Achtung, Fussgänger-Falle!

Auf Fussgängerstreifen geschehen relativ viele Unfälle. Reflektoren auf der Fahrbahn könnten vor manchen Übergängen die Gefahr erheblich mindern. An der Gottfried-Keller-Strasse wurde gestern eine solche Markierung installiert.

Fredi Kurth
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Kleine Reflektoren, zu erkennen an den runden Punkten, erzielen grosse Wirkung: Installation an der Gottfried-Keller-Strasse. (Bild: Ralph Ribi)

Kleine Reflektoren, zu erkennen an den runden Punkten, erzielen grosse Wirkung: Installation an der Gottfried-Keller-Strasse. (Bild: Ralph Ribi)

Fussgängerstreifen sollten ursprünglich den Leuten ermöglichen, einfacher und sicherer eine Strasse zu überqueren. Doch was die Sicherheit betrifft, verkehrt sich die Absicht oft ins Gegenteil. Vor allem jetzt, wenn die Dunkelheit früher hereinbricht, kann der Fussgängerstreifen zur Falle werden.

Reflektor löst Bremsreflex aus

Diese Tatsache gab schon vor einiger Zeit auch Hermann Burger, einem ehemaligen Werbefachmann, zu denken. Er entwickelte ein Reflektorsystem, das sich inzwischen bewährt hat.

Seit vier Jahren auch an der Wildeggstrasse: Hell reflektierende Schwellen unmittelbar vor Fussgängerstreifen lösen beim Autofahrer einen Reflex aus. Er bremst oder geht zumindest vom Gas weg: «Er merkt, dass hier eine Gefahr lauert, und weiss nun, dass sich dahinter Fussgänger befinden könnten», sagt Burger.

Gestern war St. Gallen zum zweiten Mal an der Reihe.

An einem gefährlichen Fussgängerstreifen an der Gottlieb-Keller-Strasse wurden Kunststoff-Schwellen, versehen mit Glasreflektoren, im Belag eingesetzt.

Reflektor löst Bremsreflex aus

Das Projekt wird durch die ETH Zürich begleitet, und deren Verkehrsplaner Hans Peter Lindenmann bestätigt die Erkenntnisse: «Schlecht beleuchtete Fussgängerstreifen, etwa am Dorfeingang oder hinter einer Kuppe, werden viel besser sichtbar.» Weitere Unterstützung leisten die Schweizer Strassenopfer Stiftung Road Cross und der TCS.

Während die Zahl der Toten und Verletzten auf Schweizer Strassen tendenziell abnimmt, ist jene mit Fussgängerunfällen unverändert hoch geblieben. «Die Belege sind eindeutig», sagt Rolf Wiederkehr von Road Cross. In den letzten zehn Jahren sind mehr als 25 000 Fussgänger angefahren oder überfahren worden, ein Drittel davon Kinder. Mehr als die Hälfte sind im Rentenalter. Rund ein Drittel der Unfälle geschieht auf Fussgängerstreifen.

«Keine Raser, normale Lenker»

Hermann Burger hat in Eigenregie 50 schwere Verkehrsunfälle im Kanton Zürich bei Fussgängerstreifen untersucht und festgestellt, dass bei Nässe dreimal mehr Fahrzeuge in Fussgänger hineinfahren als bei trockener Fahrbahn. Burger betont: «Es sind keine Raser, denen das widerfährt, sondern die Unfälle geschehen, weil man nichts sieht.»

Burger selber ist vor einigen Jahren bei seinen vielen beruflichen Auslandreisen, aber auch in der Schweiz aufgefallen, dass er die Fussgängerstreifen nachts nicht mehr erkennt. Zuerst dachte er an eine Sehschwäche, dann realisierte er, dass fast alle Objekte im Strassenverkehr wie Parkplätze, Fahrverbote oder Abzweigungen vorsignalisiert sind. Nur nicht die Fussgängerstreifen. «Da dachte ich. Da müsste man etwas ändern», sagt Hermann Burger.

Seine reflektierenden HMB-Kleber, entwickelt von der Coverplast Goldach und empfohlen vom Bundesamt für Strassen, fanden bald Anerkennung. Die ersten wurden schon 1997 im Kanton Zürich eingesetzt. Im Kanton St. Gallen finanzierte der TCS zwölf solcher Markierungen.

Auch in Rorschach bewährt

In Rorschach sind an der Kreuzung Mariabergstrasse nahe des Burghalden-Schulhauses seit fünf Jahren Reflektoren installiert.

«Die Unfälle haben seither stark abgenommen», sagt Anwohner Ermin Busch, einst selber Strassenkonstrukteur und an jener Kreuzung seit 33 Jahren wohnhaft. Er wie Burger wünschten sich, dass an gefährlichen Fussgängerübergängen noch zügiger Reflektoren angebracht würden. Im Interesse von allen: von Fahrzeuglenkern wie Fussgängern.

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