ABWANDERUNG: Gossau ist für Familien zu teuer

Jetzt ist es amtlich: Viele Familien ziehen von Gossau weg, weil die Wohnkosten zu hoch sind oder weil sie keinen günstigen Wohnraum finden. Schulpräsident Urs Blaser ist besorgt.

Sebastian Schneider
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Wegen des teuren Wohnraums ziehen immer mehr Familien mit Kindern im Vorschulalter von Gossau weg. (Bild: Benjamin Manser)

Wegen des teuren Wohnraums ziehen immer mehr Familien mit Kindern im Vorschulalter von Gossau weg. (Bild: Benjamin Manser)

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Das Thema dürfte Gossau noch lange umtreiben: Im Wohnangebot der Stadt fehlen bezahlbare Wohnungen für Familien. Zumindest ziehen viele Familien mit Kindern im Vorschulalter von Gossau aus diesem Grund weg. Die Planung der Kindergarten- und Schulklassen hat die Behörden auf die Spur des Problems gebracht. In jüngster Zeit haben die sonst verlässlichen Planungswerte nicht mehr gestimmt. Dies führte dazu, dass auf das angelaufene Schuljahr eine Kindergartenklasse gestrichen werden musste («Tagblatt» vom 10. Mai). Schulpräsident Urs Blaser brachte das Problem schon früh auf die politische Agenda. Im Mai trug die Flig das Thema auch ins Stadtparlament. Im Frühling konnte allerdings nur gemutmasst werden, was der Grund für die vielen Wegzüge von Familien mit Kindern im Vorschulalter ist. Nun bestätigt eine Umfrage die Befürchtung der Ratslinken: Gossau fehlt erschwinglicher Wohnraum für Familien.

Die Umfrage hat das Goss­auer Schulamt bei 161 Familien durchgeführt. Sie alle sind mit Kindern im Vorschulalter in den vergangenen drei Jahren von Gossau weggezogen. 99 Familien haben gemäss einer Mitteilung der Stadt an der Umfrage teilgenommen. Über die Hälfte, 55 Prozent, nannte als Grund «fehlendes Angebot an kostengüns­tigen Wohnungen» oder «hohe Wohnkosten». 53 Prozent der Familien gaben den Wechsel in ein Eigenheim als Wegzugsgrund an.

Problem wird wohl heisses Wahlkampfthema

«Der Schulrat beobachtet diese Entwicklung mit Sorge und wird die Parameter für die Planung entsprechend justieren», steht in der Mitteilung. Doch was unternimmt der Schulpräsident zur Lösung oder Linderung des Pro­blems? «Die Stadt hat auf das Wohnangebot beschränkten Einfluss», sagt Blaser auf Anfrage. Das Thema werde im Stadtrat aber auf jeden Fall diskutiert. Und es sei auch kein Zufall, dass «erschwinglicher Wohnraum für jede Lebensphase» als Ziel im Stadtentwicklungskonzept definiert wurde. Unterdessen ist es auch in den Leitsätzen, die gestern dem Parlament vorgelegt wurden, festgehalten.

Ohnehin entwickelt sich «günstiger Wohnraum» zu einem wichtigen Thema in der politischen Agenda. Es dürfte auch im Wahlkampf für die Ersatzwahlen im Herbst oft auftauchen. Für die SP ist es jedenfalls als Wahlkampfthema gesetzt. Ganz machtlos ist die Politik nämlich nicht. Urs Blaser sagt denn auch: «Wir müssen uns halt fragen, was für ein Gossau wir wollen.»