ABSTIMMUNG: Kaum jemand will an die Urne

Wer an der Urne abstimmen will, hat dafür vielerorts gerade einmal noch eine Stunde Zeit. Auch in Mörschwil, das seine Öffnungszeiten auf das Minimum verkürzt hat. Mit gutem Grund.

Nina Rudnicki, Linda Müntener
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In den meisten Gemeinden der Region gehen nur noch ein bis zwei Prozent der Stimmenden an die Urne. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

In den meisten Gemeinden der Region gehen nur noch ein bis zwei Prozent der Stimmenden an die Urne. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Nina Rudnicki, Linda Müntener

redaktionot@tagblatt.ch

Die Gemeinde Mörschwil verringert die Urnenöffnungszeit bei Abstimmungen auf eine Stunde. Am kommenden Sonntag können die Bürgerinnen und Bürger erstmals nur noch von 10 bis 11 Uhr an der Urne abstimmen statt wie bisher bis 12 Uhr. Diese eine Stunde Öffnungszeit ist laut Ratsschreiber Bruno Stieger gesetzlich vor­geschrieben. «Es ist ein Vorteil, dass nun in allen Gemeinden dieselben Öffnungszeiten gelten», sagt er. «Ausserdem können so die Resultate schneller vermeldet werden.»

20 bis 40 Mörschwiler haben in den vergangenen Jahren jeweils noch an der Urne abgestimmt, schätzt Stieger. Das sei eine starke Abnahme und hänge unter anderem damit zusammen, dass die Zahl der Kirchenmitglieder zurückgehe. Früher hätten viele den Besuch des Sonntagsgottesdienstes mit dem Gang zur Urne verbunden.

Nur in Thal und Rorschach zwei Stunden geöffnet

Mörschwil ist kein Einzelfall. Die Mehrheit der Stimmberechtigten in der Region Rorschach stimmt heutzutage brieflich ab. Deshalb haben auch die Urnen in den Gemeinden Steinach, Tübach, Untereggen und Rorschacherberg am Wahlsonntag ebenfalls lediglich eine Stunde lang geöffnet. Im Rathaus der Stadt Rhein­eck kann man seinen Stimmzettel am Sonntag während einer Stunde und 15 Minuten einwerfen. Die Goldacher Urne im Gebäude neben dem Rathaus ist mit eineinhalb Stunden noch etwas länger geöffnet.

Ausnahmen in der Region sind die Stadt Rorschach und Thal. Dort haben die Bürgerinnen und Bürger am Wahlsonntag zwei Stunden Zeit, um ihre Stimme abzugeben. In Thal stehen zudem gleich drei Urnen bereit: im Rathaus sowie in den Schulhäusern von Buechen und Altenrhein. «Diese Möglichkeit wird aber nur noch von sehr wenigen genutzt», sagt Thals Gemeinderatsschreiber Christoph Giger. Die Zahl der sonntäglichen Urnengänger habe in den vergangenen 20 Jahren markant abgenommen. «Der Thaler Gemeinderat hat sich deshalb auch schon überlegt, ob er die Öffnungszeiten um eine Stunde reduzieren soll», sagt Giger. Bisher habe man vor allem der Tradition wegen daran festgehalten. Dass nun mit Mörschwil eine weitere Gemeinde ihre Urnenöffnungszeiten verkürze, könne für Thal ein Anstoss sein, eine Änderung nochmals zu prüfen.

Auch bei der Stadt Rorschach geht die Mehrheit der Stimmcouverts brieflich ein. So waren am Rekordabstimmungssonntag vom 26. Februar 2016 (Stimmbeteiligung von 56,8 Prozent) lediglich zwei von 17 Stimmenzählern für die Urne zuständig. Zwischen 50 und 150 Stimmen, die auf traditionelle Weise eingereicht werden, erwartet die Stadt an einem solchen Spitzentag. Noch tiefer fällt die Zahl an einem Wahlsonntag aus, an dem keine hochumstrittenen, emotionalen Vorlagen und Wahlen zur Abstimmung kommen: Für den 12. Februar liegt die Stimmbeteiligung derzeit bei gerade einmal 21,14 Prozent.

Vor zwölf Jahren mit der Wanderurne unterwegs

Die angepassten Öffnungszeiten in Mörschwil sind also nur ein konsequenter Schritt. «Die Zeiten haben sich definitiv ver­ändert, und das ziemlich rasch», sagt Gemeinderatsschreiber Bruno Stieger. So sei es erst zwölf Jahre her, dass man noch zwei Stimmenzähler mit einer Wanderurne zur Oberen Waid geschickt habe.