40 Jahre und eine 2000er-Note

Nach einer über 40jährigen Karriere bei der Post, davon 23 Jahre als Poststellenleiter von Mörschwil, tritt Joe Holderegger zusammen mit seiner Gattin Felicitas per Ende Januar 2013 in den vorzeitigen Ruhestand.

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Joe und Felicitas Holderegger treten in den Ruhestand. (Bild: pd)

Joe und Felicitas Holderegger treten in den Ruhestand. (Bild: pd)

MÖRSCHWIL. Als Bauernsohn am Gübsensee in St. Gallen aufgewachsen, absolvierte Joe Holderegger nach der Verkehrsschule ab April 1970 in Uznach und St. Gallen eine Ausbildung zum diplomierten Postbeamten bei den damaligen PTT. Nach Lehrabschluss konnte er in Zürich bis zum Beginn der Rekrutenschule drei Monate Grossstadtluft schnuppern. Anschliessend führte ihn sein Weg für zwei Jahre nach Genf.

Leitung der Post in Mörschwil

Zurück im heimatlichen St. Gallen ermöglichte Holderegger als zuverlässiger «Springer» zahlreichen Poststellenleitern, unbesorgt in die Ferien zu verreisen. Dazwischen arbeitete er im Versand- und Bahnpostdienst St. Gallen, wo er 1980 zum Bürochef ernannt wurde. Die mit der Ablösung von Poststellenleitern verbundene Selbständigkeit gefiel ihm, so dass in ihm der Wunsch reifte, selbst die Leitung zu übernehmen. Vorerst wechselte er 1986 aber als Dienstchef ins ehemalige Postcheckamt St. Gallen. 1989 bewarb er sich mit Erfolg für die Leitung der Post Mörschwil. Ab dann unterstützte ihn auch seine Gattin Felicitas, die mit ihrer KV-Ausbildung ideale Voraussetzungen mitbrachte.

Mit 2000er-Note bezahlt

Heute kann das Ehepaar Holderegger auf ein interessantes und vielseitiges Berufsleben mit vielen Hochs, aber auch einigen Tiefs zurückblicken. Sowohl von der Kundschaft wie auch von Arbeitskollegen und Vorgesetzten wurden beide wegen ihrer angenehmen, hilfsbereiten und zuverlässigen Art stets geschätzt.

Aus einem so langen Berufsleben bleibt auch die eine oder andere Anekdote in Erinnerung, wie der Fall jener betagten Kundin, die ihre monatlichen Einzahlungen mit einer Tausendernote beglich und sich eine Stunde später am Schalter beklagte, sie hätte zu wenig Rückgeld erhalten. Holderegger erklärte ihr anhand des Kassenstreifens, dass alles seine Richtigkeit habe. Sie gab sich zufrieden, erschien aber nach einer weiteren Stunde erneut am Schalter – mit derselben Klage. Wiederum vermochte er sie zu beschwichtigen. Als sie am Nachmittag zum drittenmal verzweifelt am Schalter stand, wusste er nicht, was er ihr noch erklären konnte. Schliesslich fragte er sie, womit sie dann bezahlt habe. «Ja mit einer 2000er-Note!» Als sich die Kundin hatte überzeugen lassen, dass es keine solchen gibt, meinte sie erleichtert: «Da fällt mir aber ein Stein vom Herzen.» Und so erging es auch dem Poststellenleiter. Mit etwas Wehmut denken Joe und Felicitas Holderegger an viele schöne Jahre zurück, in denen sie zahlreiche Kundinnen und Kunden sowie Kolleginnen und Kollegen kennen- und schätzen gelernt haben.

Nun haben sie sich entschieden, gemeinsam in den Ruhestand zu treten. Dabei freuen sie sich besonders auf erfüllende Begegnungen mit Freunden, aber auch auf das Singen im Chor zu St. Otmar und dem Oratorienchor St. Gallen. Kraft tanken wollen sie beim Wandern.

Stets mit Rat zur Stelle

Krankheitsbedingt war Joe Holderegger seit Ende April 2012 nicht mehr in der Poststelle Mörschwil anzutreffen. Bei Bedarf stand er seinen Kollegen aber stets mit Rat zur Seite. (pd/kar)

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