ABFALL: Ein Kommen, Kippen und Gehen

Das Kehrichtheizkraftwerk im Sittertobel ist für 53 Millionen Franken saniert worden. Heute ist die Anlage grösser, sicherer und effizienter denn je. Ein Rundgang kurz vor Abschluss der aktuellen Bauetappe.

Roger Berhalter
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Bei Bedarf vollautomatisch: Die grossen Greifarme des Kehrichtheizkraftwerks befördern den Abfall rund um die Uhr in die Verbrennungsöfen. (Bilder: Benjamin Manser)

Bei Bedarf vollautomatisch: Die grossen Greifarme des Kehrichtheizkraftwerks befördern den Abfall rund um die Uhr in die Verbrennungsöfen. (Bilder: Benjamin Manser)

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

Seit das Kehrichtheizkraftwerk (KHK) ausgebaut wurde, hat Markus Walser mehr Zeit als früher, wenn etwas nicht nach Plan verläuft. Der KHK-Betriebsleiter führt an diesem Mittwochmorgen durch die neue Annahmehalle. Auf der einen Seite fahren Sattelschlepper und Kehrichtfahrzeuge über eine Waage herein. In der grosszügigen Halle können sie manövrieren und ihre Fracht in die passende Mulde kippen. Auf der anderen Seite verlassen die Lastwagen die Halle wieder und passieren dabei eine weitere Waage. «Unsere Kunden können kommen, kippen und wieder gehen», sagt Walser. Die Wege im neuen KHK seien klarer, die Abläufe effizienter, die Logistik einfacher. Die grosse Annahmehalle verschafft Walser Zeit zu reagieren, falls beispielsweise ein Ofen ausfallen sollte. Früher sei das Abfallsammelbecken bei einer Störung schnell überlaufen. Heute sind die Bunker mehr als doppelt so gross und bieten viel Platz, um den Abfall zu sortieren und zwischenzulagern.

Auch Schwankungen im normalen Betrieb lassen sich auf diese Weise ausgleichen. «Die Abfälle kommen meist nicht so konstant bei uns an, wie wir es gerne hätten», sagt Walser. An manchen Tagen würden kaum hundert Tonnen Material angeliefert, an anderen könnten es mehrere hundert Tonnen sein.

Mehr Fernwärme, weniger Nachtschichten

Die neue Bunkeranlage ist ein wichtiger Bestandteil des neuen Kehrichtheizkraftwerks. Für insgesamt 53 Millionen Franken wurde die 1972 erbaute Kehrichtverbrennungsanlage in den vergangenen Jahren saniert. Bis Ende Jahr sollen die Arbeiten der aktuellen Bauetappe abgeschlossen sein. Die Verbrennungsanlage ist mittlerweile ein Heizkraftwerk: Die Abwärme wird schon seit den 1980er-Jahren genutzt, um Haushalte in der Stadt zu heizen. Peter Härtsch von den St. Galler Stadtwerken betont auf dem Rundgang die gute Zusammenarbeit zwischen seiner Abteilung und dem Entsorgungsamt. «Früher herrschte in den Ämtern ein gewisses Gartenhagdenken. Das konnten wir aufbrechen.» Mittlerweile produziert das KHK so viel Fernwärme wie noch nie. «Im vergangenen Jahr konnten wir sieben Millionen Liter Öl einsparen. Das entspricht 473 Tanklastwagen», sagt Stadtrat Peter Jans. Im KHK läuft vieles automatisch ab, was für die 30 Mitarbeiter Vorteile bringt: Statt 18 müssen heute nur noch 14 von ihnen Nachtschicht arbeiten.

Für einen Zusatzkredit von einer Million Franken werden derzeit die Abfallbunker noch sicherer gemacht. Die Massnahme wurde nötig, nachdem im vergangenen September eine explosionsartige Verpuffung fünf Verletzte gefordert hatte. Auch sonst ist das KHK heute sicherer denn je, was den Brandschutz betrifft. Sensoren melden, wenn ein Feuer droht. Im Notfall lässt sich jede Abfallgrube mit einem Schaumteppich abdecken und eindämmen, bis die Feuerwehr kommt.