ABGEDREHT: Im Bann der Filmkameras

Die Stadt Rorschach diente in den vergangenen Tagen mehrmals als Kulisse für Filmaufnahmen. Auch das junge Team des Vereins Macherstube setzt die Stadt am See in Szene und wird sogar mit den Profis verwechselt.

Simon Roth
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Im Kurzfilm «Das Experiment» wird ein Mann von einem Auto angefahren. «Das ist nun schon der vierte», kommentiert der Polizist trocken. (Bild: PD)

Im Kurzfilm «Das Experiment» wird ein Mann von einem Auto angefahren. «Das ist nun schon der vierte», kommentiert der Polizist trocken. (Bild: PD)

Simon Roth

simon.roth@tagblatt.ch

Der Coup ist ihnen gelungen. Die Rorschacher Filmcrew Macher- stube drehte am ersten Märzwochenende beim Seepavillon für ihren neuen Kurzfilm «Das Experiment». Dabei wurden sie glatt für ein Filmteam des Schweizer Fernsehens gehalten. Tatsächlich drehte dieses auch an jenem Wochenende in Rorschach (Tagblatt vom 1.3.2017).

Seit gut zweieinhalb Jahren arbeiten vier junge Rorschacher Anfang 20 um Regisseur Josias Bruderer an Filmprojekten. So halten sie die Jahresunterhaltung der Landjugend St. Gallen-Bodensee auf Bildern fest oder filmen für das Studententheater St. Gallen. Am liebsten führen sie jedoch eigene Projekte durch – und das von Anfang bis Ende.

Mann geht rückwärts und wird von Auto angefahren

17 Leute waren beim Dreh für «Das Experiment» dabei. Das Drehbuch für den Film basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Günter Seuren. «Anders als bei unserem ersten Filmprojekt ‹Tanz der Zuckerfee› haben wir den Fokus bei dieser Produktion auf die Planung und den Dreh gesetzt», sagt Bruderer. In der Geschichte läuft ein Mann aus unerfindlichen Gründen rückwärts und wird schliesslich von einem Auto überfahren. «An Kurzfilmen gefällt mir, dass sie einen knappen Einblick in eine andere Welt geben. Jeder Betrachter muss selber eine Interpretation für das Gesehene finden», sagt der Regisseur.

Mit 17 Leuten zu drehen, setzt eine straffe Organisation voraus. Deshalb haben die vier Rorschacher im Januar einen Verein gegründet. Mit diesem wollen sie einmal im Monat einen Workshop zum Thema Film anbieten. «Wir möchten Interessierten die Möglichkeit geben, etwas Filmluft zu schnuppern oder sogar eine Basis zu geben, um selber Projekte zu verwirklichen», sagt Bruderer. Gleichzeitig soll auch ein Netzwerk von Gleichgesinnten geschaffen werden. Drei Workshops haben sie bereits durchgeführt. Einer hat sich besonders bezahlt gemacht: Es ging um die Planung und Durchführung eines Projekts. Dazu gehören unter anderem Drehbewilligungen einholen, die Auswahl von Schauspielern und das Catering bereitstellen. Vorher sei die Gruppe eher unstrukturiert an die Sache gegangen. «Jetzt kann ich mich als Regisseur auf andere Dinge konzentrieren. Jede Person hat eine Aufgabe und ich weiss, dass alle einen super Job machen», sagt Bruderer.

Publikumspreis an Filmfestival gewonnen

Macherstube sind Josias Bruderer, Lino und Nico Bischof sowie Marco Streule. Das Filmwissen haben sie sich übers Internet angeeignet. «Auf Youtube gibt es eine starke Gemeinschaft, von der man viel lernen kann», sagt Bruderer. Die Technik für die Filme haben sich die Freunde, die teils noch in der Ausbildung stecken, selbst finanziert. Dafür verzichten sie unter anderem auf Ferien. Die Filmprojekte beanspruchen oft die ganze Freizeit. Für «Tanz der Zuckerfee» haben sie vergangenes Jahr am Kreuzlinger Filmfestival «Blickfang» den Publikumspreis gewonnen. «Das hat uns motiviert, dran zu bleiben», sagt Bruderer. «Das Experiment» soll im Mai im Cevi-Kino Rorschach gezeigt werden.

Hinweis

Infos unter: www.macherstube.ch