans und verbinden das Nützliche mit dem Angenehmen. Lorenz Hefti geht es hingegen einfach um den Einsatz für das Allgemeinwohl wie auch an der Offa oder bei einer Theateraufführung – die ideale Voraussetzung, um als Feuerwehrmann cool zu bleiben.

Fredi Kurth

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