2,5 Prozent weniger Lohn ab 2013

Ende November wird der St. Galler Kantonsrat über die für 2013 geplante Lohnkürzung für das Staatspersonal befinden. Die Personalverbände wehren sich am kommenden Donnerstag mit einer Kundgebung gegen die «Sparschweinerei».

Markus Scherrer
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Flugblatt der Personalverbände. (Bild: pd)

Flugblatt der Personalverbände. (Bild: pd)

ST. GALLEN. «Das Staatspersonal muss ausbaden, was der Kantonsrat mit seinen Steuersenkungen der letzten Jahre eingebrockt hat. Das geht nicht.» Das sagte gestern Maria Huber, Präsidentin der Personalverbändekonferenz des Kantons St. Gallen. Zusammen mit Vertretern weiterer Personalverbände legt sie die Gründe dar, weshalb das Staatspersonal am kommenden Donnerstag auf die Strasse geht. Anlass für die grosse Kundgebung, die auf dem Bahnhof- und dem Gallusplatz beginnen und in der Marktgasse enden wird, ist nicht etwa die konkrete Einbusse, welche die Lohnkürzung von 1,5 Prozent mit sich bringt. Sondern vielmehr die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren immer wieder «auf dem Buckel des Staatspersonals gespart» worden sei, wie Maria Huber sagt. Konkreter wird Benno Lindegger, Präsident des St. Galler Kantons- und Gemeindepersonals, dessen Verband zwar als moderat gilt, sich nun aber auch der Demonstration anschliesst. «Insgesamt bewirkten alle Personalmassnahmen der vergangenen Jahre, dass der Lohn heute gegenüber 1996, das heisst seit immerhin siebzehn Jahren, im Kanton real unverändert ist.»

«Mangelnde Wertschätzung»

Die Häufung von Sparmassnahmen werde auch als Ausdruck mangelnder Wertschätzung für die Arbeit empfunden, sagt Benno Lindegger. «Wir befinden uns ganz offensichtlich in einer Krise. In solchen Zeiten muss man die Mitarbeiter motivieren und nicht demotivieren.» Die Vertreterinnen und Vertreter der Personalverbände äussern sich besorgt über den Motivations- und Qualitätsverlust. Beim Pflegepersonal und bei den Lehrkräften sei eine Abwanderung zu befürchten. Im Gesundheitswesen sei es schon heute schwierig, genügend qualifizierte Fachleute zu finden.

Bertrand Hug, Vizepräsident des Verbandes der Kantonspolizei St. Gallen, weist darauf hin, dass die Aufstockung des Polizeikorps um 75 Stellen aus Spargründen bereits nach etwa einem Drittel gestoppt worden sei. Dieser Stop bringe die Polizisten zunehmend an die Grenze ihrer Möglichkeiten. «Ausserdem haben in den vergangenen Monaten die Kündigungen vor allem jüngerer Mitarbeiter stark zugenommen. Es scheint eine Kündigungswelle anzurollen», sagt Bertrand Hug. Es werde in absehbarer Zeit nicht mehr gelingen, die Austritte mit den Polizeischulabgängern zu ersetzen. «Und diese Lohnreduktion tangiert erneut die Attraktivität des Polizeiberufes.»

22 000 Angestellte betroffen

Das Staatspersonal wird nicht nur die Lohnkürzung zu spüren bekommen. Ab Anfang 2013 müssen die Staatsangestellten wegen der steigenden Lebenserwartung auch höhere Beiträge an die Pensionskassen zahlen. «Wenn der Kantonsrat dem Antrag der Regierung folgt, wird das Staatspersonal im kommenden Jahr im Schnitt 2,5 Prozent weniger im Portemonnaie haben», sagt Maria Huber.

Aus diesen Gründen geht das Staatspersonal auf die Strasse. Es will sich gegen die «Sparschweinerei» wehren, von der 22 000 Angestellte betroffen sind.

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