A1-ANSCHLUSS: Verkehrsclub fordert Plan B

Der Masterplan «Autobahnanschluss-Plus» führt laut Verkehrsclub St. Gallen-Appenzell zu mehr Verkehr in Wohngebieten und zu unnötigem Verschleiss von Kulturland.

Drucken
Teilen

Seit Ende August liegt ein Gesamtkonzept der Gemeinden Goldach, Rorschach und Rorschacherberg vor. Der sogenannte Masterplan «Autobahnanschluss-Plus» sieht einen A1-Zubringer im Goldacher Hanggebiet Witen vor. Die Behörden wollen den Anschluss und ihre Exponenten betonen einstimmig, dass es dabei um «wesentlich mehr geht, als um den A1-Anschluss». Sie loben den Masterplan als «absolut gut» und «sehr lohnende Sache». Die geschätzten Kosten für die Umsetzung des Plans liegen bei 190 Millionen Franken. Den Grossteil davon übernähmen der Bund und der Kanton. Die Gemeinden müssten 10 bis 15 Prozent der Gesamtsumme übernehmen. Und je nachdem für «Interessenbeiträge» oder Kosten für Begleitprojekte aufkommen. Für die lokalen Beiträge benötigen die Gemeinden das Ja der Bevölkerung. Werden diese von ihr abgelehnt, kann das Projekt begraben oder jedenfalls für Jahre verzögert werden.

Während der Vernehmlassung zum Masterplan haben regionale Parteien und Verbände Stellung zum «Autobahnanschluss-Plus» genommen. So auch der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) St. Gallen Appenzell. In der Medienmitteilung schreibt der Club, dass er es zwar begrüsse, dass im Masterplan über die Gemeindegrenzen hinaus die Situation und die künftige Entwicklung analysiert wurde und daraus Massnahmen zur Verbesserung geplant würden. Er finde es jedoch störend und raumplanerisch falsch, dass der Autobahnanschluss und die Zubringerstrasse die zentralen Element der Planung seien. Der VCS wirft der Planungsgruppe vor, dass man eine Vielzahl von planerischen Überlegungen nicht gemacht habe oder solche im Masterplan kaum erwähnt würden. Gemäss VCS würden die Nachteile beim Bau der Strasse deutlich überwiegen.

ÖV und Fuss- und Veloverkehr verbessern

Der vorliegende Masterplan könne den Club nicht davon überzeugen, dass ein Autobahnanschluss die Verkehrssituation in der Region verbessern würde, heisst es in der Mitteilung. Man befürchte, dass viele Strassen in den Quartieren vom zusätzlichen Verkehr durch den Anschluss belastet würden. Die Rede ist von gut 17000 Fahrzeugen mehr pro Tag bis 2040. Die Annahme, dass der motorisierte Verkehr im Zentrum Rorschachs dank des Autobahnanschlusses abnehmen werde, sei aufgrund des Masterplans nicht nachvollziehbar.

Zudem sei man überzeugt, dass neben der lokalen Verschlechterung der Lebensqualität durch den Mehrverkehr auch globale Auswirkungen des motorisierten Verkehrs auf das Klima und den Ressourcenverbrauch zu beachten seien. Deshalb empfehle man den Gemeinden, mehr auf die Verbesserungen des Angebots des öffentlichen Verkehrs und des Fuss- und Veloverkehrs zu setzen, statt Strassen auszubauen, die zusätzlichen Verkehr generieren würden. Überdies brächten der teure und steile A1-Anschluss und die Zubringerstrasse nicht nur mehr Verkehr, Lärm und Gefahren in die «Stadt am See» und deren Wohngebiete, sondern sie zerstörten auch Kulturland. Dies sei unnötig.

Forderung nach Plan B ohne A1-Anschluss

Aus den aufgeführten Gründen fordert der VCS die Planungsgruppe und die beteiligten Gemeinden dazu auf, einen Plan B zur Verbesserung der Verkehrssituation ohne Autobahnanschluss auszuarbeiten. Man sei der Meinung, dass die Wahlberechtigten der betroffenen Gemeinden zwischen zwei ausgearbeiteten Alternativen wählen können sollen. (vcs/arc)