50 Kilometer lange Sorgenkinder

Mit schwerem Gerät werden derzeit die Rheindämme auf ihre Stabilität untersucht. Was die Sonden zu Tage bringen, ist nicht gerade beruhigend. Die vor Hochwasser schützenden Wälle bestehen grossteils nur aus sandiger Erde.

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Rhesi untersucht die Rheindämme auf 26 Kilometern Länge zwischen Illmündung und Bodensee – hier im Bereich der Rheinbrücken in Lustenau/St. Margrethen (Bild: Internationale Rheinregulierung)

Rhesi untersucht die Rheindämme auf 26 Kilometern Länge zwischen Illmündung und Bodensee – hier im Bereich der Rheinbrücken in Lustenau/St. Margrethen (Bild: Internationale Rheinregulierung)

Unterhalb des Ausganges des Diepoldsauer Durchstichs im südlichsten Lustenau steht ein mobiles Sondiergerät auf der Dammkrone. Ein deutsches Spezialunternehmen ist mit der Untersuchung des Materials beauftragt, aus dem der Hochwasserschutz beidseitig des Rheins besteht. Im Schnitt zwischen 15 und 25 Meter tief werden die Sondierrohre abgesenkt.

Nur sandige Erde

Was sie in Form von Bohrkernen zu Tage fördern, ist wenig vertrauenerweckend. Die Dämme bestehen auf weiten Strecken nur aus sandiger Erde, die zur weiteren Untersuchung in beschriftete Kisten gefüllt werden. «Und unter der Dammwurzel ist nur Sand, so stark mit Wasser durchsetzt, dass er aus dem Sondenrohr ausläuft», sagt ein Arbeiter der Spezialfirma. Neu ist diese Erkenntnis für Mathias Speckle vom Projekt «Rhesi, Rhein – Erholung und Sicherheit» nicht: «Rhesi» hat die Verbesserung des Hochwasserschutzes am unteren Alpenrhein zum Ziel. «Als man in diesem Bereich Anfang der 1920er- Jahre die Dämme aufschüttete, nahm man eben das Aushubmaterial aus dem Rheinbett, die Verdichtungstechniken waren damals noch in den Kinderschuhen.

Nun soll die laufende Untersuchung Aufschluss über die tatsächliche Stabilität der Dämme geben. Je nach den örtlichen Gegebenheiten wird der Hochwasserschutz in Abständen von 50 bis 100 Metern mit der Sonde erkundet. Dies bedeutet, beidseitig gerechnet, auf der Untersuchungsstrecke vom Bodensee bis zur Illmündung auf der Höhe von Rüthi rund 380 Aufschlüsse.

Wo Anrainergemeinden Sorgen um die Brunnen für die Trinkwasserversorgung äusserten, wird tiefer gebohrt. Eine besonders heikle Zone ist auch die Strecke des Diepoldsauer Durchstichs, wo die Kiesauflage im Flussbett gefährlich dünn ist. Dort wurde Anfang der 1920er-Jahre das Bett für den neuen Rheinlauf durch das Riet gegraben, unter dem seit Jahrtausenden unsichere Torfschichten liegen, deren Mächtigkeit nun ergründet werden soll.

Seit dem Hochwasserereignis 1987, das mit 2650 Kubikmetern pro Sekunde bereits zu Überschwemmungen in Fussach geführt hatte, wirft die Sicherheit der Rheindämme Sorgenfalten auf die Stirnen der Rheinbauleiter.

Grösste Sorge – ein «Grundbruch

«Damals wurden die Gefahren neu eingeschätzt und Gegenmassnahmen überlegt.» Mitte der 1990er-Jahre bis 2007 wurden Schmaldichtwände in die Dämme eingebracht, die vor allem das Durchsickern verhindern sollen. Eine weitere Gefahr ist die Überflutung der Dammkronen, die die Schutzbauwerke wie Zucker im Kaffee bröckeln lassen könnte.

«Unsere grösste Sorge ist aber ein hydraulischer Grundbruch», sagt der Schweizer Rheinbauleiter Daniel Dietsche angesichts des Milliardenschadenspotenzials im Rheintal. Dabei werden die Dämme unter dem Druck der Wassermassen unterspült und fallen in sich zusammen. (gg)

Die Sondierrohre werden 15 bis 25 Meter tief abgesenkt. (Bild: gg)

Die Sondierrohre werden 15 bis 25 Meter tief abgesenkt. (Bild: gg)