365 Tage im Jahr für Kinder geöffnet

Seit kurzem gibt es beim Spisertor ein «Kinderarzthaus». Die Öffnungszeiten sind lang, die drei Kinderärzte arbeiten Schichtdienst. Das soll nicht zuletzt berufstätigen Eltern zugute kommen.

Christina Weder
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Kinderarzt Lior Haftel richtet sein Behandlungszimmer ein. (Bild: Christina Weder)

Kinderarzt Lior Haftel richtet sein Behandlungszimmer ein. (Bild: Christina Weder)

Das Kind hat hohes Fieber, die Eltern möchten den Kinderarzt hinzuziehen. Doch die Bürozeiten sind vorüber. Oder es geschieht ausgerechnet am Wochenende.

Das «Kinderarzthaus», das Anfang September direkt beim Spisertor geöffnet hat, möchte in solchen Situationen Abhilfe schaffen. Es handelt sich um eine Hausarzt- und Notfallpraxis für Kinder und Jugendliche, die an 365 Tagen im Jahr geöffnet hat, wochentags bis 20 Uhr.

Internationales Team

Zwar hat das «Kinderarzthaus», an dessen Fenstern grosse Teddybären prangen, seit dem 6. September geöffnet. Die offizielle Eröffnung ist aber erst auf den 22. Oktober anberaumt. Die Umbauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Die drei Kinder- und Jugendärzte, alle Angestellte der 2011 gegründeten «Kinderarzthaus AG», richten sich noch ein.

«Rund 20 kleine Patienten haben wir bereits behandelt», sagt Lior Haftel, der medizinische Leiter. Er ist Anfang September nach St. Gallen gezogen und stammt ursprünglich aus Israel. Haftel spricht Hebräisch, Deutsch und Englisch und hat sich soeben für einen Schweizerdeutschkurs angemeldet. Seine beiden Kollegen kommen aus Ungarn und Österreich. Bei den Vorsorgeuntersuchungen soll jedes Kind von einem festen Arzt betreut werden. Zum Team gehören weiter fünf Medizinische Praxisassistentinnen und eine Ergotherapeutin.

Im Erdgeschoss soll «eine Art Notfallzentrum» entstehen, wie Haftel sagt. Ohne Voranmeldung werden hier Schnittverletzungen, Prellungen und Brüche behandelt. Kinder, die etwa einen bellenden Husten oder hohes Fieber haben, werden versorgt. Bei lebensbedrohlichen Fällen müsse man das Kinderspital aufsuchen.

St. Gallen «unterversorgt»

Ein erstes «Kinderarzthaus» wurde bereits im Juli in Aarau eröffnet. St. Gallen und Aarau seien aufgrund einer Standortanalyse gewählt worden, bei der die Kinderarzt-Dichte verschiedener Städte miteinander verglichen wurde. Dabei kam laut Geschäftsführerin Christine Seith heraus, dass St. Gallen und Aarau diesbezüglich «unterversorgt» seien. Auch ein Blick auf die Altersstruktur der praktizierenden Ärzte habe gezeigt, dass in St. Gallen Potenzial vorhanden sei.

Im selben Gebäude beim Spisertor hat gleichzeitig das «Arzthaus», eine Hausarztpraxis für Erwachsene, geöffnet, das von einem schwedischen Ehepaar geführt wird. Laut Christine Seith handelt es sich um zwei unabhängige Firmen, welche die Räumlichkeiten und die Infrastruktur gemeinsam nutzen.