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6-Jährige gestorben – Spital Walenstadt soll zahlen

RHEINECK. Wegen gravierenden Fehlern einer Rettungssanitäterin ist ein 6-jähriges Mädchen im April 2006 nach einem Skiunfall in den Flumserbergen gestorben. Nun fordern die Eltern vom Spital Walenstadt Schmerzensgeld und Schadenersatz.
Wegen Fehlern einer Rettungssanitäterin ist ein Mädchen 2006 nach einem Skiunfall gestorben. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wegen Fehlern einer Rettungssanitäterin ist ein Mädchen 2006 nach einem Skiunfall gestorben. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Kreisgericht Rheintal befasste sich am Mittwoch in Rheineck mit dem Fall. Das Urteil steht noch aus. Die Eltern fordern je 70'000 Franken Schmerzensgeld (Genugtuung) sowie knapp 20'000 Franken Schadenersatz.

Ihr Anwalt warf der Rettungssanitäterin «grobe Fahrlässigkeit» vor. Er übte deutliche Kritik am Umgang der Spitalverantwortlichen mit dem «tragischen Vorfall». Niemand sei bereit gewesen, offensichtliche Fehler zuzugeben und als Konsequenz Verbesserungen beim Notfalldienst zu prüfen.

Das Mädchen hatte beim Skifahren einen Beinbruch erlitten. Es wurde vom Pistenrettungsdienst, später von einer Sanitäterin des Spitals Walenstadt betreut. Sie verabreichte ihm ein Schmerz- und ein Beruhigungsmittel, nachdem das Kind bereits zuvor vomPistenretter ein anderes Schmerzmedikament erhalten hatte.

Atemstillstand
Noch auf dem Weg zur Ambulanz erlitt die 6-Jährige einen Atemstillstand. Die Rettungssanitäterin bemerkte dies zu spät, weil sie die Atmung und den Puls des Mädchens nicht überwachte. Der Einsatz des Beruhigungsmittels - das auch als Narkosemittel verwendet wird - hätte eine strikte Überwachung der Patientin erfordert.

Das Mädchen wurde reanimiert und von der Rega ins Kinderspital nach St.Gallen geflogen. Doch jede Hilfe kam zu spät. Die Ärzte mussten den Hirntod feststellen.

Laut dem Anwalt hätte es «unglaublich wenig gebraucht», um das Kind zu retten. Eine Bekannte der Familie habe die Sanitäterin darauf hingewiesen, dass das Mädchen blaue Lippen und Fingernägel habe. Die Sanitäterin habe aber nicht reagiert und damit «gegen das Einmaleins der Rettung» gehandelt.

Die Eltern seien nach dem Verlust ihres einzigen Kindes fast verzweifelt und litten unter Depressionen, betonte ihr Anwalt. Sie hätten ärztliche Behandlung und psychologische Betreuung gebraucht. Oft kämen Eltern ein Leben lang nicht über den Tod eines Kindes hinweg.

Eiskalter Spital-Anwalt
Der Rechtsvertreter des Spitals Walenstadt zeigte sich völlig unbeeindruckt. Er äusserte kein Wort des Bedauerns und keinerlei Verständnis für den Schmerz der Eltern. Ihre Geldforderungen seien willkürlich und gingen «weit über das Übliche hinaus». Für den seelischen Schmerz der Eltern forderte er Beweise.

Die Rettungssanitäterin treffe nur ein geringes Verschulden, betonte er. Dies gehe aus dem Strafbescheid des Untersuchungsamts hervor. Das Spital sei zur Bezahlung von Schmerzensgeld bereit, aber nur weit unter der geforderten Höhe. Eine aussergerichtliche Einigung sei nicht möglich gewesen. (sda)

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