Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ABFALL: Sie fetzelt auf der Kinderfestwiese

Eliane Jaenke ist einmal täglich mit der Greifzange auf der Kinderfestwiese unterwegs. Sie sorgt dafür, dass unliebsame Hinterlassenschaften nicht lange liegen bleiben.
Christina Weder
Eliane Jaenke beseitigt Pizzakartons und anderes auf ihrem Rundgang über die Kinderfestwiese. (Bild: Ralph Ribi)

Eliane Jaenke beseitigt Pizzakartons und anderes auf ihrem Rundgang über die Kinderfestwiese. (Bild: Ralph Ribi)

Vögel zwitschern. Ein Lüftchen treibt Wolken wie Wattebäusche über den Himmel. Der Blick schweift ins Grüne. Holztische und Bänke fürs Kinderfest stehen schon bereit. Unter einem Abfallkübel liegen Pizzaschachteln und Glacékübel. Eliane Jaenke sorgt dafür, dass sie die Idylle nicht länger trüben, und räumt sie weg. Sie ist seit sechs Jahren dafür zuständig, dass die Kinderfestwiese so idyllisch bleibt, wie sie ist.

Hier reinigt sie die öffentlichen WCs und Garderoben, leert die Abfallkübel und fetzelt auf der Wiese, die alle drei Jahre in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, wenn es wieder heisst: «s’isch». Eliane Jaenke macht hier täglich ihren Rundgang – zumindest im Sommerhalbjahr. Im Winter nicht ganz so oft. Angestellt ist sie von der städtischen Dienststelle Infrastruktur Bildung und Freizeit.

Wichtigstes Arbeitsgerät ist die Greifzange

In der einen Hand zieht sie einen Bollerwagen mit blauer Abfalltonne hinter sich her. In der anderen hält sie eine Greifzange – ihr wichtigstes Arbeitsgerät. Mit ihr greift sie nach leeren Dosen, klaubt Papierfetzchen aus der Wiese und fischt Zigarettenstummel einzeln aus dem Gras. Eine Rolle Robidog-Säckchen hat sie griffbereit, um liegen gelassene Häufchen zu beseitigen.

Ein frischer Brandfleck in der Wiese verrät, wo am Vorabend grilliert wurde. An den Wochenenden türmen sich neben den Abfallkübeln unter der grossen Linde Bierkartons. Jaenke ist immer wieder überrascht von der Menge des Alkoholkonsums, wenn sie die Flaschen im Müll entdeckt. Oft findet sich Hochprozentiges darunter. Am meisten Arbeit bereitet ihr zerschlagenes Glas. Eine Sisyphus-Arbeit, sagt sie: «Scherben von grünen Bierflaschen erkennt man in der Wiese nur mit Mühe.» Im vergangenen Sommer habe sich das gehäuft – jedes zweite Wochenende musste sie Glassplitter aus der Wiese klauben. «Das Destruktive nervt.» Sie rät davon ab, barfuss über die Wiese zu gehen.

In Erinnerung geblieben ist ihr auch eine Tischbombe mit Glitzerplättchen, die jemand auf der Wiese gezündet hatte. Es war, als müsste sie Konfetti aus dem Gras klauben. Eine Woche später glitzerte es immer noch im Grün.

Die Mulde füllt sich rasch

Doch an diesem Morgen sei es nicht so schlimm. «Es ist noch human», findet sie. Der Wind vom Vorabend hat die Besucher vorzeitig nach Hause getrieben. Trotzdem kehrt sie mit gefülltem Wägelchen vom Rundgang zurück und kippt den Inhalt in die bereits halb volle Mulde. Hier lagert der Abfall, den sie innerhalb einer Woche gesammelt hat: Flaschen, nicht angerührte Sandwiches, leere Chips-Tüten und allerhand anderes. Eliane Jaenke staunt immer wieder, wie viel Unrat zusammenkommt. «Zum Glück mache ich die Arbeit alleine. Sonst würde ich dem Kollegen nicht abnehmen, dass er die Kübel am Vortag bereits geleert hat.» Trotzdem gibt es für sie keinen schöneren Ort in der Stadt.

Sie wohnt gleich nebenan. Auch wenn im Hintergrund das Rauschen der Autobahn zu hören ist, schwärmt sie von der Ruhe auf der Wiese und von der Weite, die zurzeit allerdings von den Aufbauten fürs Kinderfest etwas verstellt sei. Und natürlich von der majestätischen, alten Linde.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.