ABTWIL: «Sonne» wird «Sicilia»

Seit über einem Jahr ist die «Sonne» im Dorfzentrum zu. In Kürze eröffnen die neuen Pächter das Restaurant unter neuem Namen und dem Motto «Italienisches Flair bis ins Detail».

Corinne Allenspach
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Mimoza und Vincenzo Curseri sind die neuen Gastgeber im «Sicilia», dem ehemaligen Hotel-Restaurant Sonne. (Bild: Michel Canonica)

Mimoza und Vincenzo Curseri sind die neuen Gastgeber im «Sicilia», dem ehemaligen Hotel-Restaurant Sonne. (Bild: Michel Canonica)

Die sauberen Fenster und die farbigen Blumen auf dem Sims sind ein untrügliches Zeichen. In der «Sonne» tut sich was. «Endlich», sagen viele Abtwiler und können es kaum erwarten, bis das Restaurant, das mehr als ein Jahr zu war, wieder öffnet. So auch jener Senior, der ungeniert reinspaziert. «Es kommen regelmässig Leute vorbei. Die Abtwiler sind interessiert», sagt Vincenzo Curseri. Der gebürtige Sizilianer, der seit 1968 in der Schweiz lebt, und seine Frau Mimoza, sind die neuen Gastgeber in der Dorfbeiz. In den vergangenen Wochen haben sie die Gaststube komplett umgebaut. Von der früheren Einrichtung aus den 1980er-Jahren ist nur noch wenig zu sehen. Der alte Tresen mit Zapfhahn etwa ist geblieben oder die Täferdecke. Die vorherrschenden Farben sind nun Schlammbraun und Pastellgelb.

Hausgemachte Pasta und «Kneipenecke»

Tische und Stühle seien direkt aus Italien importiert, sagt Curseri. Das passt zu seiner Philosophie. Aus der «Sonne», die neu «Sicilia» heisst, will er mit seiner Frau «ein richtiges italienisches Restaurant» machen. Keine Pizzeria, stellt er klar: «Pizza muss man einfach auf der Karte haben.» Aber italienische Küche sei viel mehr als das. Zum Beispiel hausgemachte Pasta. Diese bezieht Curseri vom St.Galler Familienunternehmen Pasta De Paola. «Die wissen, wie man Teigwaren macht.» Auch für seine Fisch­gerichte soll das «Sicilia» dereinst bekannt sein.

Als langjähriger Hobbykoch will der gelernte Stromer selber ab und zu in der Küche stehen. Das Zepter übernehmen dort aber zwei waschechte italienische Köche. Einer ist vor wenigen Tagen aus Sizilien nach Abtwil gereist, der andere kommt aus Neapel. Chefin des Hauses wird Mimoza Curseri sein. «Sie hat zwölf Jahre Gastroerfahrung in ihrem Heimatland Albanien», sagt ihr Mann. «Sie weiss, wie man ein Restaurant führt.» Servieren sollen im «Sicilia» nur Kellner und keine Kellnerinnen. «Nicht aus Diskriminierungsgründen, sondern weil es in Süditalien so üblich ist, dass Männer servieren», erklärt Curseri. Man wolle «das italienische Flair voll durchziehen».

Die Köche wie auch die Gastgeber selber wohnen im Ober­geschoss des Hauses. Dort, wo früher Hotelgäste logierten, sind zehn 1,5- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen entstanden. Elham Tairi von der Global Immobilien GmbH hat die Liegenschaft vor rund eineinhalb Jahren gekauft. Nach einer Gesamtsanierung will er das Haus jetzt bereits wieder verkaufen. Auf die Pläne der neuen Pächter hat das keinen Einfluss. «Wir haben einen Dreijahres-Vertrag unterschrieben», sagt Vincenzo Curseri. Sie hätten rund ein Dutzend Restaurants angeschaut. Das ­«Sicilia» sei relativ günstig, wenn man die Grösse des Restaurants anschaue. Curseris starten mit 40 Sitzplätzen im Speisebereich und einer «Kneipenecke» mit hohen Tischen und 24 Barstühlen: Fürs Feierabendbier und kleine Snacks. Geöffnet ist das Restaurant von morgens bis spätabends, um die ganze Palette abdecken zu können. Vom Znüni über Mittagsmenus bis zur Abendkarte. Auch die einstige Terrasse mit ihren 50 Sitzplätzen und Panoramablick auf den Alpstein wollen die neuen Wirte reaktivieren. «Das wird aber nächstes Jahr.»

Genauer Eröffnungstermin ist noch nicht bekannt

Wann genau das «Sicilia» eröffnen kann, ist im Moment noch unklar. «Wir wären eigentlich parat», sagt Curseri. Noch muss der Eigentümer aber im Haus Sicherheitstüren ersetzen, die nicht mehr den heutigen Vorschriften entsprechen. Elham Tairi rechnet damit, dass dies bis Mitte Juni erledigt sein wird.

Schon wieder ein Käufer gesucht

Das ehemalige Hotel-Restaurant Sonne an der Hauptstrasse 31 hat eine bewegte Geschichte. 1897 erbaut, war es einst das grösste Haus in Abtwil. Seit 120 Jahren ist es ein Wirtshaus. Seither gingen mehrere Wirte Konkurs. Martin Falk, der 1987 übernahm, stellte den guten Namen wieder her. Nach fast 30 Jahren Wirten mit Herzblut suchte er einen Nachfolger, der die «Sonne» in seinem Sinn führt und die Gastfreundlichkeit weiterlebt. Nach zweieinhalbjähriger Suche verkaufte Falk Anfang 2016 an Elham Tairi von der Global Immobilien GmbH St.Gallen. Ausgeschrieben war die Liegenschaft für knapp 2,4 Millionen. Er habe aber etwas weniger bezahlt, sagt Tairi. Geplant war, dass Tairis Bruder Jeton Tairi und dessen Frau Kristina Zebel in der «Sonne» wirten. Sie wollten eine neue Terrasse direkt ans Haus bauen. Da diese nicht bewilligungsfähig war, zogen sich die Pächter zurück. Dass Elham Tairi bereits wieder verkauft, sei, weil er «Geld braucht, um anderswo zu investieren». Der Verkaufspreis liegt bei rund 2,9 Millionen Franken. Mit dem Verkauf beauftragt ist die Hugo Steiner AG.

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