ABTWIL: Kochen mit Kurt

Kochen liegt im Trend. Einer, der das lange vor dem Aufkommen der vielen TV-Kochshows gewusst hat, ist Kurt Hofacher. Ebenso leidenschaftlich wie das Zubereiten der Speisen pflegt er seine Website mit 350 Rezepten.

Corinne Allenspach
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Kurt Hofacher schneidet die selbstgemachte Kräuterbutter, die er später zum rosa gebratenen Angus-Rind mit dreierlei Gemüse servieren wird. Zuerst gibt’s aber Geflügelterrine mit filettierten Orangen. (Bild: Ralph Ribi)

Kurt Hofacher schneidet die selbstgemachte Kräuterbutter, die er später zum rosa gebratenen Angus-Rind mit dreierlei Gemüse servieren wird. Zuerst gibt’s aber Geflügelterrine mit filettierten Orangen. (Bild: Ralph Ribi)

Corinne Allenspach

corinne.allenspach

@tagblatt.ch

Morcheln und Wildspargeln mit Blätterteig, Eierschwämmchen im Strudelteigkörbchen, Feigen-Tomaten-Salat, Flusskrebs-Ravioli, griechisches Zitronenpoulet, überbackene Erdbeeren: Allein beim Stöbern auf Kurt Hofachers Internetseite läuft einem schon das Wasser im Mund zusammen. Seit 40 Jahren ist der 72-jährige Abtwiler begeisterter Hobbykoch. Ihm ein Kochbuch zu schenken, ist allerdings keine gute Idee. Denn es gibt kaum eines, das er nicht schon kennt. Gegen 600 Kochbücher aus verschiedenen Ländern und Epochen stehen daheim. «Ich kenne niemanden, der privat eine solche Bibliothek hat», sagt Hof­acher. Kein Wunder, schliesslich verschlingt er Kochbücher wie andere Leute Krimis. Er ist aber keiner, der einfach Rezepte nachkocht. Er verändert sie nach seinem Gusto, seine Frau Heidi ist jeweils die erste Testerin. «Erst wenn es ihr auch schmeckt, wird ein Rezept publiziert.»

Aktuell sind 348 Rezepte auf der Internetseite «Kochen mit Kurt» aufgeschaltet, von sehr einfach bis sehr aufwendig, dazu viele Koch- und Restaurant-Tips aus halb Europa. Besonders beliebt über die Festtage: die Chinoise-Saucen. Kommerzielle Interessen verfolgt der Abtwiler keine, seine Rezepte sind für jedermann gratis und frei zugänglich. «Mir geht es darum, die Leute zu animieren, mit frischen, möglichst regionalen Produkten zu kochen, anstatt Fertiggerichte zu kaufen», sagt der dreifache Vater und Grossvater. Ihn faszinieren beim Kochen vor allem drei Aspekte: das Kreative, sprich, die Zusammensetzung der verschiedenen Geschmacksrichtungen, die physikalisch-chemische Komponente und das Strategische: Wie geht man vor, damit alles zur richtigen Zeit parat ist?

Cannelloni interessierten mehr als seine Kandidatur

Dabei muss es nicht zwingend etwas Ausgefallenes sein. «Ich esse auch gerne einfache Gerichte wie Wurstsalat, Suppe oder Raclette», sagt Hofacher, der die Begeisterung fürs Essen und Kochen geerbt hat. Sein Grossvater war Metzgermeister, der Vater Weinhändler und bei der Mutter lernte er die gutbürgerliche Küche schätzen. Von ihr hat er auch gelernt, keine Lebensmittel wegzuwerfen. Einige von Mutters Rezepten, wie die Hackfleischkügeli oder Fleischvögel, sind auf seinem Blog aufgeschaltet. Was Hofacher weniger liegt: das Inszenieren. «Ich stelle immer wieder fest, dass andere Blogger besser fotografieren als ich.»

So vielfältig Hofachers Rezepte-Fundus ist, so abwechslungsreich war sein Berufsleben. Angefangen hatte der Primarlehrer in einer Abschlussklasse. Nach einem Studium in Philosophie, Psychologie und Pädagogik an der Uni Zürich arbeitete er als Professor an der Kanti Wattwil. Von 1980 bis 1986 war er im Nebenamt Schulratspräsident im Kinderdorf Pestalozzi, danach bis 1992 Schulratspräsident in Abtwil. Als Projektleiter im Erzie­hungsdepartement trug er bis zu seiner Pensionierung 2007 massgeblich zur Lehrerbildungsreform im Kanton St.Gallen bei. Kurt Hofacher schmunzelt. Soeben erinnert er sich an eine Episode. Mitte der 1980er-Jahre, just im Wahlkampf fürs Abtwiler Schulpräsidium, erschien schon einmal ein Artikel im Tagblatt über seine Kochleidenschaft. Er sei danach auf der Strasse mehrfach angesprochen worden, auch von wildfremden Leuten. «Aber niemand interessierte sich für meine Kandidatur, alle nur für meine Cannelloni.»

Im «Spycherstübli» schmeckt’s ihm am besten

In der Regel hantiert Kurt Hof­acher täglich bis zu zwei Stunden in der Küche. Ganz besonders geniesst er das am Sonntag, wenn er jeweils ein 3-Gänge-Menu serviert. Und am heutigen Silvester gibt es unter anderem Avocado-Tatar auf Randencarpaccio, Roastbeef mit Gemüse und Vanilleparfait mit Erdbeersauce, wie er auf der Website verrät. Als Diabetiker isst Hofacher nur wenig Kohlenhydrate, stattdessen bevorzugt er Fleisch, Meeresfrüchte, Gemüse und Obst. Früher gab er auch Kochkurse und war als Präsident eines Clubs, der hochstehende Restaurants unterstützt, als Testesser unterwegs. Kulinarische Inspiration holt sich der Abtwiler auch in Italien oder Frankreich. Und wie weiss er, wo man dort gut isst? Hofacher lacht. Er habe einen Trick, der fast immer funktioniere. In Italien beispielsweise beobachte er kurz vor Mittag jeweils «leicht dickliche Herren» und folge ihnen unauffällig ins Restaurant. Getreu der Devise: «Wo Einheimische essen, kann es nicht schlecht sein.»

Und welches ist sein Lieblingsrestaurant in der Region? Hofacher muss nicht lange überlegen. «Das ‹Spycherstübli› in Speicher. Ein Erststockbeizli, das nur wenige kennen, in dem aber hervorragend gekocht wird.»