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ABSCHIED: Nach 40 Jahren: Mühlegg-Kioskfrau sagt Adieu

Klara Krüsi arbeitet seit 40 Jahren als Kioskfrau. Heute öffnet sie den Kiosk an der Bergstation Mühlegg zum letzten Mal. Mit dessen Schliessung verliert sie ihre Stelle – ein Jahr vor der Pensionierung.
Christina Weder
Klara Krüsi arbeitet heute zum letzten Mal in «ihrem» Kiosk bei der Mühlegg-Bergstation in St. Georgen. (Bild: Urs Bucher)

Klara Krüsi arbeitet heute zum letzten Mal in «ihrem» Kiosk bei der Mühlegg-Bergstation in St. Georgen. (Bild: Urs Bucher)

«Haben Sie noch einen Wunsch?», fragt Kioskfrau Klara Krüsi und reicht einem Kunden ein Päckli Zigaretten. Tausende Male hat sie die Frage schon gestellt. Doch heute Samstag ist es besonders. Der Kiosk bei der Bergstation Mühlegg in St. Georgen ist zum letzten Mal geöffnet. Wie stets ist Klara Krüsi freundlich und auf eine ruhige Art zuvorkommend. Hie und da huscht ein Lächeln über ihr Gesicht, auch wenn ihr eigentlich nicht zum Lachen zu Mute ist. 20 Jahre lang hat sie am Mühlegg-Kiosk gearbeitet. Nun schliesst ihn die Betreiberin Valora aus wirtschaftlichen Gründen. Wie es mit dem Kiosk weitergeht, ist noch offen. Die Mühleggbahn AG sucht eine Nachfolgelösung.

Leere Regale, ausverkaufte Süssigkeiten

Die Schliessung ist bei den Kundinnen und Kunden ein Thema. Denn es ist nicht zu übersehen: Der Ausverkauf ist in vollem Gang. Viele Artikel sind mit einem orangen 50-Prozent-Kleber versehen. Ganze Ablagen sind bereits leergeräumt. Etwas ratlos schaut sich ein Mann um und stellt fest: «Süsses hat es ja nicht mehr viel.» Die letzten zwei Schoggi-Prügeli liegen noch da. Guetzli, Bonbons, Gummibärli, Mars und Bounty sind bereits ausverkauft.

Auch für Kioskfrau Klara Krüsi ist es ein ungewohnter Anblick. «Jahrelang war ich bemüht, dass immer alles aufgefüllt wird und es schön aussieht. Und jetzt herrscht gähnende Leere.» Das tue schon weh, sagt sie. Der Kiosk an der Bergstation Mühlegg war für die Appenzellerin, die in Speicher wohnt, wie ein zweites Zuhause. Sie sei unheimlich gerne hier gewesen – «sonst hätte ich das nicht so lange gemacht.»

40 Jahre war sie als Kioskfrau tätig. 20 Jahre hat sie den Kiosk beim Bahnhof in Speicher geleitet, weitere 20 Jahre jenen in St. Georgen. Im vergangenen Herbst hat sie ihr Arbeitsjubiläum gefeiert und wenig später – Ende November – die Kündigung erhalten. Man habe ihr zwar angeboten, sie unregelmässig als Springerin einzusetzen. Doch das wollte sie nicht.

In 40 Jahren hat sich die Arbeit verändert

Krüsi hat sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum angemeldet und schreibt Bewerbungen. Sie macht sich keine Illusionen. Diese Woche ist sie 63 Jahre alt geworden. Ein Jahr geht es noch bis zur Pensionierung. Am Anfang, als sie von der Schliessung «ihres» Kiosks erfahren habe, sei sie in ein Loch gefallen und tieftraurig gewesen. Mittlerweile habe sie sich mit der Situation abgefunden und versuche, das Positive zu sehen – etwa, dass sie nun mehr Zeit für Freunde habe. «Ich will anfangen zu geniessen.»

In den letzten 40 Jahren hat sich ihre Arbeit stark verändert. Bestellungen machte sie früher per Briefpost. Lotto-Zettel wurden mit Dreifach-Durchschlagpapier ausgefüllt. Heute geht nichts mehr ohne Computer. Die Zeiten seien hart geworden für einen Kiosk, sagt sie. Der rückläufige Umsatz ist ihr nicht entgangen. Zeitungen und Zeitschriften werden zunehmend online gelesen. Auch Tabakwaren verkaufen sich gemäss Krüsi weniger gut als auch schon. «Viele haben aufgehört zu rauchen.»

Ungebetene Gäste – auch tierische


In den 40 Jahren als Kioskfrau ist Klara Krüsi unzähligen Menschen begegnet. Vom Schulkind bis zum Senior kamen alle bei ihr vorbei. Sie erinnert sich sogar an tierischen Besuch. Als sie noch in Speicher arbeitete, schaute wiederholt ein ausgebüxtes Huhn bei ihr vorbei und flatterte auf die Auslage. Zu den ungebetenen Gästen zählt sie auch zwei Mäuse mit unterschiedlichen Vorlieben. Die eine knabberte ausschliesslich Bountys an, die andere – das ist noch nicht lange her – hatte es auf Lindt-Schokolade-Herzen abgesehen. Der tierliebenden Kioskfrau lag viel daran, dass den kleinen Nagern trotz aufgestellter Mausefalle nichts passierte. Ein anderes Mal hatte sie es mit einer Katze zu tun, die so aufsässig war, dass Klara Krüsi schliesslich die Polizei rief. Ihre grösste Sorge war, dass die Katze unvermittelt auf die stark befahrene Strasse springen könnte.

Es kamen auch ein paar menschliche ungebetene Gäste vorbei, darunter Betrunkene. Im Winter, wenn es früh eindunkelte, sei ihr manchmal nicht mehr so wohl gewesen. Einmal in 40 Jahren wurde sie überfallen. Ein Mann bedrohte sie mit einem Messer und verlangte Geld. Wartende an der Bushaltestelle beobachteten den Vorfall. Sie stiegen in den Bus – als sei nichts gewesen. Das hat die Kioskfrau im Rückblick fast mehr schockiert als der Überfall selbst.

Doch es überwiegen die positiven Erinnerungen und freundlichen Begegnungen. «Ich werde den Kontakt mit den Kunden und die netten Gespräche sehr vermissen», sagt Klara Krüsi. In den letzten Wochen habe sie viele aufmunternde Worte gehört. «Das tut einfach gut.»

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