52'370 gegen einen

ST.GALLEN. Angst haben vor heute abend müssen wir keine. Von Honduras geht in St.Gallen keine Gefahr aus. Versprochen! Gewinnen die Latinos, wird es weder ein wahrnehmbares Hupkonzert noch ein Verkehrschaos geben.

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Enttäuschung oder grosser Jubel heute bei Honduras? (Bild: Keystone)

Enttäuschung oder grosser Jubel heute bei Honduras? (Bild: Keystone)

Angst haben vor heute abend müssen wir keine. Von Honduras geht in St. Gallen keine Gefahr aus. Versprochen! Gewinnen die Latinos, wird es weder ein wahrnehmbares Hupkonzert noch ein Verkehrschaos geben. Und verlieren sie, dürfen wir allfällige Gewaltandrohungen in diesem Fall durchaus auf die leichte Schulter nehmen. Dies, obwohl Honduras im Sommer 1969 zu den Teilnehmern des «Soccer War», des Fussballkriegs, gehörte. Damals prügelten sich Honduras und El Salvador während ziemlich genau 100 Stunden militärisch.

Angefangen hat damals El Salvador nach einem verlorenen Spiel um die Qualifikation für die Fussball-WM 1970. Tiefere Ursache für den Krach waren zuvor seit längerem schwelende Grenzstreitigkeiten.

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Die Erkenntnis, dass wir in St.Gallen das lateinamerikanische Temperament nicht zu fürchten brauchen, ist dem städtischen Einwohneramt zu verdanken. Es hat – quasi als Sonderleistung zur Fussball-WM – dem Computer den Auftrag gegeben, nicht nur eine aktuelle Liste mit der Herkunft der Bewohnerinnen und Bewohner zu erstellen, sondern jene Nationen darauf gelb zu hinterlegen, die derzeit an der WM in Südafrika kicken. Und beim Studium der Aufstellung lässt sich unschwer feststellen, für wen heute abend in der Gallusstadt beim Spiel der Schweiz gegen Honduras grossmehrheitlich gefant wird. In St.Gallen lebten Ende Mai nämlich 52 370 Schweizerinnen und Schweizer, aber nur ein honduranischer Staatsangehöriger. Ob es sich dabei um eine Sie oder einen Er handelt geht aus der städtischen Liste – wohl auch aus Datenschutzgründen – nicht hervor. Ob und allenfalls wo diese Person das heutige Spiel verfolgen wird, ist dem Einwohneramt ebenfalls nicht bekannt: Vielleicht weilt sie ja direkt in Südafrika. Vielleicht schaut sie in den eigenen vier Wänden Fernsehen. Vielleicht interessiert sie sich gar nicht für Fussball. Auch das soll ja vorkommen…

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Die grösste WM-Fangruppe in der Stadt neben den Schweizern stellen die Deutschen (4790 Personen). Drittgrösste Gruppe sind die Italiener (2627), deren Festpotenzial mindestens doppelt so gross wäre wie das der doppelt so zahlreichen Deutschen. Unter Beweis stellen werden das die Azzurri nach dem gestrigen Aus für ihr Team allerdings nicht mehr. Ruhig über den Spielausgang gefreut haben sich gestern die 81 hier lebenden Slowakinnen und Slowaken. Nicht mehr an der WM dabei ist auch die viertgrösste Fan- und Hupgruppe der Stadt St. Gallen, die der Serben (2461). In die Lücke springen können die bei uns lebenden Portugiesen (820), Spanier (616) und Brasilianer (118). Ähnlich stark wie Brasilien sind Griechenland (138) und die Niederlande (117) vertreten.

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Die übrigen WM-Länder stellen nur kleine Kontingente. Franzosen gibt's 96, US-Bürger 95, Briten 94 und Slowenen 62. Algerier wurden Ende Mai 39 gezählt, Nigerianer 34, Mexikaner 26, Japaner 21, aus Australien 17, Südkoreaner 16, Argentinier 14, Ghanaer 10, Chilenen 8, Neuseeländer 6, Südafrikaner 4 sowie Staatsangehörige von Kamerun und der Elfenbeinküste je 5. Aus Paraguay leben 2 Personen in St.Gallen. Keine Bewohner stellen zwei WM-Nationen, nämlich – überraschend – Uruguay und – wie erwartet – Nordkorea. Ende Mai wohnten insgesamt 72 474 Personen in St. Gallen. (vre)

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