ABSCHIED: Prosit auf die Ära Müller

Der langjährige Waldkircher Gemeindepräsident Franz Müller wurde an einem Apéro verabschiedet. Amtsmüde sei er nie gewesen, nun locke ihn die Privatwirtschaft.

Sebastian Schneider
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Ein zufriedener Franz Müller plaudert im Foyer des Waldkircher Gemeindehauses über seine Politkarriere. (Bild: Ralph Ribi)

Ein zufriedener Franz Müller plaudert im Foyer des Waldkircher Gemeindehauses über seine Politkarriere. (Bild: Ralph Ribi)

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Festbänke, Weingläser, Snacks. Die Eingangshalle des Waldkircher Gemeindehauses wurde am Freitag vor Weihnachten ganz schön umgestaltet. Offensichtlich kommt man von nun an nicht mehr für trockene, nüchterne Geschäfte, sondern für heitere, gesellige Momente ins Foyer. Angestossen wird auf den Präsidenten. Auf Franz Müller, der 26 Jahre lang erfolgreich die Geschicke der Politischen Gemeinde leitete. Da seine Ära mit dem nahenden Silvester endet, luden die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung die Bevölkerung ein, um Franz Müller Adieu und Danke zu sagen.

Bis der Platz an den beiden Festbänken knapp wird, dauert es zwar einen Moment. Doch da immer wieder neue Gäste, vorwiegend Senioren, eintreffen, hat der Alt-Gemeindepräsident in spe und Hobbygolfer immer wieder zu tun. Franz Müller lässt niemanden aus, begrüsst jeden eintreffenden Gast – auch wenn er dafür das Gespräch am Tisch unterbrechen muss. Bei einem Glas Waldkircher Holunderwein erzählt er Geschichten aus seinem Leben, aus seiner politischen Laufbahn. Obwohl ihn die Treuhänderbranche schon als Mittezwanziger reizte, entschied sich der damals 26-jährige Gemeindeschreiber von Kirchberg, das Amt des Gemeindepräsidenten von Lütisburg zu übernehmen. «Den Kontakt nach Waldkirch gab ich aber nie auf.» Und so traf etwa neun Jahre nach Amtsantritt eine Anfrage aus Waldkirch ein. «Ich kam aber nur unter einer Bedingung zurück: Ich wollte keine Kampfwahl», sagt Müller am Festtisch. Es wäre ja nicht gerade ehrenhaft gewesen, im Fall einer Nichtwahl in Waldkirch bei der Toggenburger Gemeinde wieder anzuklopfen.

Schulden, die etwas bringen

Müller betrieb eine aktive Bodenpolitik und forcierte in beiden Gemeinden die Erneuerung der Infrastruktur. Da es gerade in Waldkirch viel Nachholbedarf gab, wurden unter Franz Müller bis zu 16 Millionen Franken Schulden angehäuft. «Diese hat es aber gebraucht», anerkennt ein Senior, der mit Müller am Tisch sitzt. Das Ergebnis gibt recht: Gemeindehaus, Werkhof und viele weitere Bauten konnten realisiert werden, zugleich wurde der Steuerfuss mehrmals gesenkt, und die Gemeinde hat heute wieder ein Vermögen von 2,5 Millionen Franken.

Von 1988 bis 2008 sass Müller für die CVP im Kantonsrat. Müde sei er dank seines Optimismus aber nie gewesen. Und zudem, so bemerkt der Senior am Tisch mit einem Augenzwinkern: «Er hat nicht nur gearbeitet.» Vier Töchter hat Franz Müller mit seiner Ehefrau Ruth, mittlerweile ist er auch vierfacher Grossvater. Langweilig dürfte es ihm also nicht werden. Und die Treuhandbranche reizt Franz Müller ja immer noch.