Ab jetzt geht's abwärts

Am frühen Montagmorgen haben die Bohrarbeiten fürs Stadtsanktgaller Geothermie-Projekt programmgemäss begonnen. Ende Juni soll klar sein, ob es 4000 Meter unter Abtwil genug heisses Wasser für ein Heizkraftwerk hat.

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Bohrstart im Sittertobel: Scharf beobachtet von Medienkameras wird der Bohrkopf eingefahren. (Bild: Reto Voneschen)

Bohrstart im Sittertobel: Scharf beobachtet von Medienkameras wird der Bohrkopf eingefahren. (Bild: Reto Voneschen)

ST. GALLEN. Am frühen Morgen, vor 6 Uhr, beginnen am Montag die letzten Vorbereitungen für den Bohrstart im Sittertobel. Der Bohrkopf wird vorbereitet und dann ins vorbereitete, bereits über 20 Meter tiefe Loch eingefahren. Der erste Teil des Bohrgestänges wird montiert. Die vielen Hilfsleitungen – unter anderem für die Spühlung – werden angeschlossen. Und dann, punkt 7.07 Uhr beginnt der Bohrer sich zu drehen.

Erleichterung spürbar

Die Erleichterung bei Marco Huwiler und Michael Sonderegger, den Projektverantwortlichen der Stadtwerke, aber auch bei Stadtrat Fredy Brunner war nach dem erfolgreichen Bohrstart deutlich spürbar. Eine mehrjährige Planungs- und Vorbereitungsphase fand damit ihren Abschluss. Jetzt geht's an die Realisierung des Pionierprojektes.

Am Montag soll rund 50 Meter senkrecht nach unten gebohrt werden. Damit würde der Bohrkopf eine Tiefe von rund 70 Metern erreichen. Dann wird er ausgefahren, damit verschiedene Mess- und Zusatzgeräte installiert werden können. Ist das geschehen wird ernsthaft in die Tiefe gebohrt.

Senkrecht, dann schräg

Zuerst geht's nochmals über 900 Meter senkrecht nach unten, dann in zwei Etappen schräg 3000 Meter Richtung Zielpunkt, wo – rund 4000 Meter unter Abtwil – genug 140 Grad heisses Wasser für den Betrieb eines Geothermie-Heizkraftwerkes vermutet wird. Der anvisierte Zielpunkt wird nach rund 100 Tagen erreicht sein. Und bis Ende Juni sollte nach verschiedenen Tests klar sein, ob die Bohrung wirklich fündig wird.

Gearbeitet wird rund um den Bohrturm ab jetzt rund um die Uhr. Die Angehörigen der Bohr-Equipe arbeiten 14 Tage lang in Zwölf-Stunden-Schichten. Danach haben sie 14 Tage frei, bevor die nächste Diensttour beginnt. Die zwei Wochen Auszeit werden die allermeisten von ihnen bei ihren Familien in Deutschland verbringen.

Lange Vorbereitungsphase

Die ersten Vorarbeiten zum Stadtsanktgaller Geothermieprojekt wurden bis 2007 im Rahmen der Entwicklung des städtischen Energiekonzepts 2050 geleistet. 2009 folgte eine Machbarkeitsstudie. Anfang 2010 wurden die Verhältnisse im St. Galler Untergrund mit seismischen Messungen abgeklärt. Im Herbst 2010 hiess das städtische Stimmvolk mit einem Ja-Stimmenanteil von über 80 Prozent den Gesamtkredit von 159 Millionen Franken fürs Geothermie-Projekt gut. Ab Frühling 2011 wurde der Bohrplatz im Sittertobel vorbereitet. Dann kam's zu einer Verzögerungen aufgrund von Problemen bei der Vergabe des Bohrauftrags und der Suche nach einem Bohrturm. Und jetzt, am 4. März 2013, 7.07 Uhr, war also Bohrbeginn. (vre)

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