ABTWIL: Beat Hefti lernt vom starken Franz

Dass er zupacken kann, hat Beat Hefti schon zuhauf bewiesen. Jetzt geht der Bobweltmeister für einmal sportlich fremd. In einer Woche nimmt er erstmals an den Appowila Highland Games teil – ein Mordslupf.

Corinne Allenspach
Drucken
Teilen
Alles eine Frage der Technik: Der starke Franz zeigt Beat Hefti, wie er den Baumstamm richtig halten muss.

Alles eine Frage der Technik: Der starke Franz zeigt Beat Hefti, wie er den Baumstamm richtig halten muss.

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Neben Franz Ritter wirkt Beat Hefti auf den ersten Blick fast etwas schmächtig. Immerhin hat Ritter Oberarme wie Hefti Oberschenkel. Aber der Eindruck täuscht. Schon beim ersten Wurf beweist der Weltmeister im Viererbob, der mehrfache Europameister im Zweierbob und Olympiamedaillengewinner, dass er durchtrainiert ist bis in die letzte Faser. «Genial», lobt Franz Ritter, gemeinhin als starker Franz bekannt, seit er seine Leidenschaft für schottische Sportwettkämpfe entdeckt hat. Der 48-Jährige ist Vize-Schweizer-Meister und das sportliche Aushängeschild der Appowiler, die in einer Woche in Abtwil die fünften Appowila Highland Games veranstalten. Jetzt, beim ersten gemeinsamen Training, geht es aber nicht um den Highlander, sondern um Beat Hefti. «Ich hoffe schon auf ein paar Tipps von Franz», sagt der Schwellbrunner augenzwinkernd. Schliesslich trainiert er an diesem Nachmittag zum ersten Mal mit derart exotischen Wurfgeräten.

Sechs Meter und 50-Kilo-Baumstamm

Hefti will es drum ganz genau wissen: «Wie hältst du den Stein? Wie hebst du den Baumstamm hoch? Wie viel Anlauf nimmst du?» Und dann, als er ansetzt zum Steinstossen mit dem 16 Kilo schweren Stein, stellt er fest: «Dä Chaib isch würklich no unhantlich.» Schon beim ersten Versuch wirft Hefti aber nur minim weniger weit als Franz. Dieser nimmt’s sportlich. «Ich wollte ja Konkurrenz», sagt er und grinst. Das Lachen vergeht beiden für einen Moment, als sie sich der Königsdisziplin, dem Baumstammwerfen, widmen. Nach einigen Würfen mit einem Übungsstamm geht’s richtig zur Sache. Mit einem Stamm in Wettkampfmassen: Rund sechs Meter lang und 50 Kilo schwer. Allein das Hochheben ist ein Mordslupf – daran lässt auch Heftis Gesichtsaudruck keinen Zweifel. Und den Stamm so zu werfen, dass er sich einmal um die Längsachse dreht und möglichst genau in Wurfrichtung zu liegen kommt, ist eine Meisterleistung, die selbst Franz Ritter nicht immer gelingt.

Nach Trainingslager in Turin direkt nach Abtwil

Je fortgeschrittener das Training, desto offensichtlicher wird Heftis Freude. «So Züg passt mir brutal», sagt er. Für ihn, der mit seinem Viererbob-Team teilnehmen wird, sind es die ersten schottischen Wettkämpfe. Er sei angefragt worden, sagt der 39-Jährige, und habe spontan zugesagt. «Für uns ist es ein guter Teamanlass.» Das Team mache jedes Jahr etwas Spezielles zusammen und nach ganzjährigen Trainings im Kraftraum und auf der Sprintbahn seien Baumstammwerfen, Steinstossen, Gewichthochwurf und Seilziehen mal was anderes. Hat er keine Angst, sich zu verletzen? Hefti winkt ab: «Verletzen kann man sich überall. Wichtig ist, dass man den Kopf bei der Sache hat.»

Ursprünglich wollte Hefti nicht nur an den Teamwettkämpfen von nächsten Samstag mitmachen, sondern auch an den Einzelwettkämpfen am Sonntag. Da der Anschieber und Bobpilot mit seinem Team aber bis nächsten Freitag in Turin im Trainingslager ist, um aufs Eis zu gehen, wird ihm das zu viel. Gut möglich aber, dass er bei der sechsten Ausgabe in zwei Jahren wieder Baumstämme und Steine werfen will. Schliesslich gestand Hefti nach dem Training, er freue sich auf die Highland Games «wie ein kleines Kind». Verbindungspunkte nach Abtwil hat er auch schon. Appowila-Präsident Martin Tschirren war einst Heftis Oberstift in der Lehre zum Zimmermann.

www.appowila.ch