ABSTIMMUNG: Kaum jemand will an die Urne

Wer an der Urne abstimmen will, hat dafür gerade einmal noch eine Stunde Zeit. Auch in Mörschwil, das als letzte Gemeinde die Öffnungszeiten auf das Minimum verkürzt hat. Mit gutem Grund.

Nina Rudnicki
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In den meisten Gemeinden der Region gehen nur noch ein bis zwei Prozent der Stimmenden an die Urne. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

In den meisten Gemeinden der Region gehen nur noch ein bis zwei Prozent der Stimmenden an die Urne. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Nina Rudnicki

redaktiongo@tagblatt.ch

Mörschwil ist die letzte Gemeinde in der Region, welche die Urnenöffnungszeit bei Abstimmungen auf eine Stunde verringert. Am 12. Februar können die Bürgerinnen und Bürger erstmals nur noch von 10 bis 11 Uhr an der Urne abstimmen statt wie bisher bis 12 Uhr. Diese eine Stunde Öffnungszeit ist laut Ratsschreiber Bruno Stieger gesetzlich vor­geschrieben. «Es ist ein Vorteil, dass nun in allen Gemeinden dieselben Öffnungszeiten gelten», sagt er. «Ausserdem können so die Resultate schneller vermeldet werden.» 20 bis 40 Mörschwiler haben in den vergangenen Jahren jeweils noch an der Urne abgestimmt, schätzt Stieger. Das sei eine starke Abnahme und hänge unter anderem damit zusammen, dass die Zahl der Kirchenmitglieder zurückgehe. Früher hätten viele den Besuch des Sonntagsgottesdienstes mit dem Gang zur Urne verbunden.

Vor allem Kirchgänger gehen noch an die Urne

Auch in Muolen sind es laut Ratsschreiber Adrian Hofmann vor allem Kirchgänger, die an der Urne im Vereinslokal abstimmen. 20 bis 30 Personen stimmen dort noch im Schnitt an der Urne ab – Tendenz abnehmend. In Berg sind es durchschnittlich noch zehn Personen, genau wie in Häggenschwil. «Das entspricht ungefähr ein bis zwei Prozent der Stimmenden», sagt Ratsschreiberin Dorryn Schafflützel. Bis 2011 konnte am Donnerstag und Freitag vor dem Abstimmungssonntag im Gemeindehaus Häggenschwil während der Büro­zeiten persönlich abgestimmt werden. «2012 wurde das abgeschafft, da niemand mehr Gebrauch davon machte.»

Die genauesten Zahlen legt Gaiserwalds Ratsschreiber An­dreas Kappler vor. So stimmten im Februar 2014 3212 Personen brieflich und 124 Personen an der Urne ab. Im März 2015 waren es 2616 brieflich und 71 an der Urne, im November 2016 2633 brieflich und 45 an der Urne. «Vor zehn Jahren bevorzugten noch 170 bis 200 Stimmberechtigte die Urne, vor zwanzig Jahren jeweils etwa 400 Stimmberechtigte», sagt Kappler. Wie damals gebe es auch heute noch je eine Urne im Gemeindehaus Abtwil und eine in der Mehrzweckhalle Engelburg. In Wittenbach nehmen laut Ratsschreiber Marcel Aeple rund 50 Personen die Stimmabgabe an der Urne wahr. «Mal sind es ­weniger, mal sind es etwas mehr», sagt er. «Gemessen an 6000 Stimmberechtigten ist der Anteil allerdings sehr klein.»

Nur noch zwei bis drei Prozent der Stimmenden

Auch wenn es aufwendiger ist, am Sonntag extra zum Gemeindehaus zu fahren, statt im Voraus das Covert in einen Briefkasten zu werfen, gibt es Vorteile: «An der Urne können die Stimmenden die direkte Demokratie unmittelbar nachvollziehen», sagt Gossaus Stadtschreiber Toni Inauen. «Hin und wieder kommen Eltern mit ihren Kindern. Die dürfen dann das Stimmcouvert einwerfen.» Aber auch in Gossau sind es nur noch zwei bis drei Prozent aller Stimmenden, welche die Urne nutzen. Aufgrund Goss­aus Grösse gibt es noch zwei Urnen: im Rathaus und im Kindergarten Arnegg. Bis vor rund 20 Jahren war die Urne im Rathaus auch samstags geöffnet. ­Zudem gab es Urnen in den mehreren Schulhäusern. «Nach und nach wurden diese Urnen wegen der abnehmenden Nutzung allerdings abgeschafft», sagt Inauen.

Die angepassten Öffnungszeiten in Mörschwil sind also nur ein konsequenter Schritt. «Die Zeiten haben sich definitiv ver­ändert, und das ziemlich rasch», sagt Stieger. So sei es erst zwölf Jahre her, dass man noch zwei Stimmenzähler mit einer Wanderurne zur Oberen Waid geschickt habe.