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Abacus auf der Anklagebank

Aufgefallen
Adrian Lemmenmeier
Der Abacus-«Glaspalast» in Wittenbach. (Bild: Benjamin Manser)

Der Abacus-«Glaspalast» in Wittenbach. (Bild: Benjamin Manser)

Das Verhältnis zwischen der Firma Abacus und der Gemeinde Wittenbach ist ein besonderes. Nicht etwa, weil der Software-Hersteller die stadtnahe Kommune wegen unlauterer Vergabe öffentlicher Aufträge angeklagt hat. Nein, das ist nichts Ungewöhnliches, befindet sich die Abacus doch mit 68 weiteren Gemeinden im Rechtsstreit. Die Verbindung ist simpler: In Wittenbach hat die Abacus ihren Sitz. In Wittenbach bezahlt sie ihre Steuern.

Das zumindest ist anzunehmen. Gerüchte, die derzeit in Wittenbacher Wirtshäusern die Runde machen, behaupten aber das Gegenteil: Die Abacus schiesse in Sachen öffentliche Vergabepraktiken scharf gegen die Gemeinde, bezahle selber aber nicht mehr Steuern als ein gewöhnlicher Familienvater, so der Tenor.

Was ist dran an der Geschichte? Wittenbachs Gemeindepräsident Fredi Widmer will sich dazu nicht äussern. «Zu der Frage, wer wie viele Steuern zahlt, können wir leider keine Auskunft geben», lautet die wenig überraschende Antwort. Offener ist man bei der Abacus selber. Auf die Frage, ob man den Kritikern am Stammtisch den Wind aus den Segeln nehmen wolle, indem man den Steuerbetrag offenlege, antwortet CEO Claudio Hintermann: «Wir bezahlen im Kanton St. Gallen jährlich einen hohen sechsstelligen Betrag an den Fiskus.» Es sei ihm nicht bekannt, dass in Wittenbach ein Familienvater lebe, der ein vergleichbares Steuervolumen aufbringe.

Wie die rechtlichen Streitereien zwischen der Abacus und den St. Galler Gemeinden ausgehen, steht in den Sternen. Noch stapeln sich die Klagen beim Verwaltungsgericht. In der Causa Stammtisch gegen Abacus aber steht das Urteil bereits fest: Biergeschwafel um gar nichts. Doch auch wenn Gerüchte im Suff entstehen, verbreiten können sie sich nur, wo ihnen fehlende Information Raum dazu lässt. Das Thema wäre kaum auf den Tisch gekommen, würde die Abacus im Internet ihre Jahresrechnung veröffentlichen. Verpflichtet ist sie dazu als nicht börsennotiertes Unternehmen nicht. Doch Transparenz ist eben in. Nicht nur an der Bürohausfassade, sondern auch in der Unternehmensführung. Sogar am Stammtisch. Warum nicht mit gutem Beispiel vor­angehen? Ein grosser Aufwand dürfte es nicht sein. Nicht für eine Firma, die auf Buchhaltungssoftware spezialisiert ist.

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

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