ABTWIL: Villa statt Bungalow

Am Sonnenberg verschwanden jüngst gleich mehrere ältere Einfamilienhäuser. Die neuen Eigentümer bauen lieber, statt zu sanieren. Ein Trend, der beim Hauseigentümerverband HEV gern gesehen ist.

Corinne Allenspach
Drucken
Teilen
An der Sonnenbergstrasse 37, wo früher ein einstöckiger Bungalow stand, wird jetzt ein «Top-Energiesparhaus» gebaut. (Bild: Michel Canonica)

An der Sonnenbergstrasse 37, wo früher ein einstöckiger Bungalow stand, wird jetzt ein «Top-Energiesparhaus» gebaut. (Bild: Michel Canonica)

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Sie ist nicht zu übersehen, die Baustelle an der Sonnenbergstrasse 37 in Abtwil. Wo jahrzehntelang ein einstöckiges Haus stand, entsteht jetzt eine topmoderne Villa mit Rundum-Fensterfront. Man habe eine Sanierung des bestehenden Hauses geprüft, heisst es seitens der Bauherrschaft: «Aber bei einem ebenerdigen Bungalow mit Flachdach aus dem Jahr 1962 und der Isolation von damals kann man fast machen, was man will, es wird nie etwas Gfreut’s.» Auch die Raumeinteilung habe nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entsprochen. «Für die Besitzer haben solche Häuser einen emotionalen Wert, vom Sachwert her sind sie aber längst abgeschrieben.» Die Lösung, welche die neuen Eigentümer, die nicht namentlich genannt werden möchten, gewählt haben: Abbrechen und neu bauen statt sanieren.

«Super Energiehaus» statt Heizölschleuder

Etwas, das Gallus Hasler immer öfters beobachtet. Der Mörschwiler ist seit zehn Jahren Immobilienverkäufer bei der HEV Verwaltungs AG in St. Gallen. «Der Trend zum Abbrechen und neu Bauen statt Sanieren hat etwa vor drei bis fünf Jahren begonnen.» Die Gründe lägen meist im Energieverbrauch. So auch im Fall der Baustelle am unteren Sonnenberg. «Der einstöckige Bungalow verschlang immense 5500 Liter Öl pro Jahr», sagen die neuen Besitzer. Jetzt planen sie ein «super Energiehaus»: Eine 15-kW-Anlage liefert Strom, der im Batterieraum im Keller gespeichert wird. Der überschüssige Strom wird ans Netz abgegeben. 10 Quadratmeter-Vakuumröhren, unterstützt durch Erdsonden, speisen die grossen Warmwassertanks. Im Sommer wird überschüssige Wärme aus dem Haus ins Erdreich zurückgeführt. Energie sei sein Steckenpferd, sagt der Bauherr: «Ich bin der Meinung, dass man für ein solches Haus nicht rein wirtschaftlich denken darf.» Wer sich einen solchen Neubau leisten könne, habe auch die Pflicht, ökologisch zu handeln und nachhaltigen Technologien eine Chance zu geben. Er hofft auf viele Nachahmer.

Gallus Hasler ist überzeugt, dass der Trend «Neubau statt Sanierung» die Zukunft ist. «Man kann den Energieverbrauch reduzieren, die Umwelt schonen und den Boden besser nutzen.» Wo bisher relativ kleine Häuser auf grossen Grundstücken standen, können auch Doppel- oder Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Ganz im Sinne des Gebots der Stunde: Der inneren Verdichtung. Gleich zwei solcher Beispiele finden sich weiter oben am Sonnenberg. An der Sonnenbergstrasse 61 entsteht ein Doppeleinfamilienhaus, am Lehweg Terrassenwohnungen. Auch andernorts sind derlei Baustellen mehrfach zu finden. Direkt neben dem Mörschwiler Gemeindehaus ist beispielsweise ein Mehrfamilienhaus im Bau. Es ersetzt das frühere Einfamilienhaus.

«Die schönen Parzellen sind heute alle weg»

Für die Bauherren an der Sonnenbergstrasse 37 kommt ein weiterer Aspekt hinzu. «Die schönen Parzellen sind heute alle weg. Ein Neubau auf einem bestehenden Grundstück ist die einzige Möglichkeit, etwas zu finden in Gehdistanz zu ÖV und Läden.» Hasler würde es aus Umweltsicht begrüssen, wenn noch häufiger neu gebaut statt wärmetechnisch ungenügend saniert würde. Erschwerend sei «die Untugend, dass Häuser heute oft dem Meistbietenden verkauft werden». Bei den hohen Preisen überlege sich manch einer zweimal, ob ein Neubau drinliege. «Aktuell ist das nur etwas für gut Betuchte, nicht für Durchschnittsfamilien.» Ein Fragezeichen setzt Hasler zudem zur Bauweise. In der Schweiz baue man nach wie vor zu gut und zu teuer. «Muss denn ein Haus für die Ewigkeit halten?», fragt er und würde sich ein Umdenken wünschen. «Man könnte auch einfacher und mit weniger Beton bauen, dafür ohne schlechtes Gewissen nach 50 Jahren wieder abreissen.»