«Absolute Sicherheit gibt es nicht»

Ist Fliegen noch sicher? Diese Frage wurde nach dem jüngsten Flugzeugabsturz einer Germanwings-Maschine aufgeworfen. Armin Unternährer, CEO der People's Viennaline, und Captain Oskar Neudorfer geben Antwort darauf.

Michel Burtscher
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Bei der People's Viennaline gilt die Zwei-Personen–Regel im Cockpit schon seit Jahren. (Archivbild: Rudolf Hirtl)

Bei der People's Viennaline gilt die Zwei-Personen–Regel im Cockpit schon seit Jahren. (Archivbild: Rudolf Hirtl)

ALTENRHEIN. Der Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine wirft hohe Wellen. Täglich füllen neue Details unzählige Zeitungsspalten. Dabei werden auch Fragen gestellt wie etwa auf dem deutschen Nachrichtensender n-tv: «Ist das Fliegen noch sicher?» Für Armin Unternährer, CEO der People's Viennaline, ist die Antwort klar: «Das Fliegen ist statistisch gesehen immer noch das sicherste Verkehrsmittel. Sogar die Strasse zu überqueren ist gefährlicher.» Nur sei die Berichterstattung bei Flugzeugabstürzen viel grösser als bei anderen Unfällen. Darum entstehe teilweise ein verzerrtes Bild.

Strenges Auswahlverfahren

Verunsicherung spüre er bei den Kunden trotz dieses Vorfalls aber keine. «Wir hatten bisher keine Rückmeldungen oder Fragen.» Als 1998 eine Swissair-Maschine bei Halifax abstürzte, sei das anders gewesen, erzählt Unternährer, der damals bei der Swissair arbeitete. «Da gab es viele Rückmeldungen und Fragen, Passagiere annullierten ihre schon gebuchten Flüge.»

Dieses Mal sei die Ursache für den Absturz schon sehr schnell bekannt gewesen, sagt Oskar Neudorfer, Captain bei der People's Viennaline. «Das hilft sicher, Unsicherheiten abzubauen.» Dass ein Pilot ein Flugzeug absichtlich abstürzen lässt, ist für Unternährer und Neudorfer unfassbar. «Man muss aber klar festhalten, dass das ein Einzelfall ist», sagt Neudorfer. «Bei keiner anderen Berufsgruppe gibt es ein so strenges Auswahlverfahren», ergänzt Unternährer. Neudorfer führt aus: Jeder Pilot müsse ein standardisiertes Auswahlverfahren durchlaufen mit medizinischen und psychologischen Tests. Und auch nach der Ausbildung müssen jedes Jahr Tests absolviert werden.

Viel diskutiert wird im Moment auch über die Zwei-Personen-Regel – dass also immer zwei Personen im Cockpit sein müssen. Verlässt es ein Pilot, um beispielsweise auf die Toilette zu gehen, muss ein Flugbegleiter ins Cockpit. Diese Regel haben jetzt auch viele europäische Airlines eingeführt. Für die People's Viennaline ist das aber nicht neu: «Das gilt bei uns schon seit Beginn», sagt Unternährer. Es sei bei ihnen aber nicht wirklich ein Thema, da die Flugzeit relativ kurz sei. Eingeführt habe man die Regel für den Fall, dass der im Cockpit verbleibende Pilot ein medizinisches Problem habe. «Absolute Sicherheit gibt es aber sowieso nicht», sagt Unternährer. «Will ein Pilot ein Flugzeug absichtlich zum Absturz bringen, wird er das auch in Zukunft noch tun können.» In seine Mitarbeiter habe er aber volles Vertrauen. Ein Vorteil bei der People's Viennaline sei das kleine Team, sagt Unternährer. «Alle kennen sich, und die Kommunikation ist sehr gut.» Persönliche Probleme würden den anderen auffallen, ist er überzeugt.

Kunden sollen sich sicher fühlen

Auch in die technische Sicherheit wird viel investiert: In Absprache mit der Crew wird die Maschine der People's Viennaline täglich von Technikern untersucht. Alle zweieinhalb Jahre wird das Flugzeug vollständig auseinander genommen, alle Teile kontrolliert, bei Bedarf ausgetauscht und dann wieder zusammengebaut. Auch bei der technischen Sicherheit sei die Grösse ihrer Airline von Vorteil. «Wir haben nur ein Flugzeug. Für die Crew ist die Maschine wie ein Baby. Und so kümmert sie sich auch um sie», sagt Unternährer. Das alles zusammen mache das Fliegen sehr sicher, sagt Neudorfer. Und dieses Gefühl von Sicherheit möchte man auch an die Kunden weitergeben: «Uns ist es ein sehr grosses Anliegen, dass sie sich bei uns sicher aufgehoben fühlen», so Neudorfer.

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