ABSCHIED: Ein halbes Leben für Gelb-Schwarz

Mit der Partie zwischen Rorschach und Calcio Kreuzlingen geht nicht nur die Geschichte des Vereins zu Ende. Adieu sagt auch Elmar Keel, der dem FC Rorschach ein halbes Jahrhundert lang die Treue gehalten hat.

Res Lerch
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Elmar Keel ist ein Urgestein des FC Rorschach und hat beim Verein viele Höhen und Tiefen miterlebt. (Bild: Res Lerch)

Elmar Keel ist ein Urgestein des FC Rorschach und hat beim Verein viele Höhen und Tiefen miterlebt. (Bild: Res Lerch)

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Wenn am kommenden Freitag die 2.-Liga-Partie zwischen dem FC Rorschach und dem FC Calcio Kreuzlingen abgepfiffen wird, endet nicht nur die 110-jährige Geschichte des FC Rorschach, sondern auch jene von Elmar Keel. Er hat nahezu ein halbes Jahrhundert lang dem FC Rorschach die Treue gehalten, hat sich als Spieler und Funktionär verdient gemacht. Grund genug, sein Wirken zu würdigen.

Elmar Keel ist als zwölfjähriger Knabe am 11. Februar 1968 dem FC Rorschach beigetreten. «Ich begann meine ‹Karriere› als C-Junior. Als Aktivspieler erreichte ich mit der sehr erfolgreichen zweiten Mannschaft den Gruppensieg in der dritten Liga (1977/78), jedoch scheiterten wir in den Aufstiegsspielen. In der gleichen Saison stieg die erste Mannschaft in die 3. Liga ab. Unter Spielertrainer Doll durfte ich mit der ersten Mannschaft als Spieler mit der Nr. 2 den sofortigen Wiederaufstieg in die 2. Liga feiern. Nur kurze Zeit später endete meine Aktivzeit aufgrund einer Verletzung», blickt Elmar Keel auch ein bisschen wehmütig zurück.

Für wenige Minuten sogar in der NLB

Mit 22 Jahren wurde er unter Präsident Fritz Bereiter sen. an der 71. HV des FCR am 10. Februar 1978 als Nachfolger von Kurt Kauer zum Vereinskassier gewählt. «Meine schönsten Erlebnisse mit dem FC Rorschach waren in den 90er-Jahren. Die Aufstiegsspiele zur NLB 1988 gegen Lyss/Emmenbrücke und Glarus und zwei Jahre später gegen Kriens, als wir nach dem Ausgleich für kurze Zeit in der zweihöchsten Liga standen, dann aber im strömenden Regen in der Innerschweiz doch noch verloren.

Und dann natürlich die vielen Cuphits auf dem Pestalozziplatz gegen den FC Zürich, die Grasshoppers mit Trainer Leo Beenhakker und gespickt mit den damaligen Stars wie Giovane Elber, Ciriaco Sforza und Alain Sutter, zweimal gegen den FC St. Gallen sowie Winterthur, Wil und Chiasso sind unvergesslich. Ebenso die Kulisse auf dem Pesta mit rund 3000 Zuschauern gegen GC und St. Gallen bleiben für immer in bester Erinnerung.

Abstieg in die 2. Liga als grosse Enttäuschung

Der FC Rorschach war bekannt als Liftmannschaft und hat sich plötzlich in der 1. Liga etabliert. Mit nur einem Ausrutscher in die 2. Liga verbrachten wir damals durchgehend 20 Jahre in der 1. Liga», sagt er und hat sofort ein Leuchten in seinen Augen. Wer so lange in einem Verein wirkt wie Elmar Keel, kennt aber auch die unschönen Seiten. «Enttäuschende Momente waren für mich nicht die sportlichen Abstiege von der 1. Liga in die 2. Liga Regional. Es waren Vorstandsleute, die die Finanzsituation in Schieflage brachten und sich nach nur kurzer Amtszeit wieder aus der Verantwortung verabschiedeten.»

Elmar Keel wurde bereits im vorletzten Heimspiel von der ersten Mannschaft würdevoll verabschiedet. Dass er von den Jungs ausgerechnet einen Jassteppich erhalten hat, vermag nicht zu erstaunen. Der leidenschaftliche Jasser wird sich weiterhin dafür Zeit nehmen. Und nicht nur das. Mit der Neugründung des FC Rorschach-Goldach 17 sind die Weichen in sportlicher Natur für die Zukunft gestellt worden. Es ist kaum anzunehmen, dass das legendäre FCR-Jassturnier in der Winterpause nicht mehr stattfinden soll.

Elmar Keel wohnt in Tübach. Sozusagen einen Steinwurf von den Sportanlagen Kellen entfernt. Dort wird der neue Fussballverein ab August seine Heimspiele austragen. Mit dabei auch Elmar Keel, der aber im Gegensatz zum Spielbetrieb auf dem Pestalozziplatz keine Funktion mehr innehaben wird. Nach fast 50 Jahren Vereinstreue wahrscheinlich für ihn auch erst gewöhnungsbedürftig. Und so ganz ohne FC Rorschach wird er auch nicht bleiben. «Ich hoffe, jetzt endlich Zeit zu finden, etwas Struktur in mein umfangreiches Archiv zu bringen», sagt er mit einem Augenzwinkern. Wer den stillen akribischen Schaffer im Hintergrund kennt, weiss, was er damit meint.